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Borussia Mönchengladbach
Tragik und Chance

Borussia Mönchengladbach: Laszlo Bénes verletzt, Mickael Cuisance gefordert
Laszlo Bénes wird mit bandagiertem Fuß vom Platz gefahren. Beim 5:1 gegen Venlo brach sich der Slowake den Mittelfuß und wurde bereits operiert. FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Laszlo Bénes (20) fällt mit einem Fußbruch drei Monate aus. Damit dürfte Mickael Cuisance (18) ein Upgrade erhalten – und sich womöglich in Borussias Geschichtsbücher eintragen. Von Jannik Sorgatz

Als Miesepeter ist Laszlo Bénes beileibe nicht in Erscheinung getreten, seit er vor über einem Jahr aus der Slowakei nach Gladbach kam. Vielmehr verkörpert der Mittelfeldspieler, vergangene Woche 20 Jahre alt geworden, den Typus "Schlitzohr", dem die Herzen der Fans zufliegen. Er soll im Deutschkurs besonders engagiert sein, ähnlich wie auf dem Trainingsplatz. Gleich bei seinem Startelf-Debüt im April erzielte er das Siegtor gegen Hertha BSC und schrieb eine der besten Geschichten der vergangenen Saison. Zuletzt schoss er die slowakische U 21 zum Sieg und hat im Juni in der A-Nationalmannschaft debütiert. Man darf behaupten: Bis am Dienstag um 17.15 Uhr lief alles wie am Schnürchen für Bénes bei Borussia.

Doch dann war auch er im wortwörtlichen Sinne mal am Boden, umgeknickt bei einer Allerwelts-Aktion ohne Kontakt mit dem Gegner. 17 Stunden später postete er bei "Instagram" ein Foto mit Krücken aus dem Krankenhaus, neben sich ein leidendes Emoji-Gesicht. Da hatte Bénes gerade die Diagnose erhalten: Mittelfußbruch. Nach Angaben des Vereins wird er drei Monate fehlen, womit das Fußballjahr 2017 für ihn am 12. September bereits zu Ende gegangen sein könnte. Die Webseite "Fußballverletzungen" gibt 91 Tage als Median an, das bedeutet, nach diesem Zeitraum sind 50 Prozent aller Profis wieder fit. Nur ist "fit" bekanntlich ein sehr dehnbares Wort geworden.

Der virtuelle Borussia-Patient hat also nicht nur ein kaputtes rechtes Knie (Knorpelschaden, Kreuzbandriss, Kapselverletzung), leidet an den Folgen eines vor 16 Monaten erlittenen Muskelbündelrisses, hat sich vor drei Wochen einen zum Glück weniger schwerwiegenden im Oberschenkel zugezogen und kämpft sich nach einem Muskelfaserriss weiterhin zurück, er hat nun auch einen gebrochenen rechten Fuß. Der Krankenstand nähert sich der Alarmstufe: "Der 18er-Kader stellt sich von selbst auf." Bislang lassen sich die Ausfälle noch ganz gut kompensieren, weil keine Spieler aus der für Dieter Hecking so wichtigen Achse betroffen sind.

Zudem zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre, dass die Tragik für den einen mitunter zur Chance für den anderen wird. Mo Dahoud zum Beispiel feierte sein Startelf-Debüt mehr als zwei Jahre, nachdem er beim Telekom Cup 2013 erstmals in Erscheinung getreten war, weil Granit Xhaka und Christoph Kramer bis auf kleinere Blessuren durchspielten. Der junge Mann, der durch Bénes' Verletzung in der Gladbacher Sechser-Rangliste einen Platz vorrückt, heißt Mickael Cuisance. Er ist im bisherigen Saisonverlauf mal der 19., mal der 18. Mann im Kader gewesen, ein Wanderer zwischen Tribüne und Bank. Nun dürfte er ein Upgrade erhalten, zumal Jonas Hofmann, der vierte von sechs Sechser-Kandidaten, in Traorés und Grifos Abwesenheit auf dem Flügel gebraucht wird.

Dass mit ihm zu rechnen ist, zeigte Cuisance wenige Minuten, nachdem Bénes vom Rasen gehumpelt und mit einem Wagen der Rasenpfleger in die Kabine gefahren worden war. Hinter der Mittelllinie zog der Franzose beherzt an, degradierte einen Venloer zur Slalomstange und traf mit einem Linksschuss vor der Strafraumgrenze zum 5:1-Endstand. Nach dem Spiel holte Cuisance sich die Glückwünsche der Mitbewohner aus dem Internat ab. Später präsentierte er stolz ein Video seines Treffers bei "Instagram". Er zeigt den Youngstern mit seinen 18 Jahren und 29 Tagen, wie schnell es im Fußball gehen kann. Vielleicht wird Cuisance schon am Samstag in Leipzig zum zweitjüngsten Debütanten der Gladbacher Vereinsgeschichte nach Marko Marin und vor Marco Villa.

Quelle: RP
 
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