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Borussias Mönchengladbach
Eberl kritisiert Borussias Umfeld

Borussia Mönchengladbach: Max Eberl kritisiert Borussias Umfeld
"Ich spüre hier eine Stimmung, die du mit dem Messer schneiden kannst", sagt Borussias Max Eberl. FOTO: dpa, ade
Mönchengladbach. "Großartig" – so fasste Borussias Sportdirektor Max Eberl seine Einschätzung zum 1:1 der Gladbacher im Champions-League-Spiel gegen Manchester City in einem Wort zusammen. Aber es brodelt in der Borussen-Welt, der Manager redet sich in Rage. Von Karsten Kellermann

"Nach dem fünften Spieltag in der Gruppe die Europa League sicher zu haben und dass uns nichts mehr passieren kann, das ist eine großartige Leistung, die die Mannschaft gebracht hat. Und in einem nicht leichten Umfeld gegen Manchester City mit allen Aufs und Abs, die das Spiel gebracht hat, zu bestehen, das ist wirklich eine große Leistung", sagte Eberl am späten Mittwochabend.

"Wir sind im Pokal und im Europapokal auch im nächsten Jahr dabei, das sind zwei großartige Ziele, die wir erreicht haben", sagte der Manager. "Jetzt gilt es auch in der Bundesliga wieder die Punkte zu machen, die wir in der Vergangenheit nicht gemacht haben, darauf gilt es sich jetzt für Samstag gut vorbereiten", so Eberl mit Blick auf das Spiel gegen 1899 Hoffenheim.

Gegen City gab es bei den Auswechslungen von Mo Dahoud und Raffael Pfiffe

Seit sechs Spielen sind die Borussen in der Liga sieglos. Und daraus ist eben die Situation entstanden, die Eberl mit dem "nicht leichten Umfeld" bezeichnet: Es brodelt in der Borussen-Welt. Gegen City gab es bei den Auswechslungen von Mo Dahoud und Raffael Pfiffe, die sich offenbar gegen Trainer André Schubert richteten. Und der steht seit Wochen im Zentrum der Diskussionen vieler Gladbach-Fans. Weswegen Eberl die reine Freude am Erreichen des Ziels "Überwintern im Europapokal" vergangen ist.

"Die, die da pfeifen, sind dumme Menschen", stellte Eberl klar. "Weil sie gepfiffen haben, weil sie dachten, André Schubert will defensiv spielen. Aber beide waren mit 'Gelb' vorbelastet, und man musste doch bei jeder Aktion Angst haben, Schiedsrichter Cakir zeigt Gelb-Rot. Und ohne drei hätten wir den Punkt nicht gemacht", erklärte Eberl. Er war spürbar in Rage. "Deswegen sage ich: die Menschen, die hierher kommen, und erwarten, dass Borussia Mönchengladbach Manchester City vom Platz fegt, die sollen nach München fahren", fuhr er fort.

Und Eberl legte mit grundsätzlichen Klarstellungen nach: "Wir sind auch mit der Situation in der Liga nicht zufrieden. Aber ich habe das Gefühl, wir verteidigen hier nicht, dass wir in der Bundesliga nicht so viele Punkte haben, wie wir gern hätten, sondern es geht um etwas Persönliches gerade. Und wir verteidigen Erwartungshaltungen, denen wir nicht gerecht werden können. Aber das muss ich mir vielleicht auch ankreiden, denn ich habe es offenbar nicht geschafft, den typischen Mahner zu geben, wie Lucien Favre es immer war und die Erwartungen in den Keller zu schrauben."

"Ich weiß nicht, was die Leute erwarten"

Der Manager fuhr fort: "Von unten nach oben zu kommen, ist leichter, als oben zu bleiben, wenn die Erwartung weit oben ist. Aber klar ist, dass wir in der Bundesliga noch punkten wollen. Da wird aber in der Winterpause und am Ende abgerechnet, und da haben wir doch noch die Chance mit dem Kader, den wir haben, Punkte zu sammeln, um noch besser dazustehen", sagte Eberl.

"Ich spüre hier eine Stimmung, die du mit dem Messer schneiden kannst. Man weiß nicht: Ist es Fisch, ist es Fleisch. Ich habe das Gefühl, man geht nach einem 1:1 gegen City nach Hause und sagt: Business as usual. Damit kann ich schlecht umgehen, das muss ich sagen. Scheinbar entstehen um uns Dinge, die man irgendwann nicht mehr aufhalten kann. Das ist das, was mir Angst macht. Es gibt nur noch Schwarz und Weiß, kein: Wir schauen mal. Das ist aber bei allen Vereinen so. Ich finde es gefährlich, sofort das große Ganze in Frage zu stellen", betonte der Manager.

"Ich weiß nicht, was die Leute erwarten. Manche gucken nicht Fußball, sondern wollen nur Frust abladen. Wir haben die Kugel sehr hoch geschoben, dadurch, dass wir in der vergangenen Saison trotz des schlechten Starts noch die Champions League erreicht haben. Da sagt wohl der eine oder andere: Selbst mit so einem Start schaffen die Borussen die Champions League. Und jetzt haben sie noch investiert – also jetzt erst recht. Das ist ein Irrglaube", sagte Eberl.

 "Es kann sein, dass Borussia jetzt einige Jahre keine Champions-League-Hymne hört"

Er vermutet den Fluch der guten Ergebnisse: "Wenn es letzte Saison nicht so gut gelaufen wäre und man wäre Achter oder Neunter geworden, wäre manches jetzt nicht da. Wenn bei uns alles top läuft und andere schwächeln, dann haben wir die Chance, etwas Großes zu schaffen. Aber das ist nicht jedes Jahr so", wiederholte er sein Mantra.

Viermal in den vergangenen fünf Jahren haben sich die Borussen für Europa qualifiziert, zuletzt zweimal in Folge für die Champions League. "Es kann sein, dass Borussia jetzt einige Jahre keine Champions-League-Hymne zu hören bekommt. Aber das sind Fragen, die mich im Moment nicht tangieren. Mich tangiert jetzt das Spiel gegen Hoffenheim. Da geht es darum, dass wir wieder punkten wollen", sagte Eberl.

Raus aus der Krise also, aber mit Besonnenheit, das ist Eberls Botschaft. "Für mich ist alles zu absolut. Die Verletzten zählen nicht, die Belastung auch nicht. Es muss einen Kopf kosten. Dann ist der erste Kopf weg, und dann, wenn es nicht so läuft? Der nächste? Und dann der dritte Trainer? Und dann muss der Manager mit weg. Nein, das will ich nicht. Wir wollen auch mal versuchen, ein Tal zu durchstehen. Wir haben phantastische Zeiten erlebt und ich hatte das Gefühl, wir hätten mehr Bonus", sagte Eberl. 

"Es geht nicht darum, keine Kritik zu ertragen. Aber normales Verhalten ist Unzufriedenheit, auch mal Unmut. Aber nicht, so schnell das Vertrauen in die handelnden Personen zu verlieren", verdeutlichte Eberl. "Mir liegt dieser Verein am Herzen, ich war mit ihm in der Zweiten Liga. Ich habe hier viel miterlebt. Früher haben die Leute gesagt: bitte, bitte einmal nach Europa. Und jetzt soll das ein Automatismus sein? Es geht ganz schnell in diese absolute Meinung – überall, nicht nur im Fußball", sagte Eberl.

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