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Borussia Mönchengladbach
Kopf aus, Ball rein

Johnson vergibt Großchance zum Siegtreffer
Johnson vergibt Großchance zum Siegtreffer FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Nicht einmal 20 Prozent ihrer Chancen nutzen die Borussen aus. Der frühere Stürmer Mike Hanke sagt, wie sie die Torschusspanik überwinden können. Es muss wieder selbstverständlich sein, zu treffen. Von Karsten Kellermann

Es ist schon paradox. Borussia, einst berühmt geworden als höchst produktive Torfabrik, hat ein Problem ausgerechnet mit dem Wesentlichen: Das Tor ist zuletzt zu selten geworden in Mönchengladbach, denn die Borussen haben ihre liebe Not mit dem Abschluss. Das ist höchst unbefriedigend und kostet eine Menge Punkte. Chancen gibt es derweil genug, 61 mithin in dieser Saison, die höchst torverdächtig waren, das hat das Fachmagazin Kicker errechnet. Doch nur zwölf Treffer gab es, das ist eine Quote von 19,7 Prozent. Das ist nahezu der Wert, den es auch beim 1:1 gegen Hoffenheim gab: Fünf, vielleicht sechs schöne Gelegenheiten brachten nur ein Tor.

Der Blick auf die Bilanzen derer, die laut Jobbeschreibung für die Produktion von Toren zuständig sind, stützt die These, dass Borussias Hauptproblem die Effektivität ist. Bundesliga-Topscorer Pierre-Emerick Aubameyang aus Dortmund hat eine Trefferquote (das Verhältnis von Torschüssen und Toren) von 54 Prozent, der Kölner Anthony Modeste liegt bei 75 Prozent (in Gladbach traf er sogar, ohne eine Chance zu haben). Borussias Werte sind deutlich bescheidener: Lars Stindl, mit 13 Punkten der beste Scorer, verwandelt nur 25 Prozent der Bälle, die er aufs Tor schießt. Bei Raffael sind es 28 Prozent. Thorgan Hazard hat mit 33 Prozent die beste Quote. Dass Fabian Johnson nur auf 20 Prozent kommt, verwundert nicht, wenn man sich an seine vertane Chance gegen Hoffenheim erinnert. Mit einem Hauch mehr Effektivität allein bei Johnson, der zuletzt gegen Köln und 1899 jeweils die Chance zum 2:1 hatte, stünde Borussia wohl weit besser da.

Aber wie ist die Torschusspanik zu kurieren? Vielleicht müssen die Borussen die Lust auf das Tor noch mehr steigern. Von Weltfußballer Cristiano Ronaldo heißt es, dass er oft nach dem Training noch Bälle ins Tor tritt, einfach, weil er Spaß daran hat, dass Bälle im Netz zappeln. Ronaldo wird oft dafür verspottet, sich auch über Elfmeter beispielsweise zum 5:1 zu freuen - doch vielleicht ist es gerade das, was ihn ausmacht, den unbedingten Willen, die, Verzeihung, Geilheit auf das Tor. Aus Frust muss Lust werden beim Torschuss.

"Manchmal fehlt vor dem Tor die gewisse Leichtigkeit", sagt Borussias Trainer André Schubert. Man darf unterstellen: Raffael, Stindl, Hazard und Johnson haben Bock auf Tore. Und genau genommen ist es ja auch die 2:0-Panik, die derzeit hemmt. Denn das 1:0 können die Borussen, nur bringen sie es zu selten durch. Doch ein Team, das in der vergangenen Saison 67 Tore erzielte, also fast zwei pro Spiel (so gut war die Quote zuletzt 1987), sollte eigentlich wissen, wie es geht. Und doch liegt der Schnitt etwas unter einem Tor pro Spiel. Da ist es schwer, über das Mittelmaß hinauszukommen.

Wie kann Schubert seine Spieler enthemmen? Mike Hanke, früher Borussen-Stürmer und als solcher auch erfahren in Phasen der Torlosigkeit, weiß, wie die Therapie gelingen kann. "Verstärkt Spielzüge mit Torabschluss trainieren. Und immer wieder Torschusstraining so dass die Spieler das Selbstvertrauen wiederbekommen", rät Hanke. Auch visuelle Reize empfiehlt er: "Man sollte Videos mit Toren zeigen." Ein "Best off" der Borussen-Tore, untermalt mit Musik und mit Zeitlupen zum genauer Hinschauen - das kann pädagogisch wertvoll sein.

Vielleicht sollten es die Borussen auch mal mehr mit den einfachen Stilmitteln versuchen. Fast 150 Ecken gab es ohne Tor. Und dass Fernschüsse Erfolg bringen können, war zuletzt zweimal im Borussia-Park zu besichtigen - nur eben nicht bei den Borussen. Doch grundsätzlich ist es nicht der Weg zum Tor, der Gladbach sorgt, sondern das Tor selbst. Dass es inzwischen wohl eher ein Kopfproblem ist als eines der Füße, ist anzunehmen. "Einfach den Kopf ausschalten und intuitiv Torabschlüsse üben", schlägt Hanke vor. Die Logik des Tores ist, dass es logisch sein muss, es zu machen, die reine Selbstverständlichkeit: "Ich schieße, also treffe ich."

Quelle: RP
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