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Borussia Mönchengladbach
Stindl: "Der Freiraum tut unheimlich gut"

Borussia Mönchengladbach: Lars Stindl erklärt, warum es so gut läuft
Lars Stindl und Raffael harmonieren derzeit prächtig. FOTO: dpa, ahe kno
Mönchengladbach. Seit sie Borussias Sturmduo bilden, sind der Ex-Hannoveraner und Raffael sehr produktiv. Stindl erklärt, warum es so gut läuft. Von Karsten Kellermann

Raffael ist seltsam drauf in diesen Tagen. Der Brasilianer war ein mimisches Neutrum, da konnte kommen, was wollte. Nun ist der Mann ein regelrechtes Feierbiest. In Stuttgart rannte er nach seinem ersten Saisontor zu den Fans und zelebrierte wild gestikulierend seinen Treffer. Gegen Wolfsburg stand er schon wieder vor der Kurve und feuerte die Fanschaft an. "Es macht so viel Spaß mit den Fans", sagte Raffael nach dem 2:0 gegen die Wolfsburger - "da kann ich gar nicht anders", hätte er noch hinzufügen können.

Dass Raffael derzeit viel Freude an seinem Job hat, liegt wohl auch an Lars Stindl. Der ist seit dem Augsburg-Spiel Raffaels fester Sturmpartner. Das Duo ist sehr produktiv. Stindl erzielte zwei Tore seitdem (hinzu kommt das eine in Bremen, wo die beiden ebenfalls zusammen Dienst taten) und legte nun gegen Wolfsburg ein Tor vor. Raffael traf in Stuttgart, zuvor war er gegen Augsburg an allen vier Treffern beteiligt. Und jetzt gegen Wolfsburg erkämpfte sich der Künstler im Bodenkampf mit dem wild grätschenden Timm Klose regelrecht die Vorlage für Havard Nordtveit.

Borussia Mönchengladbach: Scorerliste der Saison 2015/16 FOTO: ap

"Es passt gut mit Lars und mir", sagte Raffael nach dem Wolfsburg-Spiel. Stindl sei zwar ein anderer Spielertyp als Max Kruse, sein kongenialer Sturmpartner der beiden Vorsaisons, doch sei er einer, der "mir entgegenkommt mit seiner Art, er spielt intelligent und hält gut den Ball", fasste Raffael Stindls Vorzüge zusammen. Stindl hat nach Anlaufschwierigkeiten und vielen Positionswechseln unter Lucien Favre nun offenbar seinen Platz im Gladbacher Team gefunden. Darüber und über Borussias Aufschwung sprach er mit unserer Redaktion.

Herr Stindl, es sah so aus, als hätten Sie gegen Wolfsburg Spaß gehabt.

Stindl Ja. Aber es war ein schweres Spiel nach der Belastung in der Champions League. Trotzdem haben wir sofort vorne attackiert und hatten die eine oder andere Chance, auch durch mich, aber ich habe leider nur den Pfosten getroffen. In der Halbzeit haben wir uns gesagt: Wir werden weiter unsere Chancen bekommen. Wir waren dann sehr kompakt und haben Stiche gesetzt. Mit dem sensationellen Tor von Howie und Ibos 2:0 war das Ding durch.

Fotos: Nordtveit trifft per Volley-Hammer FOTO: Dirk Päffgen

Die Vorlagen zu den Toren kamen von Raffael und Ihnen. Sie beide sind sehr produktiv, seit sie vorn zusammenspielen.

Stindl Im Moment läuft es gut, sicher. Aber wir haben nicht vergessen, wo wir vor elf oder zwölf Tagen standen, da wurde alles negativ gesehen. Wir fahren gut damit, wenn wir jetzt das Positive mitnehmen, aber weiter daran arbeiten, dass es so bleibt. Abgesehen davon ist es ja auch unser Job als Stürmer, etwas zu bewegen. Bei meinem Pass habe ich Ibo starten sehen. Er ist ja pfeilschnell. Es hat gepasst und zum Glück macht er das 2:0.

