| 12.59 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Viel mehr Arbeit als für Herbert Laumen

Borussia Mönchengladbach muss sich alle Punkte hart erarbeiten
Happy End auch auf der Anzeigetafel im Borussia-Park. FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Ein Elfmetertor von Hazard sichert ein 2:1 gegen Hannover und eine zufriedenstellende Bilanz nach sieben Spielen. Doch Borussia stand kurz davor, 1:2 zu verlieren. Von Jannik Sorgatz

Die Bundesliga pflegt ihre Folklore. Dazu zählt nach jedem Spieltag die akribische Aufzählung, was in dieser Form noch nie, zum ersten Mal, erstmals seit langer Zeit oder schon seit langer Zeit nicht mehr passiert ist. Dass sich Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 am 30. September trafen, weckte deshalb Erinnerungen an ein Duell exakt 50 Jahre zuvor: Herbert Laumen erzielte beim Gladbacher 5:1-Erfolg in der dritten, sechsten und neunten Minute einen Hattrick, der immer noch der früheste der Liga-Geschichte ist.

Die Erinnerungen an Laumens Leistung existieren in Schwarz-Weiß. Die aktuellen Bilder gab es in hoher Auflösung. Vor 50.000 Zuschauern im Borussia-Park und ein paar Hunderttausend in aller Welt drückte Schiedsrichter Christian Dingert in der 92. Minute seinen Zeigefinger aufs Ohr – ist ja doch etwas laut, wenn per Headset spielentscheidende Fragen mit einem Kollegen in Köln zu klären sind. Dingert hatte auf Elfmeter entschieden, nach einer Grätsche von Hannovers Salif Sané gegen Gladbachs Vincenzo Grifo.

"Hallo! Ruhig!", war von den Lippen des Schiedsrichters abzulesen, während ihn die Spieler beider Mannschaften umlagerten. 75 Sekunden nach seinem Pfiff malte Dingert einen imaginären Bildschirm in die Luft und entschied sich, zusätzlich zum Video-Fernbeweis den eigenen Augen eine TV-Wiederholung zu gönnen. 45 Sekunden später bestätigte er seine erste Entscheidung, noch einmal 26 Sekunden später lag der Ball im Tor, von Thorgan Hazard zum 2:1 hineingeschossen. "Es dauerte lange, bis ich schießen durfte, aber am Ende war es ein Tor und nur das ist wichtig", sagte der Belgier.

Kurz danach war Schluss, und alle Beobachter durften mit dem Gefühl nach Hause gehen, eine neue Art des Nervenkitzels erlebt zu haben. Mit dem Prozedere waren beide Trainer zufrieden. "Das Schiedsrichtergespann hat heute alles richtig gemacht und alle Möglichkeiten ausgeschöpft", sagte Hannovers André Breitenreiter. Sein Kollege Dieter Hecking hielt ein längeres Plädoyer, auch wenn es nichts auszusetzen gab. "Wir haben uns entschieden, den Videobeweis ein Jahr zu testen. Dass das nicht immer alles glatt läuft, ist für mich normal", sagte er. "Aber wenn wir jedes Wochenende neu Druck aufbauen, dann wird das nichts."

Dass beide Seiten auch das sportliche Geschehen zufrieden analysierten, konnte dagegen nicht als gute Nachricht für die Bundesliga notiert werden. Denn dem 2:1 wohnte eine gewisse Willkür inne, die typisch geworden ist. Alle drei Tore fielen durch Standards, in einer ansehnlicheren zweiten Halbzeit nach einer dürftigen ersten. Für ein vertretbares 1:2 hätte Hannovers Martin Harnik in der 87. Minute sorgen müssen, er traf aus drei Metern aber nur die Latte des leeren Tores. "Da sieht man, wie eng alles beisammen ist", sagte Breitenreiter. Während der Fußball durch den Videobeweis gerechter werden soll, wirkt die Drei-Punkte-Regel in zahlreichen Spielen unfair.

"Wir sind vorne dabei und haben gegen fünf der acht besten Mannschaften gespielt. Elf Punkte nach sieben Spielen sind gut. Guckt auf die Tabelle", sagte Hecking. Seiner Forderung wird Breitenreiter gerne nachkommen, Hannover hat trotz der ersten Saisonniederlage zwölf Punkte. "Jetzt wird regeneriert, und in 14 Tagen geht es genau so weiter", sagte der Trainer.

Borussia wiederum tritt dann bei noch sieglosen Bremern an. Ein zweiter Sieg in Folge wäre nötig, um richtig anzukommen in der Saison. Ansonsten bliebe es ein Wechselbad, das Heckings Team indes mit der Hälfte der Konkurrenz verbindet. "Man sieht jedes Wochenende, wie hart man sich alles erarbeiten muss", sagte Hecking. Nicht einmal beim Elfmeter hat es Gladbach gegen Hannover leicht gehabt.

 
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