| 15.33 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Makellos

Reaktionen zum 4:0 gegen den VfB Stuttgart
Reaktionen zum 4:0 gegen den VfB Stuttgart
Meinung | Mönchengladbach. Borussias Spiele waren oft schon wie Actionfilme ohne gutes Ende. Zuletzt gegen Köln war das Ende gut, aber Glück und ein starker Torwart spielten eine wichtige Rolle. Beim 4:0 gegen Stuttgart stimmte erstmals von hinten bis vorne alles. Von Karsten Kellermann

Irgendwann ist der Fußballlehrer André Schubert in die Beweispflicht geraten. Und das ausgerechnet nach seinem bis dahin größten Erfolg, dem 3:1-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen den Branchenführer FC Bayern München Anfang Dezember. Schuberts Gladbacher schossen diesen Triumph mit einem Höchstmaß an Mut und Risiko heraus – und hatten dabei auch das nötige Glück, dass die Münchener ihre Großchancen vor der Pause nicht nutzten.

Schubert war total hip nach dem Bayern-Sieg, er hatte Gladbach wachgeküsst und es dann von Platz 18 auf Rang drei geführt im Schweinsgalopp. Auch nach dem Bayern-Sieg ist es natürlich bei Schuberts Ansatz "vorn fröhlich" geblieben, doch kam immer mehr "hinten sorglos" dazu, allzu sorglos mithin, und viele, viele Gegentore.

Die fehlende Balance (Schubert selbst nennt es Ausgewogenheit) wird moniert, und weil tollen Siegen immer wieder seltsame Niederlagen folgen, bei denen Borussias wirklich produktive Angriffsreihe nicht genug Tore schaffen kann, um die Gegentorflut aufzuwiegen, fällt es einigen schwer, Vertrauen zu fassen zu Schuberts Ansatz.

Borussias Spiel ist immer aufregend, doch sind es immer wieder Actionfilme ohne gutes Ende. Passen viel Action und defensive Seriosität, die in der Ausführung auch langweilig sein kann, weil Ruhe eben manchmal langweilig ist, wirklich zusammen? Kriegt man es hin, genügend Spieler hinter dem Ball zu haben, wenn alle irgendwie offensiv ausgerichtet sind?

Einzelkritik: Borussen überzeugen – Hazard überragt dennoch FOTO: afp, PST

Im Derby gegen den 1. FC Köln gab es ein 1:0, ja, aber am Ende war dieses dann doch glücklich, weil es wieder einen Kontrollverlust gab in der Schlussphase, der Köln Großchancen eröffnete. Es blieb beim 1:0, weil Yann Sommer toll hielt. Auch das 5:1 gegen Bremen hatte Phasen, in denen es auch hätte anders kommen können, weil Werder plötzlich gigantische Chancen hatte. Beide Siege waren toll, aber nicht makellos.

Das 4:0 gegen Stuttgart war hingegen makellos. Man darf sagen: Es war das beste Spiel der Borussen mit dem Trainer André Schubert, besser als das 3:1 gegen die Bayern. Denn Gladbach spielte konstant konsequent, es stimmte über 90 Minuten hinten wie vorn. Dass Stuttgart allein ein Selbsttor fabrizierte, vor dem Borussen-Tor aber total chancenlos war, lag an der starken Defensivarbeit des gesamten Gladbacher Teams: Die durchaus begabten Stuttgarter Offensivkräfte hatten einfach keine Räume, sich zu entfalten, es gab auch keine Lücken für böse Überraschungen.

Schuberts taktische Ideen waren der Sache dienlich: Die allein für Defensivarbeit abgestellte Dreierkette (Elvedi, Christensen, Nordtveit) sicherte seriös nach hinten ab, im Zentrum machte das laufstarke Vierermittelfeld dicht. Bei Bedarf wurde nach hinten eingerückt. So gab es nicht die frappierenden Lücken, die sich zuletzt immer wieder auftaten, wenn Borussia wie in Hamburg oder Augsburg mit einfachsten Mitteln überrumpelt wurde.

Und vorn wirbelte das Angriffstrio mit den drei unechten Neunern Raffael, Lars Stindl und Thorgan Hazard den VfB mit viel Spielwitz durcheinander. Es geht im Fußball immer auch um Entwicklung. Punktueller Spaß ist nett, hat aber eine kurze Halbwertzeit, wenn es im nächsten Spiel schon wieder anders herum geht. Das Stuttgart-Spiel deutete durchaus eine Entwicklung an, es taugt Schubert als Beweis, dass Action und Sicherheit vereinbar sind.

Doch er ist damit nicht aus der Beweispflicht entlassen. Nun muss er nachweisen, dass dies auch konstant (und auswärts) möglich ist: ein Höchstmaß an Action gepaart mit einem Höchstmaß an Sicherheit. "Wir werden es nicht immer auf diesem Niveau hinkriegen, aber wir bemühen uns, es immer häufiger zu schaffen", sagte Schubert nach dem Stuttgart-Spiel.

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