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Borussia Mönchengladbach
Kopfsache Königsklasse

Übersicht: So ist Borussia seit 2008 gestartet
Übersicht: So ist Borussia seit 2008 gestartet FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Einerseits befeuert Borussia verständlicherweise den Hype um die eigene Champions-League-Premiere, andererseits soll die Liga im Vordergrund stehen. Diesen mentalen Spagat meistern einige Protagonisten offenbar besser als andere. Von Stefan Klüttermann

Dass die Champions League in dieser Saison eine Belastung werden würde, darüber waren sie sich bei Borussia durchaus von Anfang an im Klaren. Aber sie hatten wohl eher an die körperliche Belastungen der vielen Englischen Wochen gedacht. Dass die Champions League allerdings nun womöglich schon vor der Auslosung negativen Einfluss auf die Leistung der Borussen nimmt, das müssen sich die Protagonisten erst in diesen Tagen des Bundesliga-Fehlstarts eingestehen. "Wir können anführen, dass natürlich auch die Champions League dauernd um uns rum wabert. Wir können das ja gar nicht verhindern, dass vielleicht der ein oder andere eben nicht diese 100 Prozent hat, sondern nur 98 Prozent", gab Sportdirektor Max Eberl jedenfalls nach dem 1:2 gegen Mainz am Sonntag zu.

Gedanken an die Königsklasse als mentale Versuchung, der nicht jeder Borusse widerstehen kann? - Es scheint fast so. Und das kaum lösbare Dilemma dieser Erkenntnis besteht darin, dass Borussia selbst den Hype um die eigene Champions-League-Premiere verständlicherweise mitbefeuert. Ja, die Medien berichten viel und oft über Borussias Debüt in der Königsklasse. Aber es waren nicht die Medien, die die überdimensionierten Plakate mit "Auf, auf, auf in die Champions League" am Fanhaus oder am Borussia-Park aufgehängt haben, die ein neues Champions-League-Trikot verkaufen wollen, die im Mitgliedermagazin 13 Sonderseiten zur Champions League drucken und die morgen ab 17 Uhr in den Raum Büchsenwurf ins Stadion einladen, um bei Tombola und buntem Rahmenprogramm die Gruppenauslosung zu verfolgen. Das macht Borussia ganz allein, denn sie will die Königsklasse ja als das nutzen, was sie ist: ein Hauptgewinn in Sachen globaler Marketingaussichten. "Für uns ist es eine Riesenchance, überall auf der Welt Leute für Borussia zu gewinnen", sagte Medien- und Marketingleiter Markus Aretz unlängst im Interview mit unserer Redaktion.

Dieser überbordenden Vorfreude von Verein und Fans auf die größtmögliche Bühne des europäischen Vereinsfußballs steht nun die vergleichsweise unsexy daherkommende Mahnung entgegen, man solle sich auf die Liga konzentrieren. Niemand wird wiedersprechen, dass diese Mahnung das einzig Wahre ausspricht, aber Mahnungen sind eben per se unsexy. Und wie sehr sich ein einzelner dieser Mahnung öffnet, wie sehr ein Profi es schafft, die Gedanken an mögliche Duelle mit Barcelona, Madrid oder Juventus so auszublenden, dass sein mentaler Fokus auf dem Liga-Alltag liegt, liegt eben am Charakter jedes einzelnen. Der eine ist anfälliger für Ablenkung, der andere weniger.

"Ich kann nur für mich sprechen: Die Bundesliga ist das Wichtigste, der Rest ist ein schönes Zubrot. Eins, das wir uns natürlich verdient haben. Punkt. Ohne Wenn und Aber", sagt Tony Jantschke, dem man hinreichend inneren Abstand zum eigenen Tun unterstellen darf, um die nötige Fokussierung hinzubekommen. Aber die Hand in dieser Hinsicht für alle Kollegen ins Feuer legen, das will kein Borusse, den man fragt. Die Champions League wird also zur Kopfsache - schon jetzt. Dieses Problem gilt es genauso auszumerzen wie die fehlenden Details im Spiel, die Borussia bislang ohne Punkt dastehen lassen. "Es ist natürlich ärgerlich, dass wir so eine Phase jetzt zu Beginn haben, denn ich betone ja immer wieder, wie wichtig es ist, in der Bundesliga einen guten Start zu haben", sagt Jantschke. Der gute Start muss langsam starten, also am Sonntag (17.30 Uhr) in Bremen. Dann kennen die Spieler ihre drei Gegner in der Champions League. Und wie sehr sie das mental beschäftigt, können sie auf dem Rasen des Weserstadions nachweisen.

Quelle: RP
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