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Borussia Mönchengladbach
Was Borussias Verzicht auf Hinteregger lehrt

Das ist Martin Hinteregger
Das ist Martin Hinteregger FOTO: afp, HER
Mönchengladbach. Wie erwartet zieht Gladbach die Kaufoption für den Österreicher nicht. Das lässt Schlüsse zu. Von Stefan Klüttermann

Eins wurde an diesem 9. Januar in Belek deutlich: An Selbstvertrauen mangelte es Martin Hinteregger nicht. "Ich denke, dass ich in der Spieleröffnung sehr gut bin, dass ich sehr zweikampfstark bin, dass ich ein sehr gutes Stellungsspiel habe", sagte der 23-jährige Österreicher, als er sich in Borussias Trainingslager den mitgereisten Medienvertretern präsentierte. Und er sagte auch: "Für mich war es Zeit, den nächsten Schritt zu machen, und da ist Gladbach für mich natürlich der perfekte Verein. Ich glaube, ich passe sehr gut hierher."

Nicht einmal vier Monate später ist Hintereggers nächster Karriereschritt schon wieder absehbare Vergangenheit, denn Borussia teilte gestern, wie erwartet, mit, dass man die bis 30. April zu ziehende Kaufoption für den Innenverteidiger von RB Salzburg nicht ziehen wird. Rund sieben Millionen Euro wären in dem Fall noch mal zur einen Millionen Leihgebühr aus dem Januar hinzugekommen. Doch, um solch ein Investment zu rechtfertigen, hatte Hinteregger letztlich zu wenig von dem, was Borussias Scouts in ihm gesehen hatten, und was er auch selbst in sich sieht, auf dem Platz gezeigt. Gerade im Aufbauspiel, mit dem Borussia zu den besten der Liga zählt, fiel Hinteregger merklich ab. Da nützte es eben auch nichts, dass Gladbach mit ihm einen der rar gesäten Innenverteidiger mit linkem Fuß an Land gezogen hatte. Denn dieser Linksfuß wusste mit viel Grün vor ihm einfach zu wenig anzufangen. Hinzu kamen Stellungsfehler und Defizite in der Zweikampfführung, die keinerlei Mehrwert gegenüber vorhandenen Abwehrspielern erkennen ließen. Im Gegenteil. Deswegen schickt Borussia Hinteregger am Saisonende zurück nach Salzburg.

Das Konstrukt aus Ausleihe und Kaufoption lässt im Rückblick dann auch vermuten, dass es neben etwaiger Modalitäten mit RB eben auch um Gladbacher Restzweifel ging, ob Hinteregger gehobenes Bundesliganiveau erreichen kann. Diesen Nachweis blieb er letztlich schuldig.

Der Verzicht auf den Nationalspieler des Alpenlandes lässt verschiedene Rückschlüsse auf Borussias Kaderplanung zu, gerade auch, weil Eberl gestern sagte, man habe sich "bei der Besetzung der Hintermannschaft für die kommende Saison für eine andere Lösung entschieden". Diese Aussage befeuert zum einen die Spekulationen, dass Borussia die bei Hinteregger eingesparten Ablöse-Millionen an anderer Stelle investiert, womöglich in Bremens Jannik Vestergaard. Sie lässt aber genauso den möglichen Rückschluss zu, dass die Genesung von Alvaro Dominguez, über die keinerlei Wasserstandsmeldungen vonseiten des Vereins nach außen dringen, womöglich gut voranschreitet und der Spanier, wie erhofft, bereits zu Saisonbeginn wieder eine Option darstellt. Ob durch die neue Situation Roel Brouwers' Chancen auf Weiterbeschäftigung gestiegen sind, wird wohl einmal mehr erst am Saisonende klar sein.

Klar ist in jedem Fall, dass Borussia auch jetzt schon in punkto Innenverteidigern vernünftig aufgestellt ist. Neben einem - nach den Erfahrungen der Hinrunde - Wunschduo Andreas Christensen/Dominguez stehen Nico Elvedi, Tony Jantschke, Neuzugang Tobias Strobl und Eigengewächs Marvin Schulz zur Verfügung. Auf dieser personellen Basis werden die Kaderplaner nicht in Hektik verfallen müssen. Und dass sich europäische Talente von Hintereggers Scheitern abschrecken lassen, steht auch nicht zu befürchten.

Quelle: RP
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