| 14.39 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Langstrecke gegen Leverkusen und Diskus gegen Drochtersen

Einzelkritik: Bestnoten für Sommer, Hahn und Stindl
Einzelkritik: Bestnoten für Sommer, Hahn und Stindl FOTO: afp
Mönchengladbach. Gegen Bayer Leverkusen hat Borussia Mönchengladbach gezeigt, dass man den Ball nur kurz benötigt, um erfolgreich zu sein. Dazu gehörte aber auch die nötige Portion Glück, die in der Rückrunde oftmals fehlte. Von Jannik Sorgatz

Nur noch sechs Sekunden

Manchmal sind Fußballspiele so unterschiedliche Disziplinen wie Diskuswerfen und der 3000-Meter-Hindernislauf in der Leichtathletik. Und doch steckt hinter einem 1:0 in Drochtersen mit 81 Prozent Ballbesitz dieselbe Sportart wie beim hochintensiven 2:1 gegen Leverkusen, das selbst bei 18 Grad Außentemperatur eine heiße Partie gewesen wäre. Da führt nur von Einwürfen unterbrochenes Kurzpassspiel in der gegnerischen Hälfte eines Amateurvereins zu weniger Toren als Konterfußball gegen einen Klub, dem manch einer ganz große Würfe zutraut, der Klub selbst ist auch nicht abgeneigt. Kramer auf Hahn – Tor. Hazard auf Stindl – Tor. Beide Angriffe dauerten jeweils nur sechs Sekunden. Da hat selbst Usain Bolt noch nicht die 60-Meter-Marke erreicht.

Verbindung zum Tor hergestellt

Das Packing wies ihn im Frühsommer bereits als besten deutschen Stürmer aus, als die Menschen Packing noch für ein Dorf in der Steiermark hielten. Unter der Woche lobte Trainer André Schubert seine Qualitäten als "Verbindungsspieler" zwischen Mittelfeld und Angriff. Dass Lars Stindl schon lange nicht mehr als Torschütze aktiv geworden war, hatte noch niemanden veranlasst, den Minutenzähler laufen zu lassen, das Damoklesschwert der Offensivspieler. Als Stindl gegen Leverkusen den Ball an Bernd Leno vorbeitrug und zum 2:1 einschob, waren 794 Minuten und fünfeinhalb Monate vergangen seit seinem letzten Treffer.

Das nötige Spielglück

Schon nach dem 3:1 in Bern stritten die Borussen gar nicht ab, dass Gladbach das Spiel mit Pech hätte verlieren können. Nun beim 2:1 gegen Leverkusen hätte sich erst Recht nicht alles gegen die Schubert-Elf verschwören müssen, damit das Resultat umgedreht worden wäre. Zweimal traf Bayer Aluminium. Zudem hätte der Ball vor Kramers schnell ausgeführtem Freistoß noch 0,27 Sekunden benötigt, um endgültig zu ruhen. Stindl war bei Hazards Pass eine Fußlänge, also rund 30 Zentimeter im Abseits. Und dass Leverkusen bei beiden Treffern individuell patzte, kann man ebenso unter Spielglück einordnen. In der Rückrunde fehlten diese freilich nicht zu beeinflussenden Faktoren besonders auswärts häufig, wie bei der 1:2-Niederlage auf Schalke, die in dieser Woche wohl ein 4:0-Sieg geworden wäre.

Den Spieß umgedreht

Noch so eine Randnotiz aus der Kategorie "Bekloppter Fußball": Über 26 Jahre gelang Borussia kein Bundesliga-Heimsieg gegen Leverkusen, jetzt steht sie bei drei innerhalb von 16 Monaten. 2015 gewann Gladbach das "Spiel um Platz drei" mit 3:0, im Mai das "Spiel um Platz vier" mit 2:1 und nun eben den furiosen Saisonauftakt mit 2:1. Immer noch darf Bayer stolz behaupten, acht der vergangenen zehn Bundesligaspiele gewonnen zu haben – die einzigen Niederlagen gab es im Borussia-Park.

Dahoud hinten dran

Ein Pferdekuss hat Tony Jantschke um die Spitzenposition gebracht. Da der Verteidiger in der Halbzeit raus musste, führt Christoph Kramer vor der Länderspielpause in der Einsatzminuten-Statistik. Sieben Borussen haben mindestens drei Viertel der möglichen Zeit auf dem Platz gestanden:

  • 329 Minuten: Kramer
  • 297 Minuten: Jantschke
  • 296 Minuten: Raffael
  • 270 Minuten: Sommer, Christensen, Elvedi, Wendt

Vier der insgesamt 19 eingesetzten Profis waren dagegen in den ersten vier Spielen ein wenig hinten dran. Bei Ersatztorwart Tobias Sippel ist das logisch, für Mo Dahoud ist es eher enttäuschend:

  • 90 Minuten: Sippel, Hofmann
  • 95 Minuten: Dahoud
  • 108 Minuten: Korb
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