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Borussia Mönchengladbach
Eberl ist der Regisseur des Tatorts "Kolo"

Borussia Mönchengladbach: Max Eberl ist der Regisseur des Tatorts "Kolo"
Das war 2009: Pa­trick Herr­mann und Ti­mothée Ko­lod­zie­jcz­ak sind im U 18-Län­der­spiel zwi­schen Deutsch­land und Frank­reich Geg­ner. FOTO: Imago
Mönchengladbach. Zweimalige Europapokalsieger mit Entwicklungspotenzial und Erfahrung sind für Borussia nur zu haben, wenn ihre Karriere eine kleine Delle abbekommt. So wie beim neuen Innenverteidiger, auf den Sevilla nicht mehr setzte. Er soll nun ein Führungsspieler sein. Von Jannik Sorgatz, Marbella

Es war ein bisschen wie am Ende eines "Tatort" gegen 21.41 Uhr. Das Puzzle hatte sich zusammengefügt, die eine Szene um 20.28 Uhr ergab plötzlich einen Sinn, der scheinbar bedeutungslose Nebensatz um 20.57 Uhr auch. In Bezug auf Timothée Kolodziejczak heißt das: Borussias neuer Innenverteidiger mit Linksdrang hat mit 25 Jahren bereits zwei Mal die Europa League gewonnen, wurde 2010 mit Frankreich U 19-Europameister und hat knapp 200 Spiele als Profi auf dem Buckel. "Das ist die besondere Geschichte, die ich meinte", sagte Sportdirektor Max Eberl bei der Vorstellung seines Winter-Einkaufs, "nichts drumherum, sondern nur das Sportliche." Also auch nicht die Tatsache, dass Kolodziejczak den Nachnamen mit dem höchsten Scrabble-Wert in Borussias Vereinsgeschichte hat und auf seinem Trikot schlicht "Kolo" steht.

Die Transferstory nahm am 13. Dezember Fahrt auf. Da sagte Eberl über seinen Wunschspieler: "Er hat definitiv schon einige Spiele auf dem Buckel, wenn es klappen sollte. Wenn er da ist, können Sie genug schreiben, weil er eine ganz interessante Geschichte hat." Am 9. Dezember hatte sich der Manager auf der Pressekonferenz zum Spiel gegen Mainz entschuldigen lassen, er weilte im Ausland. Dass ein Spieler namens Timothée Kolodziejczak im Interview mit einer französischen Regionalzeitung kurz vorher verkündet hatte, den FC Sevilla verlassen und in eine andere Liga wechseln zu wollen, hatte da noch niemand auf dem Schirm.

Am 15. Dezember hinterließ Eberl den nächsten Tipp. "Der Name ist bisher nicht gefallen. Lasst euch überraschen", sagte er und schloss damit circa 67 mögliche Kandidaten aus. Die Gerüchteküche brodelte wie lange nicht bei Borussia. Bastian Schweinsteiger, Luiz Gustavo, Pirmin Schwegler, Nuri Sahin und all die anderen Genannten würden es also nicht werden.

Kurz vor Weihnachten - im "Tatort" wäre das in etwa 21.19 Uhr - meldete die spanische Sportzeitung "AS", dass Borussia an Kolodziejczak interessiert sei. Am Freitag, 30. Dezember, wurde es noch konkreter: Der Franzose sei "mit einem Fuß bei Gladbach", hieß es. Einen Tag später wünschte er via Instagram bereits auf Deutsch "ein frohes neues Jahr". Und am Mittwoch, 4. Januar wurde es dann offiziell verkündet: Borussia hatte Kolodziejczak verpflichtet.

Die Pressekonferenz am Donnerstag glich somit einem Interview mit dem Regisseur des Krimis. Eberl verriet, dass Borussia Kolodziejczak schon kenne, seit er mit Frankreichs Jugend-Nationalmannschaften große Erfolge feierte. 2008, da war Eberl noch Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, wurde der Franzose Vize-Europameister mit der U 17 und in die "Mannschaft des Turniers" berufen. 2010 gewann Frankreich dann den U 19-EM-Titel. "Kolo" spielte gemeinsam mit Antoine Griezmann und Alexandre Lacazette erneut gegen Spanien, gewann diesmal 2:1.

"Das ist unser Credo, Spieler weiterzuverfolgen, bis es irgendwann die Chance gibt, sie zu verpflichten", erklärte Eberl. "Leider für Kolo, gut für uns, hat Sevillas neuer Trainer nicht ganz so auf ihn Wert gelegt." Zweimalige Europapokalsieger mit Entwicklungspotenzial und Erfahrung sind für Borussia nur zu haben, wenn ihre Karriere eine kleine Delle abbekommt. Die Marktwerte der Makellosen steigen in nicht finanzierbare Sphären. Etwa acht Millionen Euro soll Kolodziejczak gekostet haben.

Die Datenbank der Gladbacher Scouting-Abteilung dürfte so gut gefüllt und gepflegt sein, dass sie bei fast jeder denkbaren Suchanfrage einen geeigneten Kandidaten ausspuckt. Eberl wollte einen Mann mit Führungsqualitäten, der zudem die Lücke füllt, die Álvaro Dominguez' Rücktritt hinterlässt. Dass fließende Deutschkenntnisse nicht zum Anforderungsprofil gehörten, verriet Eberl im Dezember ebenfalls scheinbar am Rande. "Juan Arango ist ein gutes Beispiel: Der hat drei Sätze auf dem Platz gesprochen, war aber trotzdem Führungsspieler, den man immer anspielen konnte. So einen Mehrwert brauchen wir." Dieser Fall wäre somit gelöst.

Quelle: RP
 
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