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Borussias Linksverteidiger
Wendt fehlt ein echter Konkurrent

Das ist Oscar Wendt
Das ist Oscar Wendt FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Der Schwede Oscar Wendt spielt bei Borussia Mönchengladbach immer. Alternativen hinten links drängen sich entweder nicht auf, sind verletzt oder verkauft. Von Jannik Sorgatz

Für Dortmunds Marcel Schmelzer war es vor fünf Jahren eine verbale Ohrfeige. "In der Bundesliga gibt es gerade außen links ganz, ganz wenige Alternativen, und ich kann sie mir auch nicht schnitzen", sagte Bundestrainer Joachim Löw, nachdem Schmelzer enttäuscht hatte im DFB-Trikot. Ende 2017 sieht es deutlich besser aus, wenngleich die Position des Linksverteidigers die einzige ist, auf der kein deutscher Spieler Weltklasse verkörpert.

Gestern feierte Marcel Halstenberg (Leipzig) sein Debüt gegen England, ebenfalls dabei ist Marvin Plattenhardt (Hertha), Jonas Hector (Köln) fehlt verletzt. In der U 21 musste am Donnerstag Philipp Ochs (Hoffenheim) hinten links aushelfen, weil er dort schon mal im Verein gespielt hatte. Seine Vorgänger hießen Jeremy Toljan (Dortmund) und Yannick Gerhardt (Wolfsburg), seine Vor-Vorgänger Christian Günter (Freiburg) und Nico Schulz (Hoffenheim).

Letzterer spielte 2015 bei der U 21-EM im linken Mittelfeld und wechselte dann von Hertha BSC nach Gladbach. Eben jenes vorgezogene Einsatzgebiet war einer der Gründe, warum er im Sommer keine Zukunft am Niederrhein hatte. Einen Linksverteidiger mit Offensivdrang haben sie bei Borussia seit 2011: Oscar Wendt. "Wenn ich einen Kader nur für die Bundesliga und den DFB-Pokal plane, macht es keinen Sinn, auf 26 Profis zu setzen, die alle den Anspruch haben, Stammspieler zu werden", erklärt Sportdirektor Max Eberl unserer Redaktion.

Schulz war einer der Profis mit Ansprüchen, dem sie bei Borussia keine Einsatzzeit garantieren konnten. Also durfte der 24-Jährige nach Hoffenheim wechseln, auch weil Eberl nach eigenem Bekunden noch "gutes Geld" mit dem für vier Millionen Euro verpflichteten Profi verdienen konnte. "Das ist es, was ich meine, wenn ich sage, dass wir ohne Transfereinnahmen nicht mal eben 30, 40 Millionen Euro investieren können", erklärt Eberl. "Wir brauchten das Geld, um Spieler wie Denis Zakaria, Matthias Ginter und Vincenzo Grifo zu finanzieren."

Diskussionen um Borussias Platzhirsch hinten links sind indes nicht neu. Schon 2013 legte sich Wendt mit Fans auf der Ostgeraden im Borussia-Park an und zeigte eine abfällige Geste, nachdem sie ihn ausgepfiffen hatten. Für eine große Fraktion ist der Vize-Kapitän dagegen ein Spieler mit Kult-Potenzial. Davon zeugt der Oscar-Wendt-Song, dessen Anfangszeile den Fokus auf die große Stärke des Schweden legt: "Wer ist's, der links nach vorne rennt? Oscar, Oscar Wendt!" Eberl nimmt natürlich wahr, dass Wendts Spielstil polarisiert. "Ich finde aber, man schießt sich da auf Oscar ein. Er hat schon richtig gute Spiele gemacht in dieser Saison, auch defensiv", betont der Manager.

Nachdem Schulz weg war, wurde offen kommuniziert, dass Fabian Johnson als Ersatz hinten links eingeplant ist. "Natürlich spiele ich da, wenn ich gebraucht werde", sagt der US-Amerikaner unserer Redaktion. "Ich sehe mich nach wie vor links im Mittelfeld. Aber letztendlich entscheidet das der Trainer." 51 seiner 97 Spiele für Hoffenheim hat er links in der Viererkette gemacht, 23 von 57 Länderspielen für die USA. In Gladbach ist nur eines von 119 Spielen dort notiert, in einer Fünferkette. Insofern war Johnsons Auftritt als Wendt-Ersatz im Testspiel gegen Bielefeld am Mittwoch eine Ausnahme. Wendt - 32 Jahre alt und im Dauereinsatz - durfte sich ausruhen, vor Johnson spielte Grifo.

Trainer Dieter Hecking beantwortet die Johnson-Frage diplomatisch: "Wer in der amerikanischen Nationalmannschaft auf allerhöchstem Niveau hinten links in der Viererkette spielen kann, der sollte das auch in der Bundesliga können." Auch wenn Wendt (Notenschnitt 3,8) sich schwankend präsentiert, durfte er bis auf acht Minuten gegen Frankfurt durchspielen - da sollte eine Dreierkette den Ausgleich bringen. Die defensiv ausgerichtete Alternative, die meist vergessen wird, ist noch lange nicht wieder bereit: Mamadou Doucouré arbeitet nach wie vor in der Reha. Immerhin soll die Rückkehr ins Mannschaftstraining bevorstehen. Auch hier hilft Schnitzerei genauso wenig weiter wie einst bei Löw, sondern einzig und allein Geduld.

Quelle: RP
 
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