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Borussia Mönchengladbach
Stindl ist der Mann für wichtige Tore und effektive Pässe

Porträt: Lars Stindl: Vielseitiger Profi und Führungsspieler
Porträt: Lars Stindl: Vielseitiger Profi und Führungsspieler FOTO: dpa, ve sab
Mönchengladbach. 18 Treffer und 21 Vorlagen in 53 Pflichtspielen - das ist die Quote des Borussen-Kapitäns. Die will er am Freitag gegen Frankfurt ausbauen. Von Karsten Kellermann

So recht passt dieser stramme Schuss unter die Querlatte, die danach wohl noch minutenlang bebte, nicht ins Bild. Eher schon wäre es logisch gewesen, wenn der Ball, den Lars Stindl mit reichlich Wucht vom Elfmeterpunkt auf das Tor des Hamburger SV getreten hatte, im Ziel gelandet wäre. Wäre es so gekommen, wäre es wohl das Siegtor gewesen gegen die Hanseaten, und Stindl, Borussias Kapitän, wäre der Matchwinner gewesen. Doch es kam eben anders, der Ball prallte vom Balken zurück aufs Spielfeld und Stindl hob die Hände vors Gesicht.

Ausgerechnet er verschoss. Untypisch. Eigentlich ist Stindl die personifizierte Effektivität - vor allem, wenn es darum geht, wichtige Tore zu erzielen. Gegen Leverkusen am ersten Spieltag machte er das Siegtor, gegen Ingolstadt das wichtige 1:0. Wie vor einer Woche beim ersten Champions-League-Auswärtssieg Borussias überhaupt in Glasgow. In der Königsklasse hat er auch das erste Gladbacher Tor erzielt, in der vergangenen Saison gegen Manchester City. Und mit einem Doppelpack trug er zum 4:2 gegen den FC Sevilla bei, dem ersten Dreier in der europäischen Eliteklasse. Und nun der Fehlschuss gegen den HSV, weswegen es beim 0:0 blieb. Es war das mittlere der vergangenen drei Bundesligaspiele, die alle denselben Offensiv-Ertrag hatten: keinen. Dazu kommen 16 Minuten aus dem Spiel gegen Ingolstadt, die dieses nach dem 2:0 durch Oscar Wendt noch dauerte. 286 torlose Minuten - für ein Team wie das der Borussen, dessen Lieblingsdisziplin unter Trainer André Schubert das Toreschießen ist, ist das eine ärgerliche Bilanz. Die soll geändert werden. Heute. Gegen Eintracht Frankfurt.

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Ein Kandidat, das zu schaffen, ist Lars Stindl. Denn jenseits des verschossenen Elfmeters ist dieser Lars Stindl unglaublich effektiv. Als Torschütze und auch als Vorbereiter. 18 Tore und 21 Assists in 53 Pflichtspielen hat er beisammen, seit der für Gladbach spielt. In dieser Saison hat er vier Tore gemacht und sechs vorbereitet, damit ist er mit Thorgan Hazard (7/3) Topscorer der Mannschaft. Die Ausgeglichenheit beider Werte ist typisch für Stindl, denn sie sagt über den Stürmertyp Stindl aus: Er ist mannschaftsdienlich.

Seit dieser Saison ist er auch André Schuberts Kapitän. Überrascht hat das nicht, schließlich trug er auch bei Hannover 96 die Binde am Arm. Stindl ist ein Leader, auch wenn er kein Lautsprecher ist. Doch er ist einer, der "Probleme offen anspricht", wie Schubert seine Wahl zu Saisonbeginn begründete. Gegen Stuttgart war sein Tor ein Problemlöser, es war das entscheidende 2:0. Dass er traf, passt zu seiner Statistik: Denn er ist ein Pokal-Typ in Gladbach. Vier Spiele, fünf Tore, das ist ein Wort. Das klingt danach, dass es sich mit einem wie Stindl doch sehr lohnen könnte, im Pokal weit zu kommen. Gegen Stuttgart schoss er den Ball in der 84. Minute ins Tor. Damit gönnte er seinen Kollegen und sich immerhin sechs Minuten, in denen sie es ruhiger angehen konnten. "Hätten wir früher das 2:0 gemacht, hätten wir mit Blick auf die kommenden Wochen cleverer spielen können", sagte er. Sprich: noch schonender, so wie die Bayern am Samstag nach dem Seitenwechsel gegen Borussia, als das Spiel entschieden war. Trotzdem: "Wir nehmen das Erfolgserlebnis mit, es tut uns gut. Wir haben in der Bundesliga ja zuletzt nicht so gepunktet, wie er es uns vorgestellt haben, und haben auch nicht so die Leistungen gezeigt. Aber wir haben auch gezeigt, dass wir unter schwierigen Bedingungen mithalten und gewinnen können", sagte Stindl nun. Er meinte die Spiele in Glasgow und gegen Stuttgart, die beiden 2:0-Erfolge. Stindl hat in beiden Spielen getroffen, in Schottland hat er zudem das zweite Tor vorbereitet.

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So geht er voran. Als Tormacher, als Vorbereiter, als Kreativling. Gerade in den Spielen, in denen, wie zuletzt, Raffael fehlt, ist das wichtig. Nicht immer gelingt das Stindl optimal, es ist ja auch kaum möglich. "Raffa ist unglaublich", sagt auch Stindl und wird, wie alle anderen, immer wieder selbst inspiriert, wenn der "Maestro" spielt. Doch der 28-Jährige ist auch ohne "Raffa" kreativ: Er beherrscht wie keiner aus dem Team den "Schlüsselpass", der zu Torabschlüssen führt. Er weiß, wo die Tiefe ist, ob als Absender oder Adressat. Das bekam auch Frankfurt zu spüren in der vergangenen Spielzeit. Beim 5:1 in Frankfurt legte er Raffael das 1:0 auf, im Rückspiel, beim 3:0, schoss er das erste Tor selbst. Das ist vorbildlich für heute Abend und passt irgendwie besser zum Borussen Stindl als verschossene Elfmeter.

Quelle: RP
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