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Nico Elvedi im Interview
"Ein Hardcore-Typ werde ich nicht mehr"

Borussia Mönchengladbach: Nico Elvedi wird "kein  Hardcore-Typ mehr"
Nico Elvedi im Zweikampf mit Leipzigs Timo Werner. FOTO: dpa, woi hak
Mönchengladbach. Nico Elvedi geht mit 20 Jahren bereits in seine vierte Profisaison – und die erste ohne Europapokal. Internationalen Fußball will er dafür gerne im Sommer 2018 bei der WM in Russland erleben. Von K. Kellermann und J.sorgatz

Im Interview mit unserer Redaktion spricht der Schweizer über Ziele für seine dritte Saison bei Borussia und erzählt, von wem er sich etwas abschauen kann als Verteidiger.

Sie haben offenbar die nächste Stufe erreicht: Im Training gehören Sie nicht mehr zu den Jüngsten und müssen keine Sachen mehr tragen.

Elvedi Das stimmt. Ich wollte heute schon Material zusammenräumen, da habe ich mich umgeschaut und gemerkt: Eigentlich sind genug jüngere Spieler da.

Gibt es feste Einteilungen, wer was trägt?

Elvedi Nein, wenn wir rausgehen, stehen die Sachen immer da. Ich nehme auch noch etwas mit, nur aufräumen muss ich jetzt anscheinend nicht mehr.

Sie gehen mit 20 Jahren in Ihre vierte Saison als Profi. Stehen Sie vor dem berühmten nächsten Schritt?

Elvedi Ich habe meine Erfahrungen gesammelt hier. Vor zwei Jahren hatte ich keine großen Erwartungen, als ich kam. Das ist jetzt schon ein wenig anders.

Den Durchbruch haben Sie rechts in der Dreierkette geschafft, Dieter Hecking sieht sie nun rechts in der Viererkette. Wo sehen Sie sich?

Elvedi Ob rechter Innenverteidiger oder außen, ist egal. Hinten rechts habe ich vergangene Saison viele Spiele gemacht und fühle mich wohl.

Die Einführung der Dreierkette unter André Schubert war Ihr großes Glück, da wurden Sie in die Bundesliga gespült. Aber auch mit einer Viererkette sind Sie gut im Geschäft. Was ist der Anspruch für die neue Saison?

Elvedi Ich möchte spielen, weiß aber, dass die Konkurrenz noch größer geworden ist. Wir hatten viele Verletzte, da kam es vor, dass es fast keine Konkurrenz gab. Ich muss mich erstmal beweisen, von alleine kommt nichts.

Sie hatten auch einige Wehwehchen. Hing das mit der Belastung zusammen oder war es einfach Pech?

Elvedi Verletzungen gehören im Fußball dazu. Bei mir kamen sie nicht bei einer einzelnen Bewegung, sondern haben sich eher aufgebaut, wie die Schambeinentzündung Anfang des Jahres. In erster Linie war das Pech. Aber ich bin jetzt beschwerdefrei.

Borussia hat 17- und 18-Jährige verpflichtet. Wo sehen Sie sich in der Altersstruktur?

Elvedi Vom Alter her gehöre ich zweifellos noch zu den Jüngeren, aber ich bin weiter, was die Erfahrung angeht. Da versuche ich natürlich auch, mal ein paar Tipps zu geben. Französisch spreche ich zwar nicht, aber Englisch klappt ganz gut. Da übersetzt man schon mal ein paar Anweisungen für die Neuen. Es ist natürlich schwer, wenn du mit 18 kommst und die Sprache nicht sprichst. Das war es sogar bei mir, obwohl ich Deutsch kann.

Denis Zakaria stößt am Montag zur Mannschaft. Nachdem Djibril Sow weg ist, füllt er das Schweizer Kontingent wieder auf. Er ist noch ein paar Monate jünger als Sie.

Elvedi Ich kenne ihn von der Nationalmannschaft, auch in der U-Nationalmannschaft haben wir zusammen gespielt. Er ist ein guter Spieler. Ich bin froh, dass er diesen Schritt gemacht hat, und habe ein gutes Gefühl, dass er sich hier durchsetzen wird.

Kann man ihn mit Granit Xhaka vergleichen?

Elvedi Von der Spielweise her ein bisschen, er ist wie Granit eher ein defensiver Spieler, ist sehr dynamisch und zweikampfstark. Nach vorne setzt er aber auch Akzente und hat einen guten Schuss. Die gleichen Leaderqualitäten bringt er mit 20 vielleicht noch nicht mit, aber so etwas muss sich ja entwickeln.

