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Borussia Mönchengladbach
Nach dem Schmerz ist vor den Bayern

Borussia Mönchengladbach: Nach dem Schmerz ist vor Bayern München
Borussias Andreas Christensen nach dem Europa-League-Aus gegen Schalke. FOTO: rtr, DE/DE/
Mönchengladbach. Verloren hat Borussia das Europa-League-Rückspiel gegen den FC Schalke offiziell nicht, dafür aber mindestens zwei weitere Spieler: Christoph Kramer wird lange fehlen, Fabian Johnson fällt auch aus. Jetzt gilt der Fokus der Liga. Von Jannik Sorgatz

Die Überraschung hielt sich in Grenzen. Aus naheliegenden Gründen war diesmal auch wenig Empörung zu spüren. Zu erwähnen, dass kein Gladbacher Spieler für die kommenden Spiele des DFB-Teams nominiert worden ist, erfüllt also lediglich die Chronistenpflicht. Vor einer Woche war die Lage noch etwas anders. Es wäre nicht abwegig gewesen, Lars Stindl und Christoph Kramer im erweiterten Joachim-Löw-Kreis zu sehen. Doch dann meldete sich der eine vor dem Hamburg-Spiel mit Hüftproblemen ab, während der andere im Schalke-Spiel einen Innenbandteilriss im Knie erlitt und bis Ende April, Anfang Mai ausfallen wird.

Mo Dahouds Nominierungen für die U 21 waren den Borussia-Anhängern in der Vergangenheit oft ein Trost. Doch auch der 21-Jährige hat das 2:2 gegen Schalke nicht unbeschadet überstanden. Sein Einsatz morgen (17.30 Uhr) gegen den FC Bayern ist aufgrund von Oberschenkelproblemen fraglich. Bis auf Weiteres fällt Fabian Johnson (Muskelfaserriss) aus, was auch eine Nachricht für US-Nationaltrainer Bruce Arena ist. Auch Belgiens Coach Roberto Martinez musste sich nicht groß mit Thorgan Hazard beschäftigen, den weiterhin Probleme mit dem Schienbeinköpfchen außer Gefecht setzen. Hazard zitterte mit Ibrahima Traoré auf der Tribüne, womit dann auch alle verletzten Gladbacher mit Stammspieler-Potenzial genannt wären.

Borussias Trainer Dieter Hecking hätte also vor dem Duell mit den Bayern in eine Wir-treten-besser-gar-nicht-an-Stimmung verfallen können, doch davon war der 52-Jährige weit entfernt - nur 14 Stunden nach dem bitteren Aus in der Europa League. "Da gibt es kein Wehklagen von mir. Jetzt bekommen andere eine Chance", sagte er. Eine glatte Acht auf der Verletztenskala wäre nah dran am Negativrekord in dieser an Blessuren reichen Saison. Zudem konnte der Gegner unter der Woche die maximale Teilnehmerzahl am Teamtraining vermelden. Selbst nach Douglas Costas kurzfristigem Ausfall reisen die Münchner annähernd in Bestbesetzung an.

Nicht nur deshalb hat das Duell der beiden besten Rückrundenteams aus Gladbacher Sicht weder die Charakteristik der vergangenen Wochen noch steht es stellvertretend für das, was in der Endphase der Saison noch kommt. Für hängende Köpfe am Tag nach dem tragischen Abend gegen Schalke hatte Hecking Verständnis. "Aber es gehört zum Fußball dazu, dass man Niederlagen schnell verarbeiten muss. Wenn wir gegen Bayern die Enttäuschung noch mit uns herumtragen, dann wird es kein einfacher Nachmittag", sagte er und hofft, dass das Momentum wieder etwas mehr auf der Seite seiner Mannschaft sein wird: "Das haben wir zuletzt leider nicht gehabt, vorher haben wir es gehabt. Aber es gleicht sich eben doch alles irgendwie aus."

Deshalb müssen die Borussen ihr bewährtes Credo ("von Spiel zu Spiel") mit der Betrachtung des großen Ganzen kombinieren. "Oben werden vier Mannschaften die Plätze ausspielen, unten sind zwei doch dem Abstieg sehr nah. Und dazwischen hast du zwölf, die sich in alle Richtungen bewegen können. Es ist sehr dicht geworden", fasste Manager Max Eberl die Ausgangslage in der Liga zusammen. Nie seit Einführung der Drei-Punkte-Regel waren der Sechste und der 16. näher beisammen. "Ich möchte nicht noch irgendwo reinrutschen", sagte Eberl. "Deshalb gilt es für uns, weiter zu punkten, um stabil zu bleiben - gerade gegen Mannschaften, die auf den internationalen Plätzen sind." Bayern ist der Auftakt der letzten zehn Spieltage, an denen Borussia noch auf sechs der derzeit acht vor ihr platzierten Vereine trifft.

Nach dem "Borexit" in Europa gibt es neue Realitäten, auch wenn es nach der Länderspielpause mit einer Englischen Woche - gegen Frankfurt, Hertha, Köln - weitergeht. "Wir haben diesen Rhythmus sehr gut bewältigt, und gegen Ajax wären wir gerne anstelle von Schalke angetreten", sagte Hecking. Zwei Chancen hat Borussia noch, auch in der nächsten Saison internationale Duelle zu absolvieren. Der Endspurt beginnt morgen mit der national größtmöglichen Aufgabe.

Quelle: RP
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