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Borussia Mönchengladbach
Herrmann ist der erste 200er seit Frontzeck

Borussia Mönchengladbach: Patrick Herrmann feiert 200. Bundesligaspiel
Patrick Herrmann im Zweikampf mit Augsburgs Alfred Finnbogason. FOTO: dpa, puc nic
Mönchengladbach. Patrick Herrmann steht für die Kontinuität, die Borussia in den vergangenen Jahren stark gemacht hat. Beim 2:2 in Augsburg feierte er ein Jubiläum, das seit 18 Jahren kein Gladbacher mehr gefeiert hatte. Von Jannik Sorgatz

Die Größen der Vergangenheit werden bei diesem Thema vielleicht die Augen verdrehen, so wie sie das manchmal tun, wenn von Facebook-Posts oder Schambeinentzündungen die Rede ist – alles eine andere Welt. Das 200. Bundesligaspiel absolvierte man früher bei entsprechender Gesundheit am Ende der sechsten oder zu Beginn der siebten Profisaison, natürlich im selben Verein. Wie lang das letzte Jubiläum dieser Art bei Borussia her war, verdeutlicht der Name des Mannes, der es am 27. Februar 1999 feierte: Michael Frontzeck.

Der spielte zwischendurch in Stuttgart, Manchester und Freiburg, beendete bald darauf seine Karriere, wurde Co-Trainer in Gladbach, Trainer in Aachen und Bielefeld, und bescherte auf seiner dritten Station bei Borussia am 16. Januar 2010 einem damals 18-Jährigen sein Debüt: Patrick Herrmann. Am Samstag beim 2:2 in Augsburg hat der nun sein 200. Bundesligaspiel für Gladbach gemacht, mehr als 18 Jahre nach Frontzeck.

Entsprechend stolz sagte Herrmann (ist den modernen Zeiten entsprechend bei Facebook und hatte mal eine Schambeinentzündung): "Die Zahl bedeutet mir sehr viel, vor allem weil ich alle für Borussia gemacht habe. Das können nicht viele Spieler vorweisen." Sein Debüt feierte er einst gegen den VfL Bochum als Einwechselspieler, Rekorde hat Herrmann seitdem als Auswechselspieler aufgestellt: 2013/2014 musste er in 34 Spielen 29-mal vorzeitig vom Platz. Früher Schluss, in der 65. Minute, war auch im Jubiläumsspiel gegen Augsburg. Es war die 121. Auswechslung, Vereinsrekord ausgebaut. Dahinter folgen Christian Hochstätter mit 90 Auswechslungen und Peter Wynhoff mit 66.

Dabei hatte es bislang eher den Anschein, als würde Herrmann sich bald auch bei den Einwechslungen an die Spitze setzen. Er ist derzeit die Nummer zwölf im Kader. Im Derby gegen den 1. FC Köln kam er zum 55. Mal als Joker, vor ihm liegen Branimir Hrgota und Martin Max (je 56) und Hans-Jörg Criens (61). Vermutlich wäre es auch gegen Augsburg so gelaufen, wenn nicht Ibrahima Traoré muskuläre Probleme gehabt hätte. "Wir haben morgens nochmal alles probiert, aber es hätte keinen Sinn gemacht. Das Risiko einer Muskelverletzung war zu groß", sagte Trainer Dieter Hecking. "Patrick hat es offensiv sehr gut gemacht. Manchmal war er mit etwas zu weit innen unterwegs, das haben wir korrigiert." Das Abweichen vom Plan brachte Herrmann in der 30. Minute in eine so gute Schussposition, dass Augsburgs Torwart Marwin Hitz zwar noch abwehren konnte, aber Oscar Wendt im Nachsetzen mit dem Kopf erfolgreich war – ein Assist für den Jubilar. "Wir haben keine Doppelbelastung. Deshalb war es gut, dass ich mal von Beginn an randurfte", sagte Herrmann.

In der Augsburger Druckphase, die direkt nach der Pause begann und erst durch den Abpfiff beendet wurde, war er deutlich unauffälliger. Von der Bank beobachtete Herrmann dann, wie Sergio Córdova in der 89. Minute das 2:2 erzielte. "Wir haben zu wenig Ballbesitz gehabt, das spielte Augsburg in die Karten", sagte er. Es wäre der erste Bundesligasieg in Augsburg gewesen, der erste Doppelsieg zum Start seit 1995, am Ende blieb Herrmann, der es zum sechsten Mal vergeblich beim FCA versuchte, nur das eigene Jubiläum. Doch er will wiederkommen: "Gerade dann hat man speziell Lust, das Ruder herumzureißen." Sein aktueller Vertrag gewährt ihm Stand jetzt noch einen Versuch, Ende Juni 2019 läuft er aus.

Erst das Verletzungspech der vergangenen beiden Jahre hat Herrmann vom Auswechsel- zum Einwechselspieler gemacht, der 200. Einsatz war sozusagen überfällig. Der 26-Jährige steht stellvertretend für die Kontinuität, die sich nach dem Wiederaufstieg 2008 langsam andeutete, unter Michael Frontzeck zunahm und schließlich unter Lucien Favre zur Vereinsidentität wurde. Zwölf Spieler haben in dieser Zeit 100 Ligaspiele gemacht für Borussia, sechs 150 – aber nur einer 200. Direkt vor Herrmann in der Rekordspieler-Liste steht Winnie Schäfer mit 210 Spielen. Und dann kommt Frontzeck, mit 213.

 
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