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Analyse zum Saisonstart
Borussia muss wacher sein

Einzelkritik: Abwehr wackelt – Angriff zu harmlos
Einzelkritik: Abwehr wackelt – Angriff zu harmlos FOTO: dpa, pg hpl
Mönchengladbach. Es gibt ein paar Tendenzen im Staate Borussia, die nicht sonderlich gut sind. Eine ist, dass sich Eintracht Frankfurt ein wenig zum Angstgegner entwickelt, zumindest seit der vergangenen Saison. Von Karsten Kellermann

Gab es in der Spielzeit davor noch zwei haushohe Siege mit insgesamt 8:1 Toren, so herrscht inzwischen eher flaute gegen die Hessen: Zweimal 0:0, einmal 1:1 mit einem verlorenen Elfmeterschießen im Pokal-Halbfinale und nun dieses 0:1, das auch richtig weh tut. Denn mit einem Heimsieg wollten sich die Borussen "im grünen Bereich" einnisten - durch die Niederlage jedoch leuchtet mindestens dezent die rote Alarmleuchte.

Denn die letzten drei Halbzeiten waren wahrlich nicht prächtig: In der einen wurde in Augsburg die 2:1-Führung verspielt, in der zweiten den Frankfurtern die Basis für den Sieg erlaubt und in der dritten war es zu wenig spielerischer Glanz, um das wettzumachen. Nach den ersten drei wirklich guten Halbzeiten also (beide gegen Köln, die erste in Augsburg) ist der Trend negativ. Und ausgerechnet bei den blitzschnellen Leipzigern müssen die Borussen ihn stoppen am Samstag. Das ist mal eine Aufgabe.

Dabei darf sich keinesfalls eine zweite Tendenz fortsetzen, die in den Spielen in Augsburg und Frankfurt offenbar wurde: die Anfangsmüdigkeit der Borussen. In Augsburg gab es nach 35 Sekunden das 0:1, gegen Frankfurt verhinderte nur das Ungeschick von Kevin-Prince Boateng das 0:1 nach 41 Sekunden. Keine Viertelstunde später führte der Gegner dann doch - auch das darf als früher Rückstand einsortiert werden.

Gerade der Start war oft ein Privileg der Borussen, wie Kapitän Lars Stindl feststellte. So gesehen haben Augsburg und Frankfurt die Gladbacher in den vergangenen beiden Spielen mit den eigenen Mitteln zu packen bekommen. Gerade gegen solche auf Kompaktheit ausgerichteten Teams sind frühe Rückstände Gift. Denn wer 0:1 zurückliegt, braucht mindestens zwei Tore um zu siegen. Frankfurt hatte die Anfangs-Aufmüpfigkeit bereits im Pokalspiel im April erfolgreich vorgeführt, nun zog der Ansatz zum zweiten Mal. In beiden Fällen war Borussia allzu beeindruckt. Erneut ging also der Plan von Nico Kovac besser auf als der von Dieter Hecking.

Dessen Lehrplan für die kommende Woche ist jedenfalls pickepacke voll: Die Steigerung von Kreativität und Effektivität im Angriff wird darauf zu finden sein - und ein Ansatz gegen die Schlafmützigkeit. Das hat vielleicht auch mit der richtigen Einstellung zu tun, aber auch mit dem Selbstvertrauen, einem Gegner zu zeigen, wer Herr auf dem Platz ist.

Sicherlich liegen den Gladbachern spielstarke Gegner wie Leipzig besser als die der robusten Art wie Augsburg und Frankfurt. Doch ist ein Ur-Prinzip von Ralph Hasenhüttl die Überfalltaktik - und er wird sich Frankfurts Ansatz genau angeschaut haben.Die Borussen müssen von der ersten Sekunde an voll da sein, sonst wird es erneut ein böses Erwachen geben. Führt Leipzig, kann es sein brutales Konterspiel aufziehen. Also Borussia, aus der Tendenz darf kein Trend werden: Wacher sein, sonst wird der Start in die Saison, der sich mit dem Derbysieg so gut anließ, verpennt. 

Quelle: RP
 
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