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Borussia Mönchengladbach
Das Vorzeige-Fohlen

Das ist Patrick Herrmann
Das ist Patrick Herrmann FOTO: afp, agz
Mönchengladbach. Eigengewächs Patrick Herrmann machte in der Vorsaison einen gewaltigen Entwicklungsschritt. Jetzt will er bestätigen, was er gezeigt hat und träumt von der EM. Und er will die Nachwuchskräfte, die jetzt vor dem Durchbruch stehen, führen. Von Karsten Kellermann

Julian Korb hatte etwas herausgefunden. Patrick Herrmann solle unbedingt mal bei Fifa Soccer mit Deutschland spielen, riet der Rechtsverteidiger seinem Kollegen aus der Abteilung Attacke. Herrmann knipste später die Konsole an, wählte das DFB-Team und staunte: Sein Name stand in der deutschen Startelf. "Das war schon ein tolles Gefühl", sagt Herrmann.

In der Realität, das weiß er indes, "ist es sicherlich anders". Zweimal hat er nach der vergangenen Saison für Deutschland gespielt, und das auch sehr ordentlich, doch "wir haben gerade auf meiner Position viele starke Spieler", sagt Borussias Rechtsaußen.

Borussen schuften für Saisonstart FOTO: Dirk Päffgen

Seine Playstation-Nominierung nimmt er als Ansporn, sich in Gladbach richtig reinzuhängen. Denn er träumt von der Europameisterschaft im nächsten Jahr in Frankreich, und der Weg dahin führt nur über herausragende Leistungen im Verein. "Ich will mich zeigen", sagt er.

Im zweiten Teil der vergangenen Saison hat er das getan. Acht Tore erzielte er nach der Winterpause, und zusammen mit den drei Treffern der Hinrunde pulverisierte er seinen bisherigen Torrekord von sechs pro Spielzeit. "So viele Tore wie nie und dann das i-Tüpfelchen mit der Nationalmannschaft - es war ein wichtiges Jahr für mich", resümiert Herrmann. Er war am Ende der abgelaufenen Spielzeit das Vorzeige-Fohlen. Ein Eigengewächs, das für Furore sorgt.

Herrmann gehört zu einer ganzen Riege selbst gemachter Spieler im Borussen-Kader. Auch Tony Jantschke und Julian Korb sind wichtige Mosaiksteine im Plan von Trainer Lucien Favre. Jantschke als vielseitiger Defensivallrounder, Korb als verlässlicher Rechtsverteidiger. "Ich bin nun im achten Jahr in Gladbach und habe den Sprung geschafft. Ich bin hier Profi geworden und jetzt Nationalspieler", sagt Herrmann. Er will mehr - mit Gladbach. Darum hat er seinen Vertrag langfristig verlängert. Auch Jantschke, dem Sportdirektor Max Eberl zutraut, bald auch zum Nationalteam zu gehören, hat einen langfristigen Kontrakt. "Tony und ich haben hier fast alles mitgemacht. Den Fast-Abstieg, die Relegation, die Rückkehr nach Europa. Es ist toll, ein Teil von der Entwicklung zu sein. Und es hat mit Identifikation zu tun", sagt Herrmann.

Vor der vergangenen Saison sah es zunächst nicht danach aus, dass ausgerechnet Herrmann eines der wesentlichen Gesichter des Erfolgs werden würde. Denn am Anfang spielte er gar nicht. "Aber gerade das war wohl wichtig für meine Entwicklung", vermutet er. Herrmann kämpfte um seinen Platz im Team, eroberte ihn zurück und spielte grandios: zielstrebiger, abgezockter, disziplinierter. "Es war ein wichtiger Entwicklungsschritt", sagt er. Nun fühlt er sich bereit mit seinen 24 Jahren und 162 Bundesligaspielen Führungsaufgaben zu übernehmen.

Borussia: Stranzl und Mlapa außen vor – auf ihre Art FOTO: Dirk Päffgen

Führen will er auch die jungen Männer, die ihn als Vorzeigefohlen der neuen Saison nachfolgen könnten. Mo Dahoud (19), den Mittelfeld-Boss Granit Xhaka zuletzt mit einer ausführlichen Eloge adelte, und Marvin Schulz (20), auf den Lucien Favre große Stücke hält, haben eine ganz starke Vorbereitung absolviert. Sie stehen nun im Verdacht, beim Pokalspiel am Montag beim FC St. Pauli vielleicht zur Startelf zu gehören und in dieser Saison den Durchbruch zu schaffen.

Auf Herrmann wartet derweil die nächste Herausforderung. Er muss bestätigen, was er in der vergangenen Saison geboten hat. "Das wird nicht leicht. Es fängt wieder bei null an, für jeden. Aber der Trainer weiß, was ich kann", sagt er. Er hat sich in der Vorbereitung positioniert, vieles deutet darauf hin, dass er mit Ibrahima Traoré zunächst mal das Flügelduo bilden wird.

Herrmann freut sich auf die Saison. Und auf die Champions League. Da kann er sich auf höchster europäischer Ebene beweisen. Er hat auf der Playstation schon mal vorgefühlt gegen die Top-Klubs Europas. Er hat mit Gladbach gegen den AC Mailand gespielt und knapp gewonnen. Er macht aber nicht den Fehler, daraus Rückschlüsse auf die Realität zu ziehen. Siehe oben. "Wir wollen einfach gute Leistungen abliefern in der Liga, im Pokal und in der Champions League. Der Rest kommt dann von selbst", sagt Herrmann.

Quelle: RP
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