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Borussia Mönchengladbach
Favre und die offenen Fragen im Zentrum

Fotos: Borussia besiegt Porto mit 2:1
Fotos: Borussia besiegt Porto mit 2:1 FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Wer verteidigt innen? Wer ist neben Granit Xhaka der zweite Mann auf der Doppelsechs? Und wer stürmt mit Raffael? Borussias Trainer hat viel ausprobiert, seine Spieler haben ihm Angebote gemacht. Nun muss er sich festlegen. Es sei denn, er führt auch in der Mitte die Rotation ein und plant von Spiel zu Spiel. Von Karsten Kellermann

Es gibt offene Fragen. Das ist wenige Tage vor dem ersten Pflichtspiel eines Bundesligisten eigentlich keine gute Nachricht. Zumal, wenn einer der Spieler, die für nahezu unverzichtbar erklärt wurden, "bis aus Weiteres" fehlt, wie jetzt Martin Stranzl bei Borussia. Wäre der Österreicher fit, wäre es gesetzt. So aber ist noch unklar, wer im Abwehrzentrum spielen wird, wenn die Gladbacher am Montag das erste Pflichtspiel haben im DFB-Pokal beim FC St. Pauli. Offen scheint auch, wer dann vor der Abwehr spielt. Granit Xhaka, der Schweizer, dürfte gesetzt sein. Aber wer darf neben ihm Dienst tun? Und wer stürmt mit Raffael, der wohl auch zu den Spielern gehört, die zum Korsett des Gladbacher Teams gehören?

Offene Fragen im Zentrum hinten, in der Mitte und vorn – das gab es in der vergangenen Saison kaum einmal. Da hat Trainer Lucien Favre zwar die Rotation eingeführt während der englischen Wochen. Doch wurde vor allem auf den Flügeln rotiert. Nun jedoch, das ist ein Schluss, den die bisherige Vorbereitung zulässt, könnte Borussias Trainer die Komplett-Rotation einführen – außen und in der Mitte.

Wenn Favre das tut, bedeutet das, dass er dem gesamten Kader total vertraut. Aber auch, dass er die vielen jungen Männer, die zu seinem Ensemble gehören, von Beginn an richtig in die Pflicht nimmt. Sie haben dem Trainer in der Vorbereitung auch genügend Angebote gemacht, weil sie gut gespielt haben. Andreas Christensen (19) beispielsweise, der lange Däne, den Borussia vom FC Chelsea ausgeliehen hat. Oder Marvin Schulz (20), das Eigengewächs, das vor der Abwehr und in der Innenverteidigung vorspielen durfte. Oder Mo Dahoud (19), das Talent, dem große strategische Fähigkeiten nachgesagt werden. Sie alle hatten ausführliche Einsatzzeiten in den Testspielen, auch bei der Generalprobe in Newcastle (1:0) gehörten sie zur Startelf. Es darf also spekuliert werden bis Montag: Wer spielt wo mit wem?

Sicherlich wäre Favre etwas mehr Klarheit lieber, vor allem hinten. Stranzl hat die Vorbereitung aber nur phasenweise mitgemacht, auch Alvaro Dominguez fehlte öfter wegen seiner Rückenprobleme. Das könnte Favre Sorgen machen. Denn beide sind wichtige Bestandteile der Gladbacher Defensive, die in der vergangenen Saison die zweitbeste Gegentorbilanz der Bundesliga hatte. Zudem sind beide international erfahren. Und mit dem Newcastle-Duo Schulz/Christensen ins erste Ligaspiel am 15. August vor 80.000 Menschen beim BVB in Dortmund zu gehen, das klingt einigermaßen verwegen. Muss es aber nicht sein.

Gleiches gilt für die Idee, dass Xhaka und Dahoud dann die Doppelsechs bilden. Denn Dahoud hat die Erfahrung von nur wenigen Pflichtspielminuten im Profiteam. Vor der Abwehr hätte man eher Xhaka und Lars Stindl als erste Variante vermutet. Und dahinter Havard Nordtveit als B-Option. Doch der kampfstarke Norweger wurde auch als Innenverteidiger genutzt, während Dahoud mit Xhaka gut funktionierte. Außerdem ist Nordtveit zum Bundesligastart zweimal gesperrt, weil er am 34. Spieltag der vergangenen Saison gegen den FC Augsburg die Rote Karte sah.

Der Ex-Hannoveraner Stindl spielte derweil zuletzt ganz vorn mit Raffael, in der Doppelspitze ohne echten Stürmer. Wohl auch, weil André Hahn, den Favre dort ausprobierte im ersten Teil der Vorbereitung, aktuell fehlt. Favre kommt es auf die Bewegung an, und Stindl weiß, wie die geht, vorn ebenso wie auf der Sechs. Das könnte derzeit mehr für ihn sprechen als für den Topeinkauf Josip Drmic, der sich noch ein wenig gewöhnen muss ans wuselige Gladbacher Angriffsspiel. Darauf hat Favre immer wieder hingewiesen. Wohl wissend, dass er in Stindl einen fußballerischen Tausendsassa in der Hinterhand hat. Stindl ist so etwas wie die Verkörperung der Variantenvielfalt, die Favre hat, die fleischgewordene Polyvalenz. Gleiches gilt für Tony Jantschke, der in der Defensive kaum weniger flexibel ist wie Stindl weiter vorn. Beide können bis zu vier Jobs auf dem Spielfeld übernehmen, im Bedarfsfall wäre sogar eine Doppelsechs Stindl/Jantschke ein denkbares Modell. Das indes hat Favre während der Vorbereitung indes nicht ausprobiert.

Vieles andere aber schon. Weil er musste, aber auch, weil er wollte. Favre ist ein Tüftler. Und einer, der vorsorgt statt zu klagen. "Wir sind auf alle Fälle vorbereitet", pflegt er zu sagen. Das ist sein Dogma: Wenn Plan A nicht geht, dann gibt es einen erprobten Plan B. Und selbst für den hat sich Favre Alternativen geschaffen und sie einstudieren lassen. Darum gibt es nun im Zentrum noch offene Fragen. Favre Antwort darauf könnte für den Moment lauten: "Wir planen von Spiel zu Spiel."

Quelle: RP
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