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Borussia Mönchengladbach
Bénes: "Ich mag es, wenn der Ball im Netz zappelt"

Das ist Laszlo Bénes
Das ist Laszlo Bénes FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Borussias junger Slowake László Bénes spricht über einen Rückschritt, den er gern gemacht hat, Dinge, die er noch verbessern muss und seine Lust am Tor. Von Karsten Kellermann

Herr Bénes, Sie haben im Dezember 2014 Ihr erstes Profispiel für den ungarischen Verein Györ gemacht. Im September 2015 haben Sie erstmals als Berufsfußballer getroffen - für den slowakischen Erstligisten MSK Zilina. Nun spielen Sie für Borussia und haben zuletzt Ihren Debüt-Treffer für die U23 geschafft. Es waren wechselhafte Jahre.

László Bénes Im ersten Spiel war ich nur acht Minuten dabei, aber immerhin, es war ein Anfang. Ich hatte aber das Gefühl, dass ich bei dem Klub nicht so viele Chancen bekomme in der A-Mannschaft. Dann hatte Zilina Interesse, der Trainer wollte mich unbedingt haben - ich habe mich zum Wechsel entschlossen. Im ersten halben Jahr habe ich für das B-Team von Zilina gespielt, dann bin ich hochgerückt. Ab Sommer 2015 war ich dann Stammspieler. Ich hatte 31 Einsätze und habe auch im Europapokal gespielt.

Wie schwer fällt es da, sich in Mönchengladbach wieder hinten an zu stellen und zunächst für die U23 zu spielen?

Bénes Das fällt schon schwer, das gebe ich zu. Aber ich war ja auch nach dem zweiten Spiel der Vorbereitung verletzt, darum muss ich nun langsam anfangen. Ich bin jetzt aber fit und kann mit beim Bundesligateam trainieren. Das ist gut für mich. Auch, dass ich in der U23 spielen kann. Das Tor am Wochenende tat mir gut.

Die Bundesliga und den Europapokal haben Sie nur als Zuschauer gesehen. Wie sind die Eindrücke von außen?

Bénes Es ist für mich eine ganz neue Erfahrung. Allein wegen der Zuschauer. Es war eine tolle Kulisse gegen Leverkusen, von der ersten bis zur letzten Minute. In der Slowakei kommen vielleicht 1000 oder 2000 Zuschauer zu einem Spiel, hier im Borussia-Park sind es über 50.000. Das ist eine andere Welt. Natürlich kann ich es kaum erwarten, endlich auf dem Platz stehen, es fällt mir schwer, zu warten. Ich trainiere aber 100 Prozent, um bereit zu sein, wenn es soweit ist.

Was bringen Sie mit, um Borussia zu helfen?

Bénes Ich will immer der Beste sein, bin sehr aktiv - und ich will immer gewinnen.

Es ist zu lesen, dass Sie ein bisschen ungehalten werden, wenn das nicht klappt.

Bénes (grinst) Ich will gewinnen, das ist meine Natur. Wenn das nicht klappt, ärgere ich mich nach dem Spiel. Das dauert ein paar Tage. Aber dann muss es abgehakt sein, damit ich mich auf das neue Spiel vorbereiten kann.

Derzeit gehen Sie auch zur Schule, um Deutsch zu lernen. Wie wichtig ist es, die Sprache zu sprechen?

Bénes Sehr wichtig, gerade auf meiner Position im zentralen Mittelfeld. Da muss man viel mit den anderen Spielern kommunizieren. Ich spreche schon ein wenig Deutsch, aber es ist, das gebe ich zu, eine komplizierte Sprache, um sie zu lernen. Ich habe zwei- oder dreimal in der Woche Deutsch-Unterricht. Ich habe jetzt eine tschechische Lehrerin, dann habe ich einen Deutschlehrer.

Sind Sie ein aufmerksamer Schüler, sind Sie gern in die Schule gegangen?

Bénes Na klar - na ja, wenn ich ehrlich bin: Nein. Aber ich will etwas lernen und daher gehe ich dann doch ganz gern. Das Einzige, was mir überhaupt nicht liegt, ist Mathe. Das geht gar nicht. Deutsch macht mir Spaß. Und ich weiß eben, dass es für mich wichtig ist, die Sprache zu beherrschen.

Im Moment hilft Ihnen Ex-Borusse Igor Demo, der wie Sie Slowake ist.

Bénes Ja, und das ist gut. Es ist inzwischen eine Freundschaft geworden. Ohne Igor wäre mir der Start hier wohl nicht so leicht gefallen.

Gefällt Ihnen Mönchengladbach?

Bénes Meine Freundin war schon hier, meine Eltern auch. Wir sind dann viel spazieren gegangen, im Bunten Garten, in Düsseldorf, wir waren auch in Roermond. Es gefällt mir hier.

Welche Position auf dem Platz gefällt Ihnen am besten?

Bénes Die Acht oder die Zehn. Ich kann viel laufen und darauf kommt es auf diesen Positionen an. Ich kann aber auch vor der Abwehr spielen, ganz wie es der Trainer will. Es wird hier bei Borussia ja ohnehin viel rotiert. Das Borussen-Spiel gefällt mir sehr. Jeder Spieler ist technisch stark, alle spielen Fußball. Das gefällt mir insgesamt an der Bundesliga: In jedem Stadion, sogar in der Zweiten Liga, ist die Stimmung toll. Ich habe in der Slowakei immer die Bundesliga geschaut.

