| 12.12 Uhr

Borussia empfängt die "alte Dame"
Bénes hat schöne Erinnerungen an Hertha

Das ist Laszlo Bénes
Das ist Laszlo Bénes FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Laszlo Bénes schoss vor fast genau einem Jahr bei seinem Startelf-Debüt gegen die Hertha das Siegtor. Es folgte eine lange Leidenszeit. Am Samstag kehrt der 20-Jährige in den Kader zurück. Von Karsten Kellermann

So richtig viele schöne Erlebnisse hatten die Borussen in dieser Saison, in der so vieles schief gelaufen ist, nicht. Somit gibt es auch wenige Gegner, mit denen die Gladbacher schöne Erinnerungen verbinden. Nun treffen sie aber gleich zwei am Stück. Nächste Woche die Bayern, da gab es in der Hinrunde das 2:1, eine von nur zwei Liga-Niederlagen, die der Mönchengladbacher Jupp Heynckes als Wieder-Trainer des Rekordmeisters erlitten hat. Aber vor München ist Berlin, oder besser: Hertha BSC.

Was war das für ein Auswärtsspiel in der Hauptstadt am 18. November 2017! 3:0 stand es nach 20 Minuten, und es lief wirklich alles optimal für die Borussen. Denis Zakaria, der nach seinem Muskelfaserriss nun zurückkehren wird ins Team, war mit einem unwiderstehlichen Sololauf vor dem 1:0 der Geburtshelfer des 4:2-Sieges, den Raffael mit seinem Doppelpack möglich machte. Sein wunderbarer Distanzschuss war vollgepackt mit der Entschlossenheit, die Borussias Offensivkräften vorher und nachher allzu oft fehlte.

Apropos Distanzschuss: Da sind wir bei der nächsten schönen Erinnerung, die mit Hertha BSC zu tun hat. Für einen jungen Borussen geht es da um den vielleicht schönsten Tag seiner Karriere, schließlich erzielte er bei seinem Startelf-Debüt gleich das Siegtor. Und wer sich den Schuss, mit dem Laszlo Bénes das 1:0 gegen die "alte Dame" klarmachte, in Erinnerung ruft, und sich dann seine folgende Vita anschaut, der wird den Kopf schütteln: Nur noch sieben Einsätze hatte er seitdem, in der aktuellen Saison nur einen einzigen, das war beim 2:2 in Augsburg am zweiten Spieltag. Danach brach er sich im Testspiel gegen Venlo den Mittelfuß und fiel aus. Erst vergangene Woche in Mainz war er wieder im Kader, eingewechselt wurde er jedoch nicht beim trüben 0:0.

Dabei sollte es seine Saison werden, Experten trauten dem Slowaken den Durchbruch zu. Er und Zukauf Zakaria, so wurde spekuliert, rangelten um den Platz neben dem erfahrenen Christoph Kramer im zentralen Mittelfeld. Je nach Ansatz wäre es auch ein charmanter Gedanke gewesen, sich beide zusammen auf dem Platz vorzustellen. Bénes' Verletzung jedoch beendete die Planspiele, er war raus und Zakaria machte seinen Weg, er kam ohne Umschweife an in der Bundesliga. Michael Cuisance, der junge Franzose, der eigentlich ein Lehrjahr haben sollte hinter Jung-Spielern wie Bénes und Zakaria, nutzte die Chance, um eine bislang höchst beachtliche erste Spielzeit in der deutschen Eliteklasse hinzulegen. Das Pech des einen ist im Fußball immer auch das Glück der anderen.

Hecking hat wieder mehr Optionen

Nun, da Bénes wieder eine Option und auch Zakaria wieder bereit ist, sind die vorsaisonalen Gedankenspiele wieder erlaubt. Zakaria ist etwas mehr der Kämpfertyp, Bénes der Filigranere mit mehr Zug zum Tor, Zakaria mehr Aufräumer und Balleroberer, Bénes mehr Regisseur, doch können mit ihrer jeweiligen Spielweise ein Team mitreißen. Beide sind heiß auf einen Einsatz. "Ich bin froh, dass diese beiden Spieler zurück sind. Wenn sie fit sind, sind sie auch Startelf-Kandidaten", sagte Trainer Dieter Hecking. Zakaria indes ist es wohl ein bisschen mehr, hat er doch bei weitem nicht eine so lange Pause gehabt wie der Kollege.

Nicht nur personell ist Borussia vielseitiger geworden, sondern auch systemisch. Zuletzt haben die Borussen zweimal im 3-1-4-2-System gespielt – in diesem könnte man sich gut Bénes als einen der beiden Achter vorstellen. Allerdings könnte auch Zakaria diese Rolle übernehmen. Setzt Hecking aber wieder auf ein System mit zwei Sechsern (4-2-3-1, 4-4-2), dürfte Zakaria der Mann neben Kramer sein. Von der Position aus hatte der Schweizer in Berlin auch das Solo gestartet, an dessen Ende der Stindl das 1:0 auflegte.

Der Kapitän hatte in Mainz keinen so guten Tag, das gilt gleichermaßen für Raffael und Thorgan Hazard. "Raffael ist noch nicht bei 100 Prozent, Toto hat im Moment nicht seine Bestform und Lars hatte für seine Qualitäten zu viele Ballverluste. Dann ist klar, dass unser Offensivspiel ins Stocken gerät. Umgekehrt gilt: Wenn die Drei gut drauf sind, ist Leben auf dem Platz", sagte Hecking. Lässt er dennoch einen aus dem Trio draußen, könnten Bénes und Zakaria auch zusammen spielen.

Was Bénes angeht, gibt es einen romantischen Grund, ihm mindestens Einsatzzeit, wenn nicht sogar seinen vierten Startelf-Einsatz bei Borussia zu gönnen. Denn sein siegbringender Schuss gegen die Hertha passierte vor fast auf den Tag genau einem Jahr, am 5. April. Und der Fußball beliebt zuweilen, seltsame Geschichten zu schreiben aus der "Ausgerechnet"-Kiste. Sollte also Bénes spielen, ob nun von Beginn an oder als Joker, kann man ihm nur mit auf den Weg geben: Wiederholung erwünscht.

Ebenso lässt sich das mit Blick auf all die schönen Erlebnisse, die Borussia in den vergangenen Jahren mit Hertha BSC hatte, gerade daheim: 3:0, 3:2, 5:0 und 1:0 endeten der letzten vier Vergleiche im Borussia-Park.

 
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