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Borussia Mönchengladbach
Eberl ist der Architekt des Gladbacher Teams

Das ist Max Eberl
Das ist Max Eberl FOTO: dpa, mb tba
Mönchengladbach. Max Eberl genoss den Moment. Als der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach bei der Mitgliederversammlung seine Bilanz zog, wurde ihm stehend applaudiert. Er erzählte eine Erfolgsgeschichte von einem Fast-Absteiger, der binnen vier Jahren zu einem Spitzenteam geworden ist. Der Aufstieg ist eng mit Eberls Namen verbunden. Der Manager ist der Architekt eines erfolgreichen Teams. In Trainer Lucien Favre hat er den optimalen Baumeister. Von Karsten Kellermann

Vor vier Jahren, als Gladbach der Zweiten Liga entgegenwankte und eine Initiative um Stefan Effenberg den Verein übernehmen wollte, stand Eberl im Zentrum der Kritik. Er habe aus der Zeit gelernt, sagt er. Sein Dogma, das er sich von seinem Vorbild Uli Hoeneß abgeschaut hat: Erfolg ist die Summe richtiger Entscheidungen, auch wenn die Entscheidungen auf den ersten Blick unpopulär sind. Eberl hat viele richtige Entscheidungen getroffen. Die wichtigste war, Favre im Februar 2011 zum Trainer zu machen.

In seinem Büro hat Eberl ein Flipchart, das die Entwicklung seitdem nachhält. Der Pfeil zeigt nach oben, nicht steil, aber stetig. Der Bayer, der seit 1999 Borusse ist, hat stets dafür geworben, geduldig zu sein. Er weiß, dass Populismus und Eile keine guten Begleiter sind im Sport, er setzt auf Nachhaltigkeit. Nun geht sein Plan auf: Morgen fordert Borussia als Vierter den Zweiten VfL Wolfsburg im Topspiel. Sie will im Fernduell mit Leverkusen um Platz drei punkten und am Ende der Saison erstmals in die Gruppenphase der Champions League einziehen.

Wolfsburg, das den Weltkonzern VW hinter sich hat, ist in anderen Dimensionen unterwegs als Borussia. Auch die wollte Kevin de Bruyne, doch der Belgier ging 2013 für 22 Millionen Euro zu den "Wölfen". In diesem Winter kam André Schürrle für 30 Millionen Euro. Solche Transfers kann Gladbach auch künftig nicht stemmen, obwohl der Klub wirtschaftlich bestens aufgestellt ist (130 Millionen Umsatz 2014, 12,8 Millionen Euro Gewinn). Eberl setzt auf "intelligente Transfers" und Qualität. Die tabellarische Distanz (sieben Punkte) ist weit geringer als der Unterschied im Marktwerk der Kader (Borussia 130 Millionen Euro, Wolfsburg 216). Borussia steht in der Branche für positive Werte: Ruhe, Sachlichkeit, Realismus, klare Strukturen, Entwicklungspotenzial, Zuverlässigkeit und eben Nachhaltigkeit. Auch deshalb kommen viele Spieler gern nach Gladbach. Eberls Politik erinnert an Werder Bremen mit dem Manager Klaus Allofs. Seit November 2012 ist Allofs in Wolfsburg tätig. Auch da zeigt sich: Viel Geld ist nur ein Segen, wenn ein kluger Kopf da ist, der es sinnvoll einsetzt. Allofs, dessen Vertrag nun verlängert wird, hat mit Trainer Dieter Hecking einen schlafenden Riesen geweckt. Eberl hat mit Favre eben dies in Mönchengladbach getan.

Die Einsatzzeiten der Borussen FOTO: dpa, bt jai

Jetzt hat Borussia eine klare Identität, sie spielt schön und erfolgreich. Doch Eberl weiß: Im Fußball ist die Halbwertzeit von Anerkennung gering. Den Applaus muss er sich immer wieder hart erarbeiten. "Wir wollen das Bestmögliche erreichen", hat er versprochen. Morgen wären das erst mal drei Punkte gegen Wolfsburg. Schritt für Schritt, auch das ist eine Eberl-Maxime.

Quelle: RP
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