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Max Eberl im Interview
"Wir befinden uns noch in einem Auf und Ab"

So lange sind die Manager der Bundesligisten schon im Amt
So lange sind die Manager der Bundesligisten schon im Amt FOTO: dpa, ade
Mönchengladbach. Borussias Manager Max Eberl spricht über die Lage nach dem 1:5 gegen Leverkusen, das Derby in der zweiten DFB-Pokal-Runde und Florian Neuhaus.

Herr Eberl, 1:5 gegen Bayer Leverkusen nach einer 1:0-Pausenführung. Können Sie sich das erklären?

Eberl Die Leverkusener waren gnadenlos effizient, aber wir haben natürlich selbst immer wieder Bälle verloren und schlecht umgeschaltet. Dann haben sie uns mit ihren schnellen Leuten überrollt. Da muss man gar nicht lange nach Erklärungen suchen, das ist relativ einfach: Wir haben Leverkusen durch unser Fehlverhalten wieder ins Spiel gebracht.

Womit zur Pause nicht unbedingt zu rechnen war. Nun gab es die zweite hohe Klatsche der Saison.

Eberl Leider haben wir uns mit der zweiten Halbzeit eine herausragende erste Halbzeit selbst wieder eingerissen. Aber mir macht trotzdem Mut, was wir nach vorne gespielt haben. Trotzdem - ich habe immer gesagt, dass Stabilität wichtig ist, und auf der Suche danach befinden wir uns noch in einem Auf und Ab.

Stichwort umschalten: Schon morgen geht es weiter. Der DFB-Pokal verzeiht nicht nur aufgrund der K. o.-Spiele keine Ausrutscher. Es ist auch ein Derby und nach der ersten Runde in Essen sozusagen die Fortsetzung des Niederrheinpokals.

Eberl Die Fußball-Geografie hier im Westen habe ich inzwischen kennengelernt. Wir spielen gegen eine Fortuna, die nach elf Spielen 28 Punkte hat und es auch fußballerisch sehr gut macht. Ich habe sie dreimal gesehen, weil ich mir Florian Neuhaus anschauen wollte. Für mich wartet da ein Bundesliga-Duell auf uns.

Schieben Sie die Favoritenrolle etwas weg von Borussia?

Eberl Natürlich ist der Erstligist immer Favorit. Und offiziell spielt ein Zweitligist gegen einen Erstligisten. Wenn man allerdings die Düsseldorfer Leistungen ins Kalkül zieht und sieht, welche Mannschaft sie sich zusammengestellt haben, dann ist die Favoritenrolle nicht mehr so klar verteilt. Hinzu kommt die Atmosphäre, der Derby-Charakter. Da kann man schon sagen: Wer an dem Tag besser ist, wird auch gewinnen. Das ist hoffentlich in diesem Fall der Erstligist, aber nicht automatisch.

Haben Sie Angst, dass Florian Neuhaus nach Nando Rafael, der vor fünf Jahren als Ex-Borusse Fortunas Siegtor schoss, die nächste "Ausgerechnet"-Geschichte schreibt?

Eberl Klar ist das ein Klassiker im Fußball, Jannik Vestergaard hat zuletzt auch gegen Bremen getroffen. Wahrscheinlich gibt es irgendwo aber Statistiken, die widerlegen, dass Spieler besonders gerne gegen ihre ehemaligen Vereine treffen. Ohnehin spielen wir gegen Fortuna Düsseldorf und nicht gegen Florian Neuhaus.

Friedhelm Funkel hat klar gesagt, dass er nach Berlin ins Finale will. Den Ansatz verfolgen Sie auch: Borussia will besser sein als vergangene Saison - das wäre das Finale.

Eberl Wenn man unsere Zielsetzung für die Bundesliga pauschal auf den Pokal überträgt, dann wäre das so (lacht). Aber so war es natürlich nicht gemeint. Klar, ich wiederhole es eben immer, dass ich etwas Blechernes in der Hand haben will, und der Pokal ist der leichteste Weg, das zu schaffen. Früher habe ich immer gesagt, der Pokal ist der kürzeste Weg nach Europa. Das stimmt schon mal nicht mehr, weil wir viermal gezeigt haben, dass wir es über die Liga schaffen können. Außerdem kann sich der unterlegene Finalist nicht mehr für Europa qualifizieren. Aber natürlich treten wir in dem Wettbewerb an, um ihn zu gewinnen - mit dem Wissen, wie verdammt kompliziert es ist, jede Runde zu meistern.

Florian Neuhaus ist mit seinen Leistungen maßgeblich an Fortunas Lauf beteiligt. Hat Borussia sich bei ihm ein wenig dem Modell Chelsea verschrieben, junge Talente zu holen und direkt zu verleihen?

Eberl So groß wie Chelsea sind wir natürlich nicht, wir haben mit Ndenge, Blaswich und Neuhaus gerade einmal drei Spieler verliehen und nicht 27. Es bot sich bei Neuhaus einfach an. Wir haben uns länger mit ihm beschäftigt und wussten, dass er noch einen langfristigen Vertrag bei 1860 München hatte. Mit dem Abstieg hatte sich das erledigt, und dementsprechend wurde er noch interessanter für uns. Wir haben ihm gesagt: Hör' zu, unsere Kaderplanung ist zwar abgeschlossen und wir haben fünf Spieler auf deiner Position, aber wir wollen dich auf jeden Fall. Die Kommunikation mit Peter Hermann und Friedhelm Funkel in Düsseldorf war sehr intensiv, es bot sich einfach an. Für uns ist es eine großartige Situation, weil wir einen Topspieler gefunden haben, der jetzt ein Jahr Spielpraxis bekommt, und Fortuna hilft er auch.

