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Borussia Mönchengladbach
Neustart im abgesicherten Modus

So erzielte der BVB seine drei Tore
So erzielte der BVB seine drei Tore FOTO: dpa, rwe
Mönchengladbach. Dass sich das Gleichgewicht in Borussias Spiel stärker zur Offensive verschoben hat, war erst ein Segen, längst aber schafft es auch das größte Problem: fehlende Abstimmung und Absicherung in der Defensive. Hoffnung macht: Das Problem ist zu offensichtlich, um es nicht beheben zu können. Von Stefan Klüttermann

Nutzer des Betriebsprogramms Windows kennen ihn: den Neustart im abgesicherten Modus. Also den Betriebsmodus, der bei der Suche nach Fehlern zum Einsatz kommt, die den normalen Ablauf des Systems beeinträchtigen. Borussia geht in den vergangenen Spielen, und vor allem nach dem 1:3 gegen Dortmund, prächtig als Windows-Software durch, die eines Neustarts bedarf. Eben eines Neustarts im defensiv abgesicherten Modus. Ein Schnitt von drei Gegentoren über die zurückliegenden acht Pflichtspiele ist zu hoch, um ihn über individuelle Fehler erklären zu können. Es geht ums System als Ganzes.

Dieses System, besser gesagt, die Modifizierung des Lucien-Favre-Systems, die André Schubert im September eingeführt hatte, tat Borussia gut. Weil das offensivere, höhere Spiel einer im Saisonstart ängstlich-passiven Borussia die Rolle des Agierenden zurückbrachte. Das neue System fußt dabei auf drei Elementen: 1) einem stärker mannorientierten Gegenpressing, 2) einem Verschieben des Mannschaftsverbundes nach vorne und dabei vor allem 3) einer deutlich offensiveren Rolle der Außenverteidiger. Doch was die drei Elemente an positiver Wirkung in der Offensive entfachen, ging zuletzt immer mehr unter gegenüber dem Schaden für die Defensive. "Allgemein habe ich das Gefühl, dass das Gleichgewicht immer stärker zur Offensive verschoben wird, was dem Team nicht immer gut tut", findet auch Taktik-Experte Tobias Escher vom Portal "spielverlagerung.de".

Gladbach - Dortmund: Einzelkritik FOTO: dpa, gki

Borussia fängt sich ungewöhnlich viele Gegentreffer, weil sie 1) den Moment für einen Abbruch des Gegenpressing zugunsten eines Rückzugs in eine geordnete Formation zu oft nicht findet und 2) die Absicherung fehlt, wenn sowohl beide zentralen Mittelfeldspieler als auch beide Außenverteidiger mit nach vorne laufen. Das 0:2 am Samstag war geradezu ein Musterbeispiel für letzteres Problem.

Borussia Mönchengladbach: Scorerliste der Saison 2015/16 FOTO: ap

Während Schubert bereits kundtat, das Abwägen zwischen Gegenpressing und Rückzugsverhalten sei ein zentraler Trainingsschwerpunkt, ist spätestens seit dem Dortmund-Spiel ein zweiter hinzugekommen, nämlich die Frage: Wer sichert eigentlich ab? In einem System mit bewusst hoch stehenden Außenverteidigern gibt es dazu zwei Möglichkeiten. Als Sascha Lewandowski 2012 in Leverkusen ein 4-3-2-1-System mit den hohen Außenverteidigern Dani Carvajal rechts (heute Real Madrid) und Sebastian Boenisch/Michal Kadlec links einführte, war es die Aufgabe der beiden Mittelfeldspieler auf den Halbpositionen, ihre jeweiligen Außenverteidiger in der Umschaltbewegung abzusichern.

Das kann bei Borussia offensichtlich nicht der Plan sein, schließlich besitzt man in Mo Dahoud, Granit Xhaka und Havard Nordtveit bewusst drei Favre-Spielertypen, die lange Läufe nach vorne mitmachen sollen. Bleibt also Option zwei, und die sähe eben vor, dass nur einer der beiden Außenverteidiger mitgeht, also Oscar Wendt oder Julian Korb, und der andere einrückt, um mit den beiden Innenverteidigern dem Gegner im möglichen Konter eine Dreierkette entgegenzusetzen. Wenn indes - wie gegen Dortmund - beide Außenverteidiger mitstürmen, ist Borussia offen wie ein Scheunentor.

Was Hoffnung auf Besserung macht: Die Defensivprobleme liegen zu klar auf der Hand, um sie als Team mit der taktischen Qualität Borussias nicht beheben zu können.

Quelle: RP
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