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Borussia Mönchengladbach
"Methusalem" Stindl und ein besonderer zweiter Platz

Mainz - Gladbach: Einzelkritik
Mainz - Gladbach: Einzelkritik FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Lars Stindl hat beim 2:1-Sieg in Mainz gleich zwei persönliche Bestmarken aufgestellt. Außerdem gewann Borussia in diesem Jahr immer auswärts, wenn der Kapitän ein Tor schoss. Besonders Lars Stindl ist es zu verdanken, dass Europa weiter in Reichweite ist. Von Jannik Sorgatz

Die jüngste Elf der Saison

Vor dem Spiel hatte sich Lars Stindl einen Spruch vom Mannschaftsarzt anhören müssen. Mit 28 Jahren war der Kapitän Borussias ältester Spieler in der Startelf und wurde erst durch Ibrahima Traorés Einwechslung von der Methusalem-Position verdrängt. 24,2 Jahre war Dieter Heckings Team im Schnitt alt, die jüngste Gladbacher Elf seit dem letzten Spieltag der Saison 2015/16 in Darmstadt. Amateurklubs lassen im Training gerne mal die Alten gegen die Jungen spielen. Bei Borussia wäre am Samstag tatsächlich ein Jonas Hofmann, der im Juli 25 wird, bei den Alten gelandet.

Die B-Nationalmannschaft bringt sich in Stellung

Das Trio an der Spitze der Bundesliga-Torjägerliste ist 27, 28 und 29. Da fügt sich Stindl, der sich mit seinem elften Saisontor in die Top Ten vorgearbeitet hat, nahtlos ein. Seine Bestmarke aus Hannover hat er damit übertroffen, zudem erstmals in seiner Karriere in vier aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen getroffen. Die einzigen deutschen Spieler mit mehr Toren sind Timo Werner, Mario Gomez und Max Kruse. Wenn Joachim Löw Borussias Kapitän nach dieser Saison nicht nominiert, dann wahrscheinlich nie mehr. "Ich würde es Lars wünschen, dass er es mal erlebt, um auszuloten, wo er steht, was eventuell noch fehlt oder auch nicht", sagte Hecking im Interview mit unserer Redaktion. Nur wittert neben Stindl und Kruse in Sandro Wagner noch so ein Gesicht der virtuellen B-Nationalmannschaft seine Chance. Wird Gladbach Siebter und muss in der Europa-League-Qualifikation Ende Juli antreten, wäre der Confed Cup wohl eher eine Strafe.

Doppelte Schulz-Freude

Nico Schulz hat vor zwei Jahren so ein Turnier im Sommer gespielt. Mit der deutschen U21 kam er ins EM-Halbfinale und gefiel den Borussen, die ihn Ende August 2015 verpflichteten. Aufgrund eines Kreuzbandrisses und weil er Ende Januar krank wurde, als Hecking zwischen ihm und Oscar Wendt eine "50:50-Entscheidung" fällen musste, hatte Schulz bis zum Anfang dieser Woche gerade einmal 155 Minuten lang das Borussia-Trikot getragen. Es kamen 80 im DFB-Pokalhalbfinale gegen Frankfurt dazu und am Samstag die vollen 90 in Mainz. Und weil Schulz in Verdopplungs-Stimmung war, schoss er gleich sein zweites Bundesligator im 62. Spiel. Derweil durfte sich sein Namensvetter Marvin, noch so ein Pechvogel namens Schulz, ebenfalls freuen: Er konnte in der U23 sein erstes Spiel nach langer Leidenszeit machen. Beim Stand von 1:2 gegen Alemannia Aachen wurde er eingewechselt, fünf Minuten später stand es 3:2. Zumindest Marvin Schulz konnte den 3:3-Ausgleich in der 90. Minute sicherlich verkraften.

Die Rückrunden-Auswärtstabelle

Hertha BSC hat neun Auswärtsspiele in Folge verloren, Werder Bremen stand nach 20 Spieltagen mit 16 Punkten auf dem Relegationsplatz, Eintracht Frankfurt ist Letzter in der Jahrestabelle und Schalke 04 hatte nach fünf Spieltagen null Punkte – nur vier Beispiele für all die Makel, die die Europa-League-Aspiranten in dieser Saison angehäuft haben. Gladbachs größter Rucksack ist – noch vor der schlechten Bilanz gegen die Top-Teams – die Auswärts-Ausbeute in der Hinrunde. Zwei Punkte und nur drei Tore gab es zu bejubeln, schlechter war lediglich der SV Darmstadt. Doch seit Dieter Heckings Übernahme hat sich das Blatt mit fünf Auswärtssiegen gewendet. Nur die Bayern und Bremen haben in dieser Zeit ebenfalls mehr als zwei geschafft. So sehen die ersten sechs Plätze der Rückrunden-Auswärtstabelle aus:

  • 1. Bayern München – 15:3 Tore – 17 Punkte
  • 2. Borussia Mönchengladbach – 15:12 Tore – 16 Punkte
  • 3. Werder Bremen – 16:11 Tore – 14 Tore
  • 4. Borussia Dortmund – 11:12 Tore – 8 Tore
  • 5. RB Leipzig – 8:10 Tore – 8 Punkte
  • 6. SC Freiburg – 6:14 Tore – 8 Punkte

Ein Blick auf den 32. Spieltag

Selbst mit neun Punkten aus den letzten Spielen hat es Borussia nicht in der eigenen Hand, wenigstens auf den siebten Platz zu springen. Doch ein Sieg gegen den FC Augsburg könnte nächsten Samstag eine noch größere Wirkung haben, weil Köln gegen Bremen und Freiburg gegen Schalke spielt, zudem empfängt Hertha Leipzig. Im schlechtesten Fall beträgt der Rückstand auf die Plätze fünf bis sieben dann weiterhin vier, drei und zwei Punkte. Möglich ist es aber auch, bis auf einen Punkt an Hertha heranzurücken und in einer Woche punktgleich mit dem Sechsten und Siebten zu sein – einen Erfolg gegen Augsburg immer vorausgesetzt.

(jaso)
 
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