Auf welchen Gegner freuen Sie sich besonders?

Bénes Auf die Bayern. Aber eigentlich ist es mir egal. Ich will einfach spielen und Borussia helfen. Es tat sehr gut, für die U23 aufzulaufen, es ist wichtig für mich, Spielpraxis zu bekommen.

Haben Sie ein Vorbild?

Bénes Früher hatte ich Poster von Cristiano Ronaldo an der Wand, da war ich aber noch sehr jung. Im Moment ist Marek Hamsik mein Vorbild. Er spielt beidfüßig, hat ein gutes Auge, das gefällt mir.

Ein gutes Auge für den entscheidenden Pass wird auch Ihnen von den Experten nachgesagt. Außerdem sollen Sie schon recht cool im Abschluss sein mit Ihren 19 Jahren. Was sind Ihre Schwächen?

Bénes Ich muss noch stärker werden mit dem rechten Fuß. So wie früher Igor, als er hier gespielt hat (grinst).

Haben Sie sich schon mal Videos vom Borussen Igor Demo angeschaut?

Bénes Na klar. Igor hat einige gute Tore für Gladbach gemacht. Wie gegen 1860 München, das war das letzte Spiel auf dem Bökelberg, habe ich gelesen. Es war ein Kopfballtor.

Sind Sie gut beim Kopfball?

Bénes Es geht so, daran kann ich auch noch arbeiten.

Ihr U23-Trainer Arie van Lent war gut mit dem Kopf. Er kann Ihnen Tipps geben.

Bénes Das hat Igor mich auch schon gesagt. Und er hat mir erzählt, dass Arie van Lent auch mal das Siegtor gegen die Bayern gemacht hat. Das würde mir auch gefallen.

Von wem können Sie im Profiteam lernen?

Bénes Von jedem etwas. Wir haben viele tolle Spieler. Und wir haben viele junge Spieler. Das ist gut für mich.

Wie wichtig ist einem jungen Spieler ein Image?

Bénes Ich habe noch keine Facebook-Seite, aber es wird bald eine geben. Darum kümmert sich meine Berater-Agentur. Das gehört irgendwie dazu, aber wichtig ist es nicht. Wenn man nicht gut spielt, interessiert so etwas niemanden.

Wie möchten Sie auf dem Platz rüberkommen?

Bénes Wenn ich meine Chance bekomme, gebe ich das Beste. Das sollen die Fans auch spüren. Und auch, dass ich immer unbedingt drei Punkte will.

Haben Sie schon von Ihrem ersten Profispiel geträumt?

Bénes Ständig. Da habe ich schon gegen Bayern und Dortmund gespielt, auch das Derby. Das Schöne an den Träumen ist, dass man da irgendwie immer das Siegtor macht.

Per Fallrückzieher? Per Freistoß?

Bénes Das ist mir ganz egal. Tor ist Tor, ob aus drei Metern oder wie auch immer. Ich mag es, wenn der Ball im Netz zappelt, das ist ein super Gefühl.

Ronaldo hat früher nach dem Training immer wieder den Ball ins Tor geschossen. Er macht es heute noch. Sie auch?

Bénes Manchmal schon. Manchmal gehe ich auch in den Kraftraum oder bin auch mal zu müde. Aber es ist das Beste am Fußball, wenn der Ball ins Tor fliegt. Dafür spiele ich Fußball. Das Gefühl bei meinem ersten Profi-Tor war großartig. Ich musste ja lange darauf warten, acht oder zehn Spiele. Ich bin gespannt, wie es sich anfühlt, wenn man in der Bundesliga ein Tor schießt. Ich hab es ja bei Lars Stindls Siegtor gegen Leverkusen gesehen und gehört. Wow, das war geil. Wenn die Leute wegen Dir so ausrasten, weil du ein Tor geschossen hast: Es gibt nichts Schöneres im Fußball.

Das dürfte Ihr kleiner Bruder anders sehen. Er ist Torwart.

Bénes Stimmt. Es gab mal eine Zeit, da hatte er keine Lust mehr auf Fußball, aber jetzt wird er immer besser. Er spielt in der ersten U17-Liga der Slowakei. Er gönnt mir kein Tor, wenn wir zusammen Fußball spielen.

Sie haben die Nummer 22. Haben Sie sich die Nummer ausgesucht?

Bénes Als ich aus Gyõri nach Zilina kam, waren die 22 und die 4 frei. Die 4 ist nicht die Nummer eines Offensivspielers, darum habe ich die 22 genommen. Als ich jetzt nach Gladbach kam, war die 22 frei. Sie hat mir in Zilina Glück gebracht, darum bin ich froh, dass ich sie wieder habe.

Sind Sie abergläubisch?

Bénes Ein bisschen schon. Ich ziehe immer die linken Sachen zuerst an: Stutzen, Schuhe. Das ist mein Ritual geworden. Außerdem schaue ich mir einen Tag vor einem Spiel ein Video von meinen Spielen an - aber nur gute Sachen. Das gibt mir Selbstvertrauen.

Karsten Kellermann führte das Gespräch.

Quelle: RP
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