| 11.49 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Langweilig wird's auf jeden Fall nicht

Mönchengladbach. Der Begriff "Schneckenrennen" taucht wieder inflationär auf, wenn es um den Kampf um die Europapokal-Plätze geht. Zwei Überraschungsteams und vier Große mit Steigerungspotenzial knubbeln sich in der Tabelle. Von Jannik Sorgatz

Es deutet viel darauf hin, dass die Schuld bei Hertha BSC zu suchen ist. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel hatte zum gleichen Zeitpunkt einer Saison nur Borussia Mönchengladbach im Jahr 1996 als Tabellendritter weniger als 42 Punkte auf dem Konto.

Der Schnitt liegt bei 46, wobei die Hertha, die jetzt schon mehr Zähler gesammelt hat als in der kompletten Vorsaison, zurecht alle Schuld von sich weisen wird. Gleiches gilt für den FSV Mainz 05. Niemand kann selbsternannten Schnecken vorwerfen, dass sie sich nicht schnell genug von der Stelle bewegen.

Dann also doch auf die schwächeren Vier der starken Sechs konzentrieren – auf den FC Schalke, Borussia Mönchengladbach, den VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen. Die hinken teils deutlich ihren Ansprüchen hinterher. Gladbach hat in 25 Spielen mit der Hypothek des Fehlstarts unter Lucien Favre fünf Punkte weniger als vergangene Saison gesammelt, Leverkusen sechs, Wolfsburg sogar 16. Nur Schalke steht zwei Punkte besser da, aber 2014/15 war es eben so, dass die Königsblauen die eigenen Ziele noch weiter verfehlten.

So ist alles eng zusammengerückt und das böse Wort "Schneckenrennen" häuft sich, weil Berlin 16 Punkte hinter dem Zweiten Borussia Dortmund liegt. Allerdings – und wenn der Pay-TV-Sender "Sky" clever ist, wird das bis zum Saisonende gnadenlos ausgeschlachtet – lagen nie weniger Punkte zwischen dem Dritten und Achten, nämlich nur sechs. Damit winkt das "spannendste Schneckenrennen aller Zeiten", wobei man "aller Zeiten" ja nicht mehr schreiben soll, weil die Zeit noch ein Jahr 2017, 2018 usw. bringen dürfte.

Vielleicht gab es früher auch einfach nicht so viele Mannschaften, die die Champions League als Ziel ausgegeben haben und/oder bereits dort unterwegs waren. Immerhin waren seit 1995 nur sechs von 20 Tabellensechsten besser als Gladbach zum jetzigen Zeitpunkt und nur sechs Tabellenachte besser als Leverkusen. Beide liegen über dem Schnitt. Die Königsklasse ist fürs Konto und fürs Image so lukrativ geworden, dass viele Teams, die Schritt halten wollen, nicht mehr sagen: "Hauptsache international." Zumindest nicht Schalke, Wolfsburg und Leverkusen.

Mit der inflationären Verwendung des Wortes "Schneckenrennen" kommen auch die Prognosen, wie viele Punkte für die direkte Champions-League-Qualifikation, für die Play-offs und für die Europa League reichen werden.

Neun Spieltage vor dem Ende lohnt es sich, einen Blick darauf zu werfen, wie die Kandidaten in solch einem Zeitraum bislang abgeschnitten haben. Die folgende Grafik unterteilt die Saison in Neun-Spiele-Intervalle. So bedeutet der grüne Punkt ganz unten, dass Wolfsburg vom 12. bis 20. Spieltag nur sechs Zähler gesammelt hat.

Deutlich wird, dass Gladbach und Wolfsburg besonders schwankend unterwegs waren. Die schwarze Linie bewegt sich zwischen 12 und 23 Punkten, die grüne zwischen 6 und 17. Gladbachs Erwartungswert ist aber höher als der Wolfsburger, gute Aussichten für die Borussia, zumindest in der Europa League zu landen.

FOTO: rpo

Herthas verblüffende Konstanz

Verblüffend ist die Konstanz der Hertha, die sich zwischen 13 und 19 Punkten bewegte. Dass das Überraschungsteam vollkommen einbricht, erscheint deshalb unwahrscheinlich. Gleichzeitig bedeutet es aber, dass die Mannschaft von Pal Dardai keinen richtigen Lauf über einen solchen Zeitraum hatte.

Berlin und Mainz haben ihr Potenzial meistens abgerufen. Zuletzt holten besonders die 05er alles raus, so dass bis zum Saisonende nicht mit einer Steigerung ihres Bestwerts von 17 Punkten zu rechnen ist. Gladbach hat mit der Serie im Herbst gezeigt, wo das hinführen kann – kein anderer der Europapokal-Kandidaten hat in einem Neun-Spiele-Intervall siebenmal gewonnen. Die Grafik zeigt aber auch, dass die Borussia sich seit einigen Wochen am unteren Ende bewegt und konstant unter dem eigenen Durchschnitt punktet.

Schon die kommenden drei Spieltage könnten die Wahrheit ans Licht bringen. Dann heißt es: Hertha - Schalke, Schalke - Gladbach, Gladbach - Hertha. Das Geknubbel in unserer Grafik seit ein paar Wochen zeigt allerdings, dass dies noch länger die Zustände bleiben könnten. Schneckenrennen hin oder her – hochspannend wäre es auf jeden Fall. Und vielleicht winkt dann ein "Herzschlagfinale" am 34. Spieltag.

(jaso)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Borussia Mönchengladbach: Langweilig wird's auf jeden Fall nicht


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.