Es hätte sicher kleinere Bundesligisten gegeben, wo er es direkt in den Kader geschafft hätte.

Eberl Klar, wir sind nie alleine. Aber ich glaube, dass Borussia Mönchengladbach in den letzten Jahren gezeigt hat, was wir mit jungen Talenten anfangen. Ob er woanders in der Bundesliga direkt Stammspieler geworden wäre, weiß ich nicht. Momentan erweckt er den Eindruck. Aber er spielt kontinuierlich beim Tabellenführer der Zweiten Liga. Dementsprechend war es für uns alle eine super Entscheidung.

Welches Zwischenfazit ziehen Sie für Borussia?

Eberl Die elf Punkte aus sieben Spielen vor Bremen waren für mich erstmal ein guter Start angesichts der Probleme, die wir hatten mit den Verletzten und den komplizierten Gegnern. Wir hatten eben nicht den ganzen Kader zusammen und mussten auswärts gegen Leipzig und Dortmund ran. Augsburg und Hannover waren zudem zwar auf dem Papier keine Top-Mannschaften, aber sehr gut gestartet. Die Personallage haben wir zum Glück jetzt in den Griff bekommen. Natürlich macht dir das Hoffnung, es heißt aber nicht, dass es automatisch besser wird.

Sind Sie trotz der hohen Niederlage gegen Leverkusen zufrieden mit Platz acht und 14 Punkten?

Eberl In dieser Saison ist es aufgrund der Lage in der Liga schwierig, zu differenzieren. Es gibt so Phasen, in denen du dabei sein musst, wie Dieter Hecking es gesagt hat. Wenn irgendwo eine Lücke entsteht, willst du vor der Welle sein und nicht darum kämpfen, die Lücke zu schließen - damit meine ich natürlich nicht die hinter Bayern und Dortmund. Wir sind trotz des 1:5 mit dabei, aber es ist mehr denn je eine Momentaufnahme. Und jetzt gilt es, den nächsten Moment wieder besser zu gestalten. Jedes Wochenende wird es hochintensiv. Du darfst dir nie zu sicher sein, hast aber immer auch die Chance, schnell den Anschluss herzustellen, wenn du zwei, drei Spiele nicht gut gepunktet hast. Am Ende, wenn die Entscheidungen fallen, wollen wir dabei sein.

In Stindl, Raffael, Hazard, Traoré und Grifo hat Dieter Hecking vorne einige Kandidaten, die für das gewisse Etwas sorgen sollen.

Eberl In meiner Anfangszeit als Sportdirektor durfte ich bei Hans Meyer viel aufsaugen. Sein Credo war immer, dass du eine Mischung im Kader haben musst. Du willst mit dem Trainer einen Kader bauen, der ihm hilft, auf unterschiedliche Situationen zu reagieren. Die Zeit der elf Stammspieler, deren Status in Stein gemeißelt ist, ist vorbei. Du brauchst nicht zwei identische Neuner, so dass du immer den aufstellst, der scheinbar besser in Form ist - und nachher ärgerst du dich, weil du nicht den anderen genommen hast. Dieter Hecking kann die Mischung auf den Flügeln wählen, ob er den kleinen Dribbler bringt, den Strukturspieler oder den nach innen ziehenden Außenbahnspieler. Defensiv sind die Rollen etwas klarer verteilt, aber gerade vorne willst du natürlich unterschiedliche Typen haben.

War es zu erwarten, dass die ganz Jungen wie Julio Villalba und Michael Cuisance so schnell zum Einsatz kommen?

Eberl Sie haben sich gleich in der Vorbereitung so positioniert, dass der Trainer keine Angst hatte, sie zu bringen, als wir die Verletzten hatten. Für die Jungs ist das eine Auszeichnung. Dass Michael Cuisance jetzt schon zum zweiten Mal von Beginn an gespielt hat, war natürlich mit Beginn der Saison nicht abzusehen.

Ist Cuisance Borussias größtes Talent der vergangenen Jahre?

Eberl Er hat auf jeden Fall riesiges Potenzial und ist nicht umsonst der zweitjüngste Borusse in der Bundesliga nach Marko Marin. Aber wir hatten auch Leute wie Marc-André ter Stegen, der jetzt in Barcelona im Tor steht, oder Mo Dahoud. Da ist es schwierig, zu sagen, wer auf seiner Position das größere Talent war. Es macht Spaß, Cuisance zuzuschauen. Für ihn ist das Vertrauen der Mitspieler die größte Auszeichnung: Er fordert die Bälle und bekommt sie.

Müssen die Spieler darauf geeicht werden, nicht in Düsseldorf schon ans Ligaspiel in Hoffenheim zu denken?

Eberl Natürlich ist es für sie verlockend, aber es bringt eben nichts, die Zukunft durchzurechnen. Deswegen sagen wir den Jungs: Konzentriert euch auf dieses eine Spiel. Das nehmen sie aber auch an.

Heißt: Es geht morgen in Düsseldorf ganz platt darum, das Achtelfinale zu erreichen?

Eberl Genau, und dann sind wir Niederrhein-Pokalsieger (lacht). Der MSV Duisburg ist ja schon draußen.

DAS GESPRÄCH FÜHRTEN KARSTEN KELLERMANN UND JANNIK SORGATZ.

Quelle: RP
 
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