| 17.29 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Der Maskenmann trifft sein Vorbild

Fotos: Dominguez und Sommer verursachen Elfer Nummer zehn
Fotos: Dominguez und Sommer verursachen Elfer Nummer zehn FOTO: dpa, ade nic
Frankfurt. Sein verursachter Elfmeter habe nichts mit der Maske zu tun, sagt Yann Sommer. Und er verrät, wieso er sich besonders auf Turin freut. Von Karsten Kellermann

Ein wenig verwegen sah Yann Sommer schon aus mit seiner Maske. Gleich nach dem Abpfiff, der Borussias 5:1 bei Eintracht Frankfurt amtlich machte, nahm Sommer das Accessoire, das seine gerichtete Nase vor neuerlichem Ungemach bewahren soll, ab und trat als Mann ohne Maske vor die Kameras und Mikrofone. Es ging vor allem um den Elfmeter, den Sommer selbst nach dem zu kurz ausgefallenen Rückpass seines Kollegen Alvaro Dominguez verursacht hatte, weil er Frankfurts Stürmer Luc Castaignos traf, statt den Ball.

Nein, mit der Maske habe das nichts zu tun gehabt, er habe ganz einfach den falschen Fuß genutzt in dieser Situation, und sei daher zu spät gekommen. Der Rest lief ab wie neunmal zuvor in dieser Saison: Es gab Elfmeter, und der Ball war drin, zum zehnten Mal im zwölften Pflichtspiel. Alexander Meier war es, der Sommer überwand. "Ich kann die Elfmeter nicht mehr sehen", gestand der Torwart.

Ihm und allen anderen Borussen macht diese komische Elfmeter-Geschichte durchaus Gedanken, in Frankfurt jedoch war das Thema angesichts des klaren Sieges, den nach Raffaels 1:0 und Meiers Ausgleich, Mo Dahoud, noch mal Raffael und André Hahn mit seinem Doppelpack bongten, nur eine Randnotiz. Sommer hatte wegen seiner Nase beim 2:0 gegen Wolfsburg vor der Länderspielpause ausgesetzt und auch die beiden Spiele der Schweizer Nati verpasst.

Einzelkritk: Note 1 für Dahoud und Raffael FOTO: dpa, ade nic

In Frankfurt war er nicht der einzige Eidgenosse, der trotz eines Handicaps spielte. Granit Xhakas rechter Fuß, in dem ein Außenband gerissen ist, war dick in einen Tapeverband eingemummelt und so derart stabilisiert, dass Xhaka seinen Job richtig gut machen konnte. Sommer blieb jenseits des etwas kuriosen Elfmeters ebenfalls fehlerfrei. Von dem, was seine Vorderleute zeigten – und angesichts der relativen Harmlosigkeit des Gegners vor allem nach der Pause hatte er viel Zeit, es zu genießen – war der Torhüter sehr angetan. "Wir waren sehr effizient, mutig, frech, haben variantenreich gespielt, waren unberechenbar, haben mal über die Flügel gespielt, mal in die Tiefe – so macht es wieder Spaß", sagte Sommer.

Diesen Spaß wollen die Borussen nun mitnehmen, wenn sie am Dienstag nach Turin reisen. Dort steht am Mittwoch das Champions-League-Spiel beim Vorjahres-Finalisten Juventus an. Gerade für Sommer wird es ein Spiel mit besonderer Note. Denn er trifft sein Vorbild: Gianluigi Buffon, die 37 Jahre alte italienische Torwart-Legende. Auch Edwin van der Sar, den Niederländer, und den Dänen Peter Schmeichel fand der junge Yann Sommer gut, aber Buffon ist der Beste für ihn.

Pressestimmen: "Fohlen tanzen durch die Liga" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

"Ich habe ihn schon immer bewundert, er war immer ein total kompletter Torwart und eine große Persönlichkeit", sagt Sommer über den viermaligen Welt-Torhüter und Weltmeister von 2006. Gespielt hat er noch nie gegen den elf Jahre älteren Italiener. "Aber ich war mal Balljunge hinter seinem Tor", berichtete Sommer. Nun wird er trotz aller Verehrung aber nicht als Groupie ins Spiel gehen, sondern als ambitionierter Gegenspieler seines Vorbildes. Buffon weiß ebenfalls, wer ihm da gegenübersteht, denn Sommer hat sich längst einen verdammt guten Namen gemacht auf der internationalen Fußballbühne.

Nebenbei ist es auch für Buffon ein Spiel von außergewöhnlicher Bedeutung. Denn als der Signore vor einigen Jahren seine Biografie verfasste, gab er an, Borussia steht auf der Liste seiner Wunschvereine für irgendwann mal. Nur Real Madrid, Celtic Glasgow und West Ham United liegen vor Gladbach auf der Buffon'schen Sehnsuchtsskala. "Dieser Name. So lang, so schwierig, dieser Name hat mich immer gereizt. Als kleiner Junge konnte ich ihn nicht aussprechen, eigentlich kann ich es immer noch nicht", schrieb er 2010 in seinen Memoiren, die er "Numero 1" nannte.

Im Vorfeld des nun anstehenden Spiels wird er sicher öfter mal probeweise "Borussia Mönchengladbach" gesagt haben, um zu üben. Was die Sehnsucht angeht, hat ihm der junge Kollege Sommer etwas voraus. Der Schweizer bestreitet am Mittwoch sein 60. Pflichtspiel als Borusse. Buffon darf immerhin gegen Gladbach spielen.

Quelle: RP
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