| 17.35 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Eberl spricht mit der Stimme der Vernunft

Das ist Max Eberl
Das ist Max Eberl FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Die 1:2-Derby-Niederlage gegen den 1. FC Köln zeigt, dass Mönchengladbach
einen Anti-Lauf hat. Manager Max Eberl stärkt Trainer Schubert dennoch den Rücken.
Von Karsten Kellermann

Der heftige Wind im Mönchengladbacher Borussia-Park war eine Zerreißprobe für die Fahnen mit der Raute, die dort aufgestellt sind. Eine schöne Symbolik. Der Wind weht den Borussen kräftig ins Gesicht nach dem 1:2 im Derby gegen den 1. FC Köln. Sie sind nach sechs sieglosen Spielen (zwei Punkte) auf Rang 13 abgerutscht, haben nur zwölf Punkte nach elf Spielen und sind der Abstiegszone näher als den anvisierten Europapokal-Ränge. Die Lage ist kritisch.

Während es unter den Fans, die nach dem Spiel pfiffen, rumort und von Teilen der Szene ein Trainerwechsel offen gefordert wird, gibt sich Manager Max Eberl als die Stimme der Vernunft. Er stellte klar, dass Trainer André Schubert nicht zur Debatte stehe. Eberl will Erfolg. Aber auch Kontinuität. Es ist keine Kontinuität um der Kontinuität Willen, sondern eine, die eine Basis des Aufschwungs der vergangenen Jahre war. Nun gilt es, eine schwierige Phase auszuhalten. Eberl vertraut dem Trainer und dem Team, die Wende zu schaffen.

Viele Fans vertrauen André Schubert nicht

Aber das ist ein Vertrauensvorschuss, der zurückgezahlt werden muss: Erfolg und Punkte müssen wieder her. Denn sonst, das weiß der Pragmatiker Schubert, greifen die üblichen Mechanismen. "Im Fußball ist es immer so, dass du Vertrauen bis zu dem Tag hast, an dem du es nicht mehr hast", sagte er. Viele Fans vertrauen ihm nicht. "Ich bin nicht der einzige Trainer auf der Welt, bei dem das so ist. Alle müssen sich Kritik gefallen lassen, wenn sie nicht genügend Punkte holen. Dafür gibt es Gründe, die müssen wir erläutern. Das ist alles", sagte Schubert. Einen Grund, alles infrage zu stellen, sieht Borussias Chefetage aber nicht, trotz der schmerzhaften Derby-Niederlage.

Schubert weiß aber, dass er Ergebnisse liefern muss. Er wollte eine Serie starten, das ist gegen Köln nicht gelungen. Es wird Zeit. Und: Die Art und Weise, wie das Derby verloren ging, ist sogar alarmierender als das Ergebnis. Denn in der ersten Halbzeit machten die Gladbacher ein starkes Spiel und kein Kölner hätte sich beschwert, wenn es 2:0 oder 3:0 gestanden hätte. Aber es gab nur den Treffer von Lars Stindl, der nach 496 Minuten die Torlosigkeit beendete. Trotzdem: Die erste Halbzeit mit vielen spielerischen Glanzpunkten machte Mut. Das war das strahlende Gesicht der Schubert-Borussia.

Halbzeit zwei zeigte aber das Problem von Borussia 2016 ist: Es fehlt die Konstanz. Und was passierte, kann sogar Angst machen. Zunächst brachte Gladbach Köln durch Lethargie und Passivität ins Spiel. Die Strafe war brutal. Wer Tore wie die von Anthony Modeste, den Jannik Vestergaard anköpfte, und Marcel Risse, dessen 35-Meter-Schuss in den Winkel flatterte, bekommt, läuft Gefahr, dass die Abwärtsspirale zum Selbstläufer wird.

Es geht schief, was schief gehen kann: die Chancenverwertung stimmt nicht, in entscheidenden Situationen werden entscheidende Fehler gemacht, Bälle landen an der Latte statt im Netz wie bei Ibo Traoré, die Ecken verpuffen fast schon traditionell im Nichts. Borussia hat einen Anti-Lauf. Gut für den Kopf ist das nicht. Dass es um die mentale Stärke zuweilen nicht gut bestellt ist, ist offenbar.

Das Derby sollte ein Wendepunkt sein, mit voller Mannstärke und einem Sieg sollte das "Momentum" (Eberl) in die eigene Richtung gedreht werden. Das klappte nicht. Und die nächsten Gegner klingen nicht verheißungsvoll: Manchester City in der Champions League, Hoffenheim und Dortmund in der Liga. Die Zeichen stehen weiter auf Sturm. "Jetzt gilt es trotzdem, das was gut war, zu sehen und das, was gegen uns läuft, zu verbessern, um dann zu punkten. Darum geht es jetzt, sonst wird es schon gefährlich", warnte Eberl, die Stimme der Vernunft.

 

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