Ihnen persönlich merkt man den Spaß deutlich an. Sie schießen Tore, bereiten Tore vor und sind viel unterwegs: Mal weichen Sie auf dem Flügel, mal lassen sie sich ins Mittelfeld zurückfallen, dann sind Sie wieder im Strafraum gefährlich.

Stindl Es macht uns allen viel Spaß. Der Freiraum, ein bisschen nach Gefühl zu arbeiten, tut unheimlich gut. Natürlich gibt der Trainer die Richtung vor. Aber ein Spiel hat immer seinen eigenen Rhythmus, darauf reagieren wir individuell. Wir auf den zentralen Positionen - Raffa und ich vorn, Granit Xhaka im Mittelfeld und Alvaro Dominguez hinten - steuern das Ganze ein wenig. Die Flexibilität auf den Positionen in der Offensive, die individuelle Klasse, auch der Jungs, die reinkommen und den Unterschied machen, wie jetzt Howie, all das zeigt, dass wir viel Qualität haben.

Sie haben vorher immer wieder andere Aufgaben im Team gehabt: Sie waren Sechser, haben auf dem Flügel gespielt. Haben sie jetzt Ihre Position gefunden - als Stürmer Stindl?

Stindl Ich habe ja immer gesagt, dass ich mich Zentrum am wohlsten fühle. Vorn passt es gut, nicht nur, was die Leistung angeht, sondern auch der Ertrag. Es macht natürlich viel Spaß im Moment. Aber es geht, das habe schön öfter gesagt, um das große Ganze - und da sind wir auf dem richtigen Weg.

Übersicht: So starteten die Bundesliga-Trainer der Borussia FOTO: rpo

Sie haben gegen Manchester City das erste Champions-League-Tor der Gladbacher Vereinsgeschichte erzielt und gegen Augsburg ein herrliches Tor gemacht. Was passt so gut mit Ihnen und Raffael? Erklären sie mal.

Stindl Raffa ist ein sensationeller Spieler. Man muss nicht groß drum rum reden, welche Qualität er hat, wie er sich reinhaut und wie er seine Mitspieler in Szene setzt. Das macht es mir natürlich leichter, und auch den anderen. Wir versuchen, unser Kombinationsspiel zu finden. Und wir wollen die Leistung, die wir in den letzten Spielen gezeigt haben, immer wieder bestätigen. Wir hatten, ich sage mal, einen durchwachsenen Start und haben den jetzt ein wenig korrigiert. Aber wir müssen dranbleiben.

Was hat der neue Trainer André Schubert mit dem Team gemacht? Alle wirken viel befreiter. Ist es so einfach: Neuer Trainer, neues Glück?

Stindl Es ist schwierig, dazu etwas zu sagen. Es war vorher so, wie es war. Und jetzt ist es so, wie es ist. Klar, es sieht aus, als wenn etwas ganz Besonderes gemacht wird. Aber wir alle haben uns den Start ganz anders vorgestellt. Nicht nur der Trainer, auch jeder Spieler und die ganze Mannschaft haben einen Anspruch an sich selbst. Dem sind wir absolut nicht gerecht geworden. Es gab natürlich mit dem Trainerwechsel die eine oder andere Veränderung in der Herangehensweise. Aber wir als Mannschaft wollten, unabhängig vom Trainer, unbedingt den Negativtrend abstellen, andere Leistungen zeigen und wieder in die Erfolgsspur kommen. Dass es in den letzten Bundesligaspielen so sensationell gelaufen ist, macht uns umso glücklicher und stimmt uns positiv für die nächsten Wochen.

Für Sie könnte es noch ein Schmankerl als Ansporn geben. Ihr Drehschuss zum 3:0 gegen Augsburg wurde für das Tor des Monats nominiert.

Stindl Ich habe einfach versucht, die Kugel ins lange Eck zu schießen. Schon als sie meinen Fuß verlassen hat, hatte ich ein gutes Gefühl, dass sie einschlägt. Aber die Konkurrenz bei der Wahl ist groß. Mal sehen, wo ich lande. Ich lasse mich überraschen.

Quelle: RP
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