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Borussia Mönchengladbach
Borussia hat keinen "Wunderwuzzi"

Fotos: Borussias Stranzl muss verletzt vom Platz getragen werden
Fotos: Borussias Stranzl muss verletzt vom Platz getragen werden FOTO: imago sportfotodienst
Fussball. Die großen Erwartungen in Stranzls Comeback platzten: 0:3 gegen den HSV, und Martin Stranzl musste mit einer Fraktur der Augenhöhle raus. Ein CT bestätigte den Verdacht, Stranzl wurde bereits in der Nacht erfolgreich operiert und fällt sechs bis acht Wochen aus.  Von Karsten Kellermann

Stranzl hatte vorsichtshalber etwas klargestellt, bevor er am Freitagabend zurückkehrte. Er sei kein "Wunderwuzzi", sagte der Abwehrchef Borussias. Also keiner, der durch seine bloße Anwesenheit alles besser machen würde, was in den ersten drei, den verlorenen, Saisonspielen im Argen lag. Genau das und kein bisschen weniger erwarteten einige Borussen-Fans vom Senior im Team der Gladbacher. Gestern nun, gegen den Hamburger SV, war er wieder dabei, erstmals seit dem 22. März. Und was passierte? Borussia verlor – das Spiel 0:3 und Stranzl, der sich eine Gesichtsverletzung zuzog.

Es ist anzunehmen, dass Stranzl auch der war, der die Ansage im obligatorischen Kreis vor dem Anpfiff machte. Und dem einen oder anderen wird die Rückkehr des Chefs durchaus ein gutes Gefühl gegeben haben, nicht nur denen auf der Tribüne. Als Stadionsprecher Torsten Knippertz den Mann mit der Nummer 39 aufrief, brüllte die Nordkurve den Namen "Stranzl" so laut, als wolle sie alles Gute dieser Welt herbeischreien. Die Erwartungen waren gigantisch an den Kapitän – das wusste er.

Noten: Borussia nach vorne ohne Tempo und Durchschlagskraft FOTO: Dirk Päffgen

Und ein bisschen spürte man, den Druck, der auf ihm lastete: Der erste Pass, den Stranzl spielte, landete beim Gegner. Beim zweiten Ballkontakt lenkte er in der dritten Minute den Ball fast ins eigene Tor, doch Yann Sommer verhinderte, dass der Hoffnungsträger gleich entzaubert wurde, indem er sich den Ball griff. Zuvor hatte der andere Routinier, den Favre im defensiven Zentrum aufbot, den Ball verloren: Roel Brouwers. Die Verunsicherung des schlechten Starts spiegelte sich da wider.

Tony Jantschke veranschaulichte das insbesondere. Der eigentlich so Verlässliche, der seit langen mal wieder auf der "Sechs" spielte, um mit Havard Nordtveit Ordnung ins defensive Mittelfeld bringen, fabrizierte vor dem 0:1 durch Pierre-Michel Lassoga einen seltsamen Rückpass auf Yann Sommer, der beim HSV-Stürmer landete. Fehler wie diesen hat man von Jantschke nahezu noch nie gesehen. Was blieb? Irgendwie ins Spiel hineinkämpfen? Experten dafür gab es durchaus: Stranzl halt, aber auch Nordtveit. Und André Hahn, der ganz vorn spielte – der vierte Mittelstürmer im vierten Saisonspiel. Er war bemüht.

Gladbach - Hamburg FOTO: Dirk Päffgen

Wie Stranzl. Er dirigierte von hinten heraus, warf sich rein in die Bälle und Zweikämpfe. Vorbild sein, irgendwie Ruhe reinbringen, Ordnung, Sicherheit, irgendwie reinkämpfen in die Saison. All das, was sich die Borussen von seiner Rückkehr erhofft hatten. Doch ähnelte Borussia phasenweise eher einem Messi-Haus als jenem monkisch geordneten Gebilde der Vorsaison. Stranzl hätte tatsächlich ein "Wunderwuzzi" sein müssen, um sein Team einfach so in die Spur zu setzen, mehr noch: ein Herkules, ein Supermann. Das war spätestens klar nach dem 0:2 kurz vor der Pause, das wieder Lassoga erzielte: per Kopf nach einer Ecke, sträflich freistehend.

Es blieben 45 Minuten, um den Stranzl-Faktor nicht vollends verpuffen zu lassen. Doch in der 52. Minute war auch diese Hoffnung dahin: Nicolai Müller enteilte Roel Brouwers – und es hieß 0:3. Nun brachte Trainer Lucien Favre einen, der zuletzt ein Held war – für die Schweiz, die Josip Drmic mit zwei Toren gegen Slowenen nach einem 0:2 noch zum Sieg geführt hatte. Doch es war kein Abend für Gladbacher "Wunderwuzzi". Am Ende herrschte entsetzte Stille im Borussia-Park. Da war Stranzl nicht mehr dabei. Ein Ellenbogen landete in seinem Gesicht. Der Verdacht auf eine Fraktur der Augenhöhle bestätigte sich nach Spielende. So wird Stranzl sechs bis acht Wochen ausfallen, wie der Klub am Samstagvormittag bestätigte. Der Österreicher wurde bereits in der Nacht erfolgreich im Mönchengladbacher Bethesda-Krankenhaus operiert. Der erhoffte Heilsbringer wurde zur tragischen Figur. Das passte zum Abend.

4. Spieltag: Reaktionen FOTO: dpa, fg fdt
Quelle: RP
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