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Borussia Mönchengladbach
Patrick Herrmann ist