| 17.23 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Eberl: "Keinen Plan B in der Tasche"

Fotos: Eberl nimmt Stellung zum Favre-Rücktritt
Fotos: Eberl nimmt Stellung zum Favre-Rücktritt FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Am 14. Februar 2011 hatte Max Eberl ebenfalls auf dem Podium im Presseraum des Borussia-Parks gesessen. Im grauen Rautenpullover erläuterte der Sportdirektor, warum der Mann links neben ihm der Richtige sei, um den VfL vor dem scheinbar sicheren Abstieg in die 2. Bundesliga zu bewahren. Genau 240 Wochen später nahm Eberl wieder dort Platz, an seinem 42. Geburtstag, nur diesmal saß links neben ihm lediglich Medienchef Markus Aretz. Von Jannik Sorgatz

Man hatte es in viereinhalb Jahren fast vergessen, wie es aussieht, wenn die Verantwortlichen bei Borussia Mönchengladbach einen Trainerwechsel erklären. Zumal sich der Erklärteil am Montagnachmittag in Grenzen hielt. "Ich bin sehr, sehr traurig, dass so eine unfassbar tolle Zeit so zu Ende gegangen ist", sagte Eberl. Dann begann er, zu skizzieren, wie es dazu kam, dass er auf diesem Podium Platz nehmen musste – weil Lucien Favre seinen Rücktritt eingereicht hat.

Beim Spaziergang mit seinem Hund wurde Eberl am Sonntagmorgen von Favres Berater angerufen. Wie oft es diese Konfrontation zuvor schon gegeben hatte, wollte Eberl nicht verraten. Jedenfalls gab es kurz darauf ein Treffen im Borussia-Park, auf dem Favre von seiner Rücktritts-Entscheidung abgehalten werden sollte. Doch auch nach einer Mittagspause habe der Schweizer die Argumente der sportlichen Leitung bei einem zweiten Treffen "nicht an sich herangelassen". "Er hatte die Sorge, keine Lösung zu finden. Dass er in den Moment nicht mehr der richtige Trainer ist", sagte Eberl.

Favres Mitteilung an die Medien habe ihn nicht mehr überrascht, weil er den Text auch bekommen hatte. Sie zerstörte jedoch jegliche Resthoffnung, "dass wir ihn auch dieses Mal überzeugen können, bei uns und mit uns weiterzumachen". So hatte es am Sonntagabend in der offiziellen Reaktion des Vereins gestanden.

Wer folgt auf Lucien Favre? FOTO: dpa, Steffen Schmidt

Fakten sind damit geschaffen, Eberl muss einen Nachfolger finden für Borussias erfolgsreichsten Trainer der vergangenen 30 Jahre. "Ich habe mir kein Zeitfenster gesetzt", sagte der Sportdirektor. "Wir werden in keinerlei Hektik verfallen. Wir werden versuchen, das Bestmögliche für Borussia Mönchengladbach zu tun, und das kann auch mal Zeit in Anspruch nehmen." Denn gute Trainer würden im September nicht von den Bäumen fallen.

Dass U23-Trainer André Schubert dennoch nur als Interimslösung aufrückt, untermauerte die Tatsache, dass der ehemalige Coach des FC St. Pauli und des SC Paderborn nicht neben Eberl Platz nahm. Er wird sich am Dienstag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC Augsburg erstmals öffentlich äußern. Co-Trainer Frank Geideck und Manfred Stefes werden wie gewohnt auf der Bank sitzen. Ansonsten bewirkt Schuberts Versetzung, dass U19-Trainer Arie van Lent vorerst die U23 in der Regionalliga betreut und U17-Trainer Thomas Flath sich um die U19 kümmert.

"Wir können nicht erst einmal innehalten, uns in den Armen liegen und weinen", meinte Eberl, der trotzdem aussah, als wolle er genau das tun. Über die Reaktion der Spieler sagte der Sportdirektor im typischen Eberl-Sprech: "Natürlich waren sie auch ein Stück weit überrascht."

Einen Plan B habe man nicht in der Tasche. "Wir können nicht von heute auf morgen Lösungen präsentieren. Uns war immer bewusst: Wenn der Trainer uns verlässt, haben wir eine große Lücke zu schließen", sagte Eberl. Auf der Pressekonferenz war sie zwangsläufig sichtbar.

Das sind mögliche (und unmögliche) Favre-Nachfolger.

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Borussia Mönchengladbach: Max Eberl ohne Plan B nach Lucien Favre


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.