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Borussia Mönchengladbach
Elvedi schießt Borussia zum Derbysieg

Gladbach - Köln: die Bilder des Spiels
Gladbach - Köln: die Bilder des Spiels FOTO: dpa, pg wst
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach ist in der Bundesliga perfekt in die Saison gestartet. Zum Abschluss des 1. Spieltags gewann die Borussia das Derby gegen den 1. FC Köln. Nico Elvedi erzielte beim 1:0-Erfolg das Siegtor. Von Karsten Kellermann

Es war ein hitziges, emotionales rheinisches Derby. Aber eines ohne Gewalt. Vielmehr war am frühen Sonntagabend im Borussia-Park festzustellen, dass rivalisierende Fangruppen derzeit tatsächlich dem Motto folgen: "In den Farben getrennt, in der Sache vereint." Denn als die derzeit üblichen Prostest-Noten wider den Deutschen Fußball-Bund und den Kommerz im Fußball generell im XXL-Format im Norden und Süden der Mönchengladbacher Fußballarena entrollt wurden, war der Wortlaut nahezu gleichlautend. Hernach gab es den üblichen Gesangs-Wettstreit, in dem beide Fangemeinden zurückkehrten in den Normal-Modus namens Rivalität, dies jedoch in einer Ausprägung, die mit "gesund" beschrieben werden darf.

Sportlich indes waren es die Borussen, die deutlich im Vorteil waren gegen den Europapokal-Teilnehmer. Darum war der 1:0-Sieg durch das Tor von Nico Elvedi hoch verdient. Köln begann zwar forsch, doch das Team von Dieter Hecking wirkte reifer in der Spielanlage und erarbeitete sich durch individuelle Qualitäten insbesondere über die Flügel (Ibo Traoré, Thorgan Hazard) Vorteile. Es gab einige gute Chancen, doch die blieben zunächst mal ungenutzt, unter anderem verpasste Confed-Cup-Held Lars Stindl zweimal in aussichtsreicher Position. So blieben die mehr als 60 Prozent Ballbesitz der Borussen folgenlos in der ersten Halbzeit. Auch, weil Timo Horn im FC-Tor nicht nur bei Hazards frühem Versuch und Raffaels Drehschuss (42.) richtig und gut reagierte. Und weil Hazard nach Traorés Flanke den Kopfball zu hoch ansetzte (44.).

Fotos: Fans protestieren beim Derby gegen DFB FOTO: Dirk Päffgen

Köln stand tief und wartete auf geeignete Kontergelegenheiten. Die beste hatte Kölns "neuer" Modeste, Jhon Cordoba. Doch er schoss nach einem langen Solo in der 32. Minute über das Tor. Es war einer von zwei Torschüssen der Gäste vor der Pause, Gladbach kam auf derer 13. Diese Statistik wie auch die der Zweikämpfe (58 Prozent pro Gladbach) änderte nichts am torlosen Spiel. Das ließ zur Pause die Spekulation zu, dass die Dramaturgie dieses Derbys entweder ein ähnliches Erlebnis wie in der Vorsaison, als es trotz großer Überlegenheit ein 1:2 gegen Köln gab, vorsah – oder vielleicht doch ein Heldenepos mit dem soeben zurückgeholten Stürmer Raúl Bobadilla als Hauptdarsteller. Der 30-Jährige war jedenfalls gleich im Kader.

Doch der Fußball dachte sich eine ganz andere Story aus. Nach 49 Minuten schoss Traoré, der zu den Besten gehörte, von links den Ball quer durch den Strafraum und am langen Pfosten war Nico Elvedi, der junge Verteidiger, zur Stelle und schob den Ball ins Tor. Nie zuvor hatte Elvedi in einem Pflichtspiel für Gladbach getroffen. Dass er im Gegenzug dem einschussbereiten Cordoba in letzter Sekunde den Ball vom Fuß grätschte, rundete seine große Minute an diesem Sonntag ab. Stindl, Raffael, Hazard, Traoré und und und. Doch wer Elvedi als Torschützen vorausgesagt hatte für das Spiel, der dürfte gute Quoten zu erwarten gehabt haben.

"Für den ersten Spieltag haben wir ein gutes Bundesligaspiel gesehen, es war ein rassiges Derby. Ich hätte mir angesichts der guten Chancen schon gewünscht, dass wir das 2:0 machen", sagte Hecking. "Aber wir hatten auch Szenen, die hinten Schwerstarbeit waren. Um die 70. Minute hatte wir ein kleines Loch, das hat Köln auch gemerkt. Aber uns hat ausgezeichnet, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollten. Nico Elvedis Grätsche nach dem 1:0 war da für mich exemplarisch, die Szene des Spiels."

Dass dem Treffer eine großartige Kombination aus der Tiefe des Raumes vorausging, unterstrich die fußballerische Ambition, mit der Gladbach unterwegs war. Und Verteidiger-Tore aus dem Spiel heraus stehen allgemeinhin für Unberechenbarkeit. Das sind zwei Erkenntnisse, die Borussia mitnimmt aus dem ersten Saisonspiel. Einzig die generelle Chancenverwertung war ein Manko. Denn so blieb das Derby angesichts einer zarten Kölner Schlussoffensive bei zu passiven Borussen spannend bis zum Schluss. Im Angesicht der Niederlage zündelten die Kölner Fans dann doch noch, aber es half dem eigenen Team nichts mehr, die Geschichte des Spiels blieb, wie sie war: Der Mann des Tages war Nico Elvedi.

 
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