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Startelf-Debüt gegen Bayern 2015
Auf Elvedi kann Hecking nur noch schwer verzichten

Borussia Mönchengladbach: Nico Elvedi ist kaum noch verzichtbar
Neuauflage am Samstag? Nico Elvedi (rechts) im Zweikampf mit Bayerns Kingsley Coman am 5. Dezember 2015. Borussia gewann 3:1. FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Nico Elvedi wurde vor zwei Jahren gegen den FC Bayern ins kalte Wasser geworfen. Das Startelf-Debüt gegen den Rekordmeister überstand er unbeschadet - und hat sich seitdem kontinuierlich gesteigert. Von Jannik Sorgatz

Wenn eine Stunde vor einem Bundesligaspiel die Aufstellung verkündet wird, sind die Spieler zunächst nach Rückennummern geordnet. Sie in die richtige Reihenfolge zu bringen, von hinten nach vorne, von rechts nach links, ist in der Regel eine leichte Übung. Doch am 5. Dezember 2015 herrschte um 14.30 Uhr große Verwirrung im Borussia-Park. So richtig ging es nicht auf, und das lag am Namen Nico Elvedi.

Der damals 19-Jährige stand erstmals in der Startelf. In den Wochen zuvor war er zwar immer näher herangerückt an die Mannschaft. Dass Trainer André Schubert ihn ausgerechnet gegen den FC Bayern erstmals von Beginn an brachte, kam jedoch einer Sensation gleich. Gepaart mit der zweiten des Nachmittages ging die Rechnung plötztlich auch auf: Schubert schickte Borussia gegen den Rekordmeister in einem 3-5-2 auf den Rasen, mit Elvedi als rechtem Part der Dreierkette neben Andreas Christensen und Havard Nordtveit.

In der Vorwoche bei 1899 Hoffenheim war die Variante schon zehn Minuten lang ausprobiert worden, Elvedi brachte den Kollegen bei seiner Einwechslung einen Erklärzettel auf den Rasen, in der 87. Minute gelang Borussia noch das 3:3. Trotzdem schwante den meisten Beobachtern nichts Gutes vor dem Anpfiff gegen die Bayern, die mit einer Rekordserie von 13 Siegen in den 14 Saisonspielen angereist waren. 45 Minuten musste Elvedi kämpfen und gefühlt 67 Duelle mit Kingsley Coman überstehen. Als Borussia glücklich mit einem 0:0 in die Kabine ging, fragte Schubert sein Team, ob es mit der Dreierkette weitermachen wollte. Es wollte – und gewann am Ende 3:1.

Elvedi hat den Nachmittag überstanden und kann inzwischen auf 73 Pflichtspiele für Borussia zurückblicken. Lucien Favre, der im Sommer 2015 Trainer war, als Elvedi für vier Millionen Euro vom FC Zürich kam, wäre stolz angesichts der Vielseitigkeit des 21-Jährigen in der Defensive. Besonders Schubert mutete ihm dort jede denkbare Position zu, bei dessen Nachfolger Dieter Hecking ist es bis auf seltene Ausnahmen die des Rechtsverteidigers.

Dieter Hecking verteilt großes Lob

"Vom ersten Tag an habe ich gedacht: Das ist ein richtig Guter", sagt Hecking. "Nico ist immer ein bisschen unter dem Radar geflogen. Er war anfangs ja auch verletzt, als ich kam." Deshalb war zunächst Tony Jantschke hinten rechts gesetzt, seitdem sieht der Trainer einen "tollen Zweikampf unterschiedlichster Prägung", den er so beschreibt: "Tony steht für das Rustikale und Unangenehme, Nico schwingt die feinere Klinge. Im Spiel nach vorne kommt er immer besser zur Geltung, ist an Toren beteiligt."

Auf einen Treffer und zwei Vorlagen kommt der Schweizer Nationalspieler seit Saisonbeginn, vorher waren es gerade einmal zwei Vorlagen – eine davon in der berauschenden zweiten Halbzeit beim Startelf-Debüt gegen die Bayern. Hecking lässt keine Zweifel daran, dass er mit Elvedis Entwicklung hochzufrieden ist. "Er nimmt aktiver am Spiel teil und lässt sich nicht mehr so leicht verunsichern", sagt der 53-Jährige. "In der Rückrunde ist er nach Ballverlusten noch etwas zusammengesackt, jetzt ist er sofort wieder bereit, den Fehler auszubügeln, wenn ihm mal einer unterläuft." Tatsächlich sind es weniger geworden. Früher war immer mal wieder ein Aussetzer der Kategorie "haarsträubend" dabei.

Als Jannik Vestergaard zuletzt im DFB-Pokal eine Pause bekam und Matthias Ginter in der Bundesliga als Sechser aushelfen musste, rückte Elvedi in die Innenverteidigung und überzeugte. Wenn die Aufstellung am 25. November 2017 um 17.30 Uhr kommt, sprich morgen, dürfte die Sache eindeutig sein: die Nummer 30, Nico Elvedi, hinten rechts in einer Viererkette. Und wenn sie in Gladbach noch länger Freude an ihm haben wollen, müsste bald ein anderes Thema auf die Tagesordnung: Ende Juni 2019 läuft sein Vertrag aus. Längst könnte ein Vielfaches der vier Millionen aufgerufen werden, für die Elvedi mit 18 Jahren kam. "Ich denke, dass er noch Luft nach oben hat. Aber er hat auch schon etwas Luft weggenommen", sagt Hecking.

 

 
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