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Borussia Mönchengladbach
Eberl hat das Maximum an Kontinuität herausgeholt

Das ist Max Eberl
Das ist Max Eberl FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Als Max Eberl bei Borussia übernahm, galt der Verein als "Kaufhaus des Westens". Das hat sich gewandelt. Der Sportdirektor hat das große Mantra seiner Anfangszeit in die Realität umgesetzt. Von Jannik Sorgatz

Acht Jahre als Manager hinterlassen nicht nur sportlich ihre Spuren. Max Eberl hat auch die Sprache bei Borussia geprägt, seit er im Oktober 2008 auf Christian Ziege folgte: "Einstelligkeit", "Turnaround", "Monopoly" – "am langen Ende" fällt das alles auf Eberl zurück. Borussias Chefeinkäufer und Außenminister ist auch der Formulierungsbeauftragte. In seiner Anfangszeit trug der heute 42-Jährige allerdings einen anderen Begriff vor sich her. Mantramäßig predigte Eberl, dass im "Kaufhaus des Westens", auf der Trainerbank zu jener Zeit mit einem "Schleudersitz" ausgestattet, "Kontinuität" Einzug halten solle.

Fest verknüpft mit dem Mantra der Kontinuität war der Name Michael Frontzeck. Der übernahm im Sommer 2009 einen Kader aus Aufstiegshelden wie Roel Brouwers, Klassenerhaltshelden wie Dante und bekam Neuzugänge wie Marco Reus und Juan Arango gestellt, die sich mittel- bis langfristig als Eberls erste große Glücksgriffe erweisen sollten. Die damalige Mannschaft hatte den Verein nun nicht gerade über Jahre geprägt. Oliver Neuville und Filip Daems kamen gemeinsam auf mehr als ein Drittel der Einsätze, die der gesamte Kader bis dahin für Borussia absolviert hatte. Die Kontinuität war ein zartes Pflänzchen.

Kurze Stagnation unter Lucien Favre

In der Saison 2010/2011 ging das Projekt beinahe nach hinten los. "Kontinuität im Misserfolg", titelte der "Tagesspiegel" zynisch. Noch als Borussia auf den letzten Platz abgerutscht war, bekräftigte Eberl sein Mantra. Im Februar 2011 trennte sich der Verein letztendlich doch von Frontzeck, so dass Eberl ein weiteres Bonmot prägen konnte: "Den Zipfel haben wir noch richtig in der Hand", sagte er auf der ersten Pressekonferenz mit Lucien Favre. Der Schweizer schaffte das Nichtabstiegswunder, und in der ersten Transferperiode unter Favre wurde zum bis heute letzten Mal unter Eberl so richtig aufgeräumt.

Die Kader-Kontinuität stagnierte ein Jahr lang. Spieler wie Michael Bradley, Karim Matmour und Tobias Levels hatten keine Zukunft am Niederrhein. Der Aderlass im Sommer 2012 traf Borussia dann vor allem sportlich schwer. Nun war Favre der Mantra- Mann, der Marco Reus, Dante und Roman Neustädter mit Lionel Messi, Gerard Pique und Xavi vom FC Barcelona verglich. Doch ein echter Exodus war auch das nicht. Ab jetzt musste Gladbach nie mehr als zwei Stamm- und Schlüsselspieler in einer Transferperiode abgeben.

So viel Kontinuität haben die Vereine im Kader FOTO: RPO

Mehr als 600 Ligaspiele gingen im Sommer

2013 ging Mike Hanke, weil der Verein seinen Vertrag nicht verlängerte. 2014 verlor Borussia Marc-André ter Stegen, 2015 waren es Max Kruse und Christoph Kramer, 2016 wechselten Granit Xhaka und Havard Nordtveit nach England. Da Martin Stranzl und Roel Brouwers kaum mehr zum Einsatz gekommen sind, machen sich ihre Abgänge vor allem in der Kabine bemerkbar. Mehr als 600 Ligaspiele haben den Verein nach der vergangenen Saison verlassen. Zum ersten Mal, seit Eberl Sportdirektor ist, schrumpfte die Borussia-Erfahrung des Kaders.

Mit 1206 Ligaspielen liegt Gladbach auf dem siebten Platz, aber nur knapp hinter dem fünften. Zudem profitieren Vereine wie Bayer Leverkusen (Stefan Kießling) oder der VfL Wolfsburg (Diego Benaglio, Marcel Schäfer) in der Statistik von Spielern, die seit Ewigkeiten da sind, nun aber keine prägende Rolle mehr spielen.

André Schubert könnte eine schlagkräftige Elf aufstellen, die auf 972 Ligaspiele für Borussia kommt: Sommer – Korb, Jantschke, Dominguez, Wendt – Traoré, Kramer, Johnson – Hazard, Herrmann, Raffael. Drei Eigengewächse wären dabei sowie drei Spieler, die ablösefrei kamen. Insgesamt hat Eberl für den aktuellen Kader nur gut 80 Millionen Euro an Ablöse ausgegeben.

Der Sportdirektor kauft nach dem Hydra-Prinzip ein: Die Einnahmen aus einem Transfer werden auf mindestens zwei Neue verteilt, vorzugsweise in verschiedenen Mannschaftsteilen. Man nehme nur diesen Sommer, in dem Granit Xhaka für 45 Millionen Euro (abzüglich einer Gewinnbeteiligung des FC Basel) ging, während Christoph Kramer für 15 Millionen kam, Jannik Vestergaard für elf und Laszlo Bénes für zwei Millionen.

Mehr "Kontinuität" dürfte kaum zu schaffen sein. Eberls neues Lieblingswort "Monopoly" erschwert das Zusammenhalten des Kaders. Doch die "Einstelligkeit" ist auch in dieser Statistik gesichert.

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