Was passt so gut zwischen Schweizern und Gladbach?

Elvedi Der Verein setzt auch sehr auf junge Spieler, da leisten Borussia und die Schweiz jeweils gute Arbeit. Für gute Schweizer ist die Bundesliga der logische nächste Schritt und kann ein Sprungbrett sein, die Premier League ist sicher oft eine Nummer zu groß.

Im Trainingslager gibt es ein Wiedersehen mit Lucien Favre. Macht man sich als heutiger Borussia-Spieler noch viele Gedanken, dass er einen großen Anteil hatte an den Erfolgen der vergangenen Jahre?

Elvedi Bei mir war er ein Hauptgrund bei meinem Wechsel. Leider habe ich ihn nicht lange als Trainer hier erlebt. Die Philosophie mit den Schweizern hat er in Gladbach aufgebaut. Sein Ruf ist sehr gut, weil er viel mit jungen Spielern arbeitet und sehr detailverliebt ist.

Nach ihm kam André Schubert, der Sie besonders gefördert hat, dann Dieter Hecking. Spieler vergleichen nicht gerne ihre Trainer, aber was ist Hecking für ein Typ?

Elvedi Er spricht besonders viel mit den Spielern, das ist super. Gerade als junger Profi wünscht man sich, dass er mal zu dir kommt und sagt, was man verbessern kann.

Werden Sie lieber gelobt oder wollen Sie knallhart aufgezeigt bekommen, was noch besser werden muss?

Elvedi Beides, würde ich sagen. Sicherlich muss man mich ab und an etwas aufwecken, damit ich voll da bin. Genauso gerne höre ich aber auch Lob nach einem guten Spiel.

Die Rolle hinten rechts lässt sich sehr unterschiedlich interpretieren. Tony Jantschke ist eher defensiv, fast ein Innenverteidiger auf außen. Dann gibt es Typen, die mehr als Außenstürmer agieren. Wie sehen Sie sich?

Elvedi Ich denke, das hat man in den letzten Spielen gesehen. An der Torproduktion könnte ich mich noch mehr beteiligen. Vergangene Saison hatte ich keinen Assist und kein Tor, das will ich natürlich verbessern. Hinten gilt es natürlich, sicher zu stehen, keine Gegentore zu verschulden.

Beschäftigt Sie so eine Szene wie gegen Wolfsburg am vorletzten Spieltag länger? Da hat Sie Mario Gomez sehr schlecht aussehen lassen.

Elvedi Bei mir ist das relativ schnell abgehakt. Nach dem Spiel wird so etwas analysiert, aber solche Szenen trage ich maximal einen Tag mit mir herum.

Nach guten Auftritten heben Sie nicht ab und von schlechten lassen Sie sich nicht runterziehen?

Elvedi Genau. Ich bin schon ein bodenständiger Typ, sowohl auf als auch neben dem Platz.

Nächstes Jahr findet die WM in Russland statt. Für die Schweiz sieht es in der Qualigruppe mit Europameister Portugal sehr gut aus, in der Weltrangliste ist sie Fünfter. Sie sind regelmäßig im Kader. Da muss die WM-Teilnahme das Ziel sein, oder?

Elvedi Klar, aber erst einmal muss ich hier meine Spiele machen. Dann werden die Chancen in der Nationalmannschaft schon kommen.

Ist es ein Vorteil oder ein Nachteil, in der kommenden Saison nicht international zu spielen?

Elvedi Das kann man so oder so sehen. Für die Bundesliga ist es sicherlich gut, unter der Woche keine Spiele zu haben. Aber es war natürlich unser Ziel, wieder nach Europa zu kommen, weil man dort so wichtige Erfahrungen sammelt.

Gibt es einen Verteidiger, den sie als Vorbild bezeichnen würden?

Elvedi Sergio Ramos.

Und welchen Außenverteidiger?

Elvedi Dani Alves hat mich immer beeindruckt.

Sergio Ramos und Dani Alves zählen auf jeden Fall zu den "Bad Boys". Ist es das vielleicht, was Sie sich noch vornehmen können? Mehr aus sich herauszugehen?

Elvedi Da kann ich sicherlich noch zulegen. Ich denke aber nicht, dass ich ein totaler Hardcore-Typ werde.

Von Dani Alves müssten Sie sich die Torgefahr abschauen.

Elvedi Da fehlt mir sicher noch etwas, ein wenig die letzte Überzeugung, der letzte Pass. Ich muss auch mehr schießen.

Quelle: RP
 
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