| 20.23 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Gladbach erobert Platz drei zurück

Einzelkritik: Viermal Note "gut"
Einzelkritik: Viermal Note "gut" FOTO: afp, vel
Mönchengladbach. Ausgerechnet also der ihr in so herzlicher Abneigung zugetane 1. FC Köln hatte der Borussia aus Mönchengladbach am Samstag mit seinem 1:1 gegen Leverkusen die Möglichkeit eröffnet, Bayer 04 wieder zu überholen und auf Rang drei zurückzukehren. Nötig war dazu ein Heimsieg gegen den designierten Vizemeister VfL Wolfsburg. Und der gelang den Hausherren in der Schlussphase durch ein Goldenes Tor von Max Kruse. Von Stefan Klüttermann

Dieser achte Heimsieg in Folge sicherte Borussia nun auch rechnerisch mindestens Platz vier am Saisonende und machte ganz nebenbei den FC Bayern München schon an diesem Wochenende vorzeitig erneut zum Deutschen Meister.

Drei Tage nach dem Ausscheiden in der Europa League in Neapel waren die Gäste aus Niedersachsen merklich darum bemüht, das Tempo im Spiel zu verschleppen und den Borussen eben nicht die Räume zu bieten, die diese für ihr so oft so erfolgreich praktiziertes Umschaltspiel nutzen. Aus Wolfsburgs Respekt vor dem Spielvortrag von Lucien Favres Gladbachern hatte Trainer Dieter Hecking schon im Vorfeld kein Geheimnis gemacht und gesagt, Borussia habe sich die Aussicht, in der kommenden Saison Champions League spielen zu können, mittlerweile auch ziemlich redlich verdient. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" fasste dieser Tage die bisherige Saison beider Vereine unter dem Titel "Der Siegeszug der Old-School-Trainer zusammen".

So entwickelte sich eine Partie ohne viele Torchancen. Die vielversprechendste aus Gladbacher Sicht war am Ende gar keine, sie war viel mehr die Kuriosität des ersten Durchgangs. Und die spielte sich im Wolfsburger Fünfmeterraum ab: Max Kruse hatte von links eine flache Hereingabe auf Patrick Herrmann eigentlich zu nah vors Tor gezogen, so dass alle, eben auch Gladbachs Flügelflitzer dachten, Wölfe-Keeper Diego Benaglio werde diesen Ball sicher abfangen. Doch der Schweizer rutschte aus, und Herrmann – bis dato noch ohne Bundesligator gegen Wolfsburg – hätte wohl das 1:0 erzielt, wenn er gedanklich zuvor nicht kurz abgeschaltet hätte. Wolfsburgs Torannährungen beschränkten sich indes auf Versuche aus der Distanz.

Hecking und Favre dürfte eine solche kontrollierte Partie sicherlich am wenigsten überrascht haben, wissen sie doch, welche strukturelle Stabilität ihre beiden Teams mit dem Ball und gegen den Ball an den Tag legen – und sich im direkten Duell dann eben auch mal weitgehend neutralisieren können. Da brauchte es schon mal unkalkulierbare Variablen wie gestern das auffällig häufige Wegrutschen von Akteuren, um Lücken in die jeweilige Defensive zu reißen. Mit Beginn des zweiten Durchgangs fand Borussia dann aber doch immer mal wieder eine Lücke und kam als nun deutlich überlegene Mannschaft auch zu richtigen Torchancen: Erst scheiterte Herrmann per Volleyabnahme an Benaglio, dann schossen Linksverteidiger Oscar Wendt knapp drüber und Kruse gleich dreimal knapp vorbei. Es bleibt dabei: Aus dem Spiel heraus schien dem Nationalspieler einfach kein Treffer mehr zu gelingen – doch in der Schlussminute brach Kruse den Bann: Mit links aus kurzer Distanz schoss er zum umjubelten Siegtor ein.

Gladbach verdiente sich diesen Dreier, weil es die Gäste immer mehr hinten rein gedrängt hatte und Wolfsburg seinerseits immer deutlicher signalisierte, mit dem 0:0 nicht wirklich unzufrieden zu sein. Nach vorne hin kam von der hochgelobten Wölfe-Offensive um Kevin de Bruyne jedenfalls wenig bis gar nichts mehr. So ist Borussia im Rennen um den dritten Platz wieder in der Pole Position, und wenn die Leverkusener in 14 Tagen in den Borussia-Park reisen, könnte Gladbach vielleicht schon dafür sorgen, dass die Werkself den Umweg über die Champions-League-PlayOffs nehmen muss.

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