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Borussia Mönchengladbach
Liga-Tristesse überlagert Champions League

Borussia Mönchengladbach: Liga-Tristesse überlagert Champions League
André Schubert kann sich der Unterstützung von Max Eberl zwar sicher sein, doch das Rumoren außerhalb des Borussia-Parks wird größer. FOTO: dpa, mb axs
Mönchengladbach. Heute trifft Borussia Mönchengladbach auf Manchester City. Die Stimmung im Verein ist angespannt. Von Jannik Sorgatz

André Schubert schaute nach rechts und nickte anerkennend. Ein Trainer hat es gerne, wenn seine Worte verstanden und verinnerlicht werden. Doch es war Lob abseits des Fußballs, das er verteilte. Der Uefa-Übersetzer hatte nämlich noch mehr zu tun als sonst und erledigte seinen Job mit Bravour. Denn es galt: Vor dem Champions-League-Spiel gegen Manchester City ist auch nach dem verlorenen Derby gegen den 1. FC Köln, das gestern immer noch nachhallte.

Bislang waren es ausschließlich Feierabende in der Königsklasse, nicht unbedingt von den Resultaten her, sondern angesichts der unvermindert knisternden Stimmung. Nach sechs Bundesligaspielen ohne Sieg gelingt es Borussia nun nicht mehr so leicht, die Nebengeräusche des Alltags mit der Champions-League-Hymne zu übertönen.

Mentale Defizite will Schubert bei seiner Mannschaft nicht erkennen. Dafür habe sie gegen Köln zu mutig und entschlossen begonnen. "Wenn es da ein größeres Problem gäbe, wäre das nicht möglich gewesen", sagte Schubert. Er hat seine Spieler aufgebaut nach dem niederschmetternden 1:2 in der Nachspielzeit, die guten Aspekte hervorgehoben, aber die Fehler nicht ausgelassen. Und so saß er da, neben Andreas Christensen und dem Übersetzer, und wirkte nicht anders als noch vor drei, fünf oder sieben Wochen.

Vielleicht ist es sogar hilfreich, dass die Ziele in der Champions League etwas klarer definiert und auch leichter zu erreichen sind. Es gibt vier mögliche Platzierungen, mit dem ersten Platz muss man sich nicht lange aufhalten. Zweiter kann Borussia nur noch werden, wenn Manchester geschlagen wird und die Engländer am letzten Spieltag gegen Celtic Glasgow Punkte lassen, während Gladbach gegen den FC Barcelona etwas holt. Am realistischsten ist der dritte Platz, den Borussia heute schon mit einem Unentschieden sichern kann, falls Celtic gegen Barcelona verliert.

Womöglich reicht es sogar, der Dinge zu harren, aber so ein aktiver Beitrag zum Überwintern in Europa würde wichtige Signale aussenden. "Vor einem Jahr saßen wir hier vor einem Spiel gegen Manchester und es ging nach dem 0:3 in Sevilla darum, ob wir überhaupt etwas in der Champions League zu suchen haben", sagte Schubert. Der dritte Platz und der damit verbundene Übergang in die Europa League stünden international für eine Weiterentwicklung, national gäbe es Selbstvertrauen für die beiden schwierigen Aufgaben gegen 1899 Hoffenheim (26. November) und Borussia Dortmund (3. Dezember).

Die Niederlage gegen Köln scheint Schuberts Standing im Klub nicht verschlechtert zu haben. Das Rumoren außerhalb des Borussia-Parks wird zwar größer, aber Max Eberls Worte sind mehr als branchenübliche Lippenbekenntnisse. "Mir geht das alles zu schnell. Ich wehre mich dagegen, dass es immer einen Schuldigen geben muss", hatte der Sportdirektor am Samstag gesagt. Schubert spezifizierte gestern noch einmal seinen Vortrag zum Thema Vertrauen. Es sei nicht so entscheidend, was der Manager oder Präsidiumsmitglieder gegenüber den Medien äußerten. "Wichtig ist das Vertrauen innerhalb, wenn du miteinander im Büro arbeitest und dir in die Augen siehst. Das war bisher zu keinem Zeitpunkt anders", sagte der 45-Jährige. Tatsächlich ist anzunehmen, dass selbst Niederlagen gegen Manchester, Hoffenheim und Dortmund nicht zwangsläufig zu Schuberts Entlassung führen würden.

Der heutige Gegner war trotz der großen Namen wie Pep Guardiola, Kun Agüero und Kevin De Bruyne, die dem Borussia-Park einen Besuch abstatten, also nicht das alles beherrschende Thema. Zum einen hing das mit der aktuellen Situation in der Bundesliga zusammen, zum anderen mit der Tatsache, dass es bereits das vierte Duell in 14 Monaten ist. Gegen Köln hat Borussia unter Schubert im selben Zeitraum nur zweimal gespielt.

Ausnahmsweise, und das ist neu in Gladbach, geht es in der Champions League um etwas mehr als Punkte für den Wettbewerb. Während das Derby gleichermaßen Chance und Risiko war, überwiegt nun das Überraschungspotenzial. Vielleicht ist das der Weg zurück zur Leichtigkeit.

Quelle: RP
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