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Borussia Mönchengladbach
Borussia scheitert am Juve-Bollwerk und verpasst Achtelfinale

Einzelkritik: Dahoud bester Borusse
Einzelkritik: Dahoud bester Borusse FOTO: dpa, fg hpl
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach hat den ersten Champions-League-Sieg seiner Geschichte einmal mehr verpasst. Trotz einer vor allem in der ersten Hälfte mitreißenden Leistung hieß es am Ende gegen Juventus Turin 1:1. Die Borussen bleiben damit zwar Letzter ihrer Gruppe, machten aber trotzdem im Rennen um Platz drei gegen den FC Sevilla Boden gut. Gegen die Andalusier geht es am 25. November im nächsten Heimspiel noch um den Einzug in die Europa League. Das Aus in der Königsklasse ist besiegelt. Von Stefan Klüttermann

Die ganz besondere Atmosphäre eines Champions-League-Abends bei ihrer Borussia, die ließ auch Hannelore Kraft nicht kalt. Und so schmetterte auch die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen vor dem Anpfiff – über die Videoleinwand sichtbar – aus voller Kehle von der Tribüne aus die Gladbacher Nationalhymne "Die Elf vom Niederrhein". Für die SPD-Landesmutter, wie für alle anderen ob der Siegesserie der vergangenen Wochen total enthusiastischen Borussen-Fans, ging der Spaß damit erst einmal richtig los. Denn die Hausherren legten gegen den Vorjahresfinalisten der Königsklasse los wie die Feuerwehr.

Es dürfte jedenfalls nicht oft vorkommen im Laufe einer Saison, dass man als Beobachter einer Mannschaft attestieren kann, Juventus Turin phasenweise den Schneid abgekauft zu haben – also dem Juventus Turin, das gemeinhin als Inbegriff von Cleverness sowie Aggressivität am Rande des Erlaubten gilt. Doch genau das gelang André Schuberts Mannschaft: Sie drückte den Italienern in der ersten halben Stunde ihr schnelles Umschaltspiel auf, dass die Gäste in vielen Situationen nicht wussten, wie ihnen geschah, wenn die Borussen den Ballführenden meist in Überzahl attackierten und so viele Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte verzeichneten.

Der Lattenkracher von Gladbachs Mittelfeldtalent Mo Dahoud taugte zum Startschuss für die Phase, in der der bekennende Borussia-Sympathisant Gianluigi Buffon im Juve-Tor die Bälle fast im Minutentakt auf sich zuflogen sah: Ibrahima Traoré, Havard Nordtveit, Granit Xhaka – sie alle droschen den Ball aus der Distanz scharf und gefährlich in Richtung Tor. In diesen Fällen ging es aus Sicht der Italiener noch gut, aber als Fabian Johnson abzog, konnte Buffon dem Ball einfach nur noch hinterher gucken, denn der Versuch schlug flach im linken Toreck ein. Raffael legte handlungsschnell quer, nachdem Giorgio Chiellini ein Luftloch getreten hatte.

Doch Juve wäre nicht Juve, wenn es zwingend eine berauschende Leistung bräuchte, um seinerseits Zählbares auf die Anzeigetafel zu bringen und ins Spiel zurückzufinden. So war es auch diesmal: Kurz vor der Pause fand Turins Stratege Paul Pogba den Schweizer Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner, und der schoss den Ball volley an seinem Landsmann Yann Sommer im Gladbacher Tor vorbei zum 1:1 ins Netz. Die Borussen hatten ein wenig dem horrenden Anfangstempo Tribut zahlen müssen und die ganz in rosa agierenden Gäste sich so besser sortieren können.

Just als es schien, dass die Borussen an diesem Gegentor nachhaltig zu knabbern hätten und Juve nun vor allem über seine Lufthoheit zunehmend die Oberhand gewinnen würde, dezimierten sich die Italiener selbst: Angreifer Hernanes sah nach einem Tritt mit offener Sohle gegen Borussias Verteidiger Alvaro Dominguez die Rote Karte. Gladbach blieben gut 40 Minuten in Überzahl für den ersten Sieg in der Champions League. Johnson hätte sein Team ein zweites Mal an diesem Abend in Führung bringen können, aber sein Linksschuss strich knapp über die Querlatte.

Es entwickelte sich bis in die Schlussphase hinein dann auch eine Art Handball-Spiel, in dem die Borussia um den Strafraum der Gäste herum kombinierte. Aber Italiener können eben Catenaccio, und Juve im Speziellen machte die Räume zu. Einmal kam Borussia doch durch, doch Buffon hielt Lars Stindls Kopfball aus kurzer Distanz. Das hätte das 2:1 sein können, ja vielleicht müssen. Aber es war es eben nicht.

(seeg/RP)
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