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Borussia Mönchengladbach
Geduldiger Schulz ist nach der Premiere einfach glücklich

Borussia Mönchengladbach: Marvin Schulz ist nach der Premiere glücklich
Marvin Schulz spielte gegen St. Pauli zum ersten Mal im Abwehrzentrum. FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Mit Nebenmann Christensen liefert der junge Verteidiger auf St. Pauli ein souveränes Debüt ab. Von Stefan Klüttermann

Ja, Fußball ist ein Tagesgeschäft. Ja, wer sich auf Erreichtem ausruht, entwickelt sich nicht weiter. Und ja, dieses Pokalspiel beim FC St. Pauli wird nicht als zentraler Baustein in Borussias Historie eingehen. Alles richtig, aber Marvin Schulz interessierten diese neunmalklugen Weisheiten der Fußballwelt an diesem Abend in Hamburg einfach mal gar nicht. "Es war ein Super-Spiel, Super-Stadion, Super-Stimmung. Einfach geil", sagte der Innenverteidiger, der soeben im Alter von 20 Jahren sein Pflichtspieldebüt für Borussia gefeiert hatte - und das Ganze auch noch in der Startelf.

Gänzlich überraschend war Schulz' Nominierung indes nicht gekommen, hatte er doch schon in den relevantesten Testspielen der Vorbereitung gemeinsam mit Neuzugang Andreas Christensen das Verteidiger-Duo gebildet. Aber ob Trainer Lucien Favre es tatsächlich wagen würde, beide "Bubis" auch im ersten Pflichtspiel auflaufen zu lassen, war bis zuletzt spannend geblieben. Favre wagte es und gewann, auch weil Schulz eine grundsolide Partie am für seine intensive Stimmung bekannten Millerntor bot. "Wir haben am Morgen ja noch mal trainiert, da konnte man schon sehen, wie wir spielen", erzählte der gebürtige Mülheimer. "Ein bisschen Nervosität war natürlich am Anfang da, aber mit der Zeit wurde es immer besser." Das fand auch Sportdirektor Max Eberl. War er dennoch überrascht, wie souverän und ruhig Christensen (19) und Schulz (20) ihre Aufgaben lösten? "Überrascht war ich überhaupt nicht. Sie haben sich diese Chance verdient. Jetzt war die Frage: Kriegen sie es auch mit Druck hin hier am Millerntor? Das haben sie bravourös geschafft, sie haben mit einer unglaublichen Ruhe verteidigt. Sie haben letztlich einfach das bestätigt, was sie in der Vorbereitung gezeigt haben", sagte Eberl.

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Borussias Bubi-Abwehr agierte aufmerksam in den Zweikämpfen, ohne - die von Favre so gehassten unnötigen - Fouls rund um den eigenen Sechzehnmeterraum und solide und konzentriert im Aufbauspiel. "Yann [Sommer, Anm. d. Red.] hilft uns sehr, Tony [Jantschke] und Oscar [Wendt] auch. Die Sechser genauso. Eigentlich hilft uns die komplette Mannschaft. Wir reden viel miteinander - auf und neben dem Platz", sagte Schulz. Ein Neuling funktioniert eben besser, wenn die Mannschaft, in die er kommt, funktioniert, wenn Automatismen funktionieren, Absprachen funktionieren. Und so eine Mannschaft ist Borussia nun bekanntlich schon länger.

Für Schulz waren die 90 Minuten auf dem Kiez auch eine Belohnung. Eine Belohnung dafür, geduldig auf seine Chance gewartet zu haben, und das nicht erst seit ein paar Wochen, sondern eigentlich schon seit Beginn der Vorsaison, als er sich beim Vorbereitungsspiel gegen die Bayern in Hamburg in den Vordergrund spielte, dann aber letztlich 2014/15 doch ohne Einsatzminute blieb. "Ich war ja letztes Jahr schon ein paar Mal im Kader, habe leider nicht gespielt, aber es ist immer schön, dabei zu sein. Im Moment bin ich einfach glücklich", sagte Schulz.

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Dass Christensen und er auch bei der ungleich schwierigeren Aufgabe am Samstag in Dortmund zur Startelf gehören, ist seit Montagabend noch einmal ein Stück wahrscheinlicher geworden. Das sieht auch Eberl durchaus so. "Klar, es wird Aubameyang sein, es wird Reus sein. Aber warum soll man den Jungen nicht das Vertrauen schenken, das sie sich verdient haben? Sie haben am Millerntor bestanden, was auch keine einfache Atmosphäre ist, und die Jungs haben gezeigt, was sie können. Dass sie Fehler machen werden, wird passieren, und wenn es am Samstag so sein wird, dann ist es so, aber bei jungen Spielern kannst du es auch nur dann erfahren, wenn du sie auch lässt und nicht, wenn du dauernd sagst: Jetzt lieber noch nicht!" Schulz wird es gerne gehört haben.

Quelle: RP
 
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