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Acht Siege in neun Spielen
Borussia hat Schalke in der Liga gern zu Gast

Borussia Mönchengladbach: Lieblings-Heimgegner FC Schalke 04
Marco Reus (oben) feiert Mike Hanke nach dessen Traumtor gegen Schalke im Jahr 2012. FOTO: dpa, Rolf Vennenbernd
Mönchengladbach. Gegen keinen Gegner hat Borussia seit dem Wiederaufstieg 2008 häufiger zu Hause gewonnen als gegen Schalke. Bei der einzigen Niederlage vor vier Jahren stand ein heutiger Gladbacher Schlüsselspieler im Mittelpunkt. Von Jannik Sorgatz

2008/09: Der Borussia-Park bebt wie nie zuvor

Roberto Colauttis Zeit am Niederrhein zählt nicht zu den größten Erfolgsgeschichten, aber an jenem Sonntag im Mai tätowiert er sich ins Gedächtnis der Borussen. Gladbach hat nach 30 Spielen nur 24 Punkte auf dem Konto und steht auf dem 17. Tabellenplatz. Ein langer Ball von Oldie Tomas Galasek auf Oldie Oliver Neuville in der 90. Minute, Neuville passt in die Mitte, Colautti nimmt den Ball an und schießt ihn an Manuel Neuer vorbei ins Tor. Durch das 1:0 springt Borussia auf einen Nichtabstiegsplatz und gewinnt drei Tage später wieder durch ein spätes Tor 1:0, diesmal bei Energie Cottbus. Am Ende steht der Klassenerhalt – und das "Colautti-Tor" bleibt bis heute in Erinnerung.

2009/10: Marco Reus' Stern strahlt immer kräftiger

Schalke, von Felix Magath zum Titelkandidaten aufgepäppelt, kommt am 14. Spieltag als Dritter in den Borussia-Park. Gladbach ist unter Michael Frontzeck seit vier Spielen ungeschlagen und hat sich vom 17. immerhin auf den 12. Platz vorgearbeitet. Marco Reus, der schmächtige 20-Jährige, der aus Ahlen geholt und einst von Dortmund aussortiert wurde, ist inzwischen Stammspieler. Bereits in der fünften Minute holt Juan Arango einen langen Ball von Dante gewohnt zauberhaft vom Himmel und legt quer, Reus schiebt ein – und Borussia gewinnt 1:0. Nach dem Spiel muss der spätere 18-Millionen-Euro-Mann erstmals Fragen zur deutschen Nationalmannschaft beantworten.

2010/11: Der erste Schritt zum großen Wunder

Wenn man sich einen möglichst schlechten Start für Trainer Lucien Favre in ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen ausmalt, dann ist es wohl dieser: Zweite Minute, Dante patzt, Ex-Borusse Peer Kluge bringt Schalke in Führung. Doch in der zwölften Minute gleich Gladbach aus: Patrick Herrmann leitet den Ball per Kopf weiter in den Lauf von Marco Reus, der Manuel Neuer keine Chance lässt. In der 23. Minute sprintet Juan Arango die Außenbahn herunter wie nie zuvor, flankt auf Mo Idrissous Kopf und der bringt Borussia in Führung. Beim 2:1 bleibt es, Favres Debüt ist geglückt – und Borussia hat am 21. Spieltag die bitternötigen Punkte 17. 18 und 19 gesammelt.

2011/12: Die Krönung von "Borussia Barcelona"

"100 Borussia-Fans haben wir gefragt: Nennen Sie uns den schönsten Angriff, den Sie je im Borussia-Park gesehen haben." Die 15. Minute, das 2:0 beim 3:0-Erfolg gegen Schalke, hätte gute Chancen, am häufigsten genannt zu werden: Filip Daems erobert links den Ball, passt zu Mike Hanke, der flanken könnte, aber einen Doppelpass mit Patrick Herrmann spielt. Jetzt könnte Hanke schießen, aber er spielt den nächsten Doppelpass, diesmal mit Juan Arango. Am Ende schlenzt Hanke den Ball wunderschön ins Tor. "Borussia Barcelona" feiert ihre Kür bei Minusgraden und am Niederrhein kann man sich im Februar recht sicher sein, dass die Rückkehr nach Europa glücken wird.

2012/13: Schmerzhafter Abend wegen Raffael

Seit Borussias Wiederaufstieg 2008 hat Schalke nur einmal in Gladbach gewonnen – und gleich tat die Niederlage richtig weh. Vor dem 32. Spieltag sind es fünf Punkte Rückstand auf Schalke, als Vierter auf dem Play-off-Platz für die Champions League. Bis zur 82. Minute steht es 0:0, dann spielt Raffael im königsblauen Trikot den entscheidenden Pass auf Julian Draxler, der das Siegtor erzielt. Die Champions League ist für Borussia endgültig weg und die Europa League zu weit entfernt, um noch einmal richtig mitzumischen. Am Ende steht der achte Platz, den Manager Max Eberl seitdem als entscheidend für die weitere Entwicklung bezeichnet und für das Festsetzen in der Einstelligkeit.

2013/14: Von Sieg zu Sieg - Keller muss bangen

Einmal unter Lucien Favre hat Borussia sechs Bundesligaspiele in Folge gewonnen - das 2:1 gegen Schalke am 15. Spieltag dieser Saison vollendet diese Serie. Die Königsblauen rutschen gleichzeitig ab auf sechsten Tabellenplatz und Trainer Jens Keller muss sich mal wieder Sorgen machen um seinen Job, den er dann doch noch ein Jahr behalten darf, weil er Schalke in die Champions League führt. Denn Borussia bekommt es hin, auf die Siegesserie neun Spiele ohne Siege folgen zu lassen. Auch eine Leistung.

2014/15: Auf dem Weg zum Startrekord

Zehnmal Bundesliga, sechsmal Europa League, zweimal DFB-Pokal – Borussia bleibt zu Beginn jener Saison in 18 Spielen ungeschlagen und verbessert eine 44 Jahre alte Bestmarke, aufgestellt unter Hennes Weisweiler. Hurra-Fußball ist unter Lucien Favre beileibe nicht durchgängig angesagt, ganz sicher jedoch beim 4:1 gegen Schalke am dritten Spieltag. André Hahn trifft doppelt, Max Kruse erhöht nach einem Handelfmetertor für Schalke auf 3:1 und Raffael sorgt für den Endstand. Borussias Brasilianer hat bislang in jedem seiner vier Heimspiele gegen S04 getroffen. Auf Schalke läuft es wieder nicht so gut: Im Rückspiel im Februar gibt es die einzige Niederlage zwischen Dezember und Mai.

2015/16: Horrorfoul überschattet 3:1-Sieg

Die ersten fünf Spiele verloren, die zweiten fünf gewonnen – fraglich, ob solch eine Serie noch jemals einer Bundesliga-Mannschaft gelingen wird. Mit einem 3:1 gegen Schalke bringt Borussia unter Noch-Interimstrainer André Schubert genau das fertig. Doch der Erfolg wird überschattet vom brutalen Foul, mit dem Johannes Geis die Karriere des gerade eingewechselten André Hahn gefährdet. Geis sieht Rot für seinen Tritt und wird lange gesperrt, Hahn fällt mit einem Bruch des Schienbeinkopfes und einem Riss des Außenmeniskus insgesamt fünf Monate aus.

2016/17: Furioser Papa im strömenden Regen

Seit Dieter Hecking übernommen hat, sind Borussia in der Bundesliga nie zwei Heimsiege hintereinander gelungen. Und auch restlos überzeugende Auftritte hat es nur wenige gegeben. Einen solchen legt Gladbach im strömenden Regen beim 4:2 gegen Schalke hin. Fabian Johnson, am Tag vorher erstmals Vater geworden, trifft doppelt. Sein Tor zum zwischenzeitlichen 2:1 schießt er nach einer der schönsten Kombinationen der vergangenen Jahre: Hackentrick Raffael, Doppelpass Stindl-Johnson, drin. Anschließend ist der Rasen dahin und Borussia muss zwölf Tage später auf frisch verlegtem Untergrund in der Europa League gegen Schalke ran - und scheidet unter anderem wegen eines Platzfehlers aus.

 
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