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Nach Pokal-Aus
Borussia muss wieder mehr nehmen als geben

Pressestimmen: "Gladbachs Elfer-Depp der Pokalheld"
Pressestimmen: "Gladbachs Elfer-Depp der Pokalheld" FOTO: dpa, jai scg
Meinung | Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach hat in den vergangenen drei Spielen viele Geschenke verteilt. Im Bundesliga-Endspurt kann sie sich das nicht mehr leisten. Von Karsten Kellermann

Es darf gewettet werden: Wenn er schon im nächsten Jahr an seiner Ankündigung zu messen wäre, würde Borussias Sportdirektor Max Eberl das sofort unterschreiben. Beim nächsten Pokalhalbfinale wolle er nicht dabei sein, sagte Eberl am Dienstag. Viermal kam Borussia in die Vorschlussrunde, seit er 1999 nach Gladbach kam, und viermal schied sie aus. Zumindest 2001 trug er aktiv dazu bei, als er einen Elfmeter verschoss bei Union Berlin. 2004 in Aachen war er nicht im Team und 2012 sowie jetzt gegen Frankfurt war er als Manager nur Beobachter. Als solcher hatte er nur herzlich wenig Einfluss auf das Geschehen auf dem Rasen.

Dort setzte sich ein Trend fort, den die Borussen möglichst schnell abstellen müssen: das Gegentor in den ersten 15 Minuten. Dreimal in Folge gab es das nun, zuerst in Hoffenheim (9. Minute), dann gegen Dortmund (10.) und Frankfurt (15.). Wobei die Gladbacher gegen die Eintracht froh sein konnten, dass es nur diesen einen Treffer der Gäste gab angesichts der gewaltigen Unordnung in der ersten Halbzeit.

Aus dem Hang, dem Gegner zu viele Möglichkeiten zu geben, resultiert ein zweiter Trend: Borussia hat Nehmerqualitäten. In Hoffenheim kam sie von 0:2 auf 2:2 zurück, gegen den BVB drehte sie ein 0:1 in ein 2:1 um und gegen Frankfurt glich sie den Rückstand aus. Dazu bedarf es aber eines großen Kraftaufwandes, den man sich sparen könnte, wenn es die frühen Gegentore nicht geben würde. Zumal diese Kräfte dann am Ende fehlten, wenn es darum ging, sich für die Aufholjagden auch zu belohnen: Alle drei Spiele hatten kein gutes Ende. Auch das muss Heckings Team schnell wieder ändern, wenn Europa ein Thema bleiben soll. Denn es müssen jetzt definitiv Ergebnisse her.

Dabei kommt es vor allem auf den Start an. Am Samstag in Mainz geht es vielleicht schon um alles. Wird verloren, ist das Thema Europa wohl endgültig durch. Nach dem verlorenen Halbfinale gibt es also gleich ein Endspiel. Parallel zum Rennen um Europa wird es schon erste Analysen geben – mit Leitfragen wie: Welche Spielertypen fehlen? Warum gibt es so viele Verletzte (insgesamt 280 verpasste Spiele)?

Der von Eberl am Sonntag formulierte Eindruck, dass einer fehlt, der das Heft in die Hand nimmt, verstärkte sich gegen Frankfurt – und auch, dass einer im Strafraum fehlt, der Rabatz macht und die Gabe hat, aus wenig viel zu machen vor dem Tor. Einen Boss und einen Torjäger - das wünschen sich denn auch viele Fans für die neue Saison. Beim Werben um die neuen Männer, die Borussia braucht, wäre das Thema Europa indes hilfreich. Was im Halbfinale gegen die Eintracht nicht gelang, wollen die Borussen, so haben sie angekündigt, in der Liga nachholen: Sie wollen es erzwingen. Und so lange die Chance besteht, sollten sie auch dran glauben und darum kämpfen. Wichtig ist, in den letzten vier Spielen mehr zu nehmen als zu geben.

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Quelle: RP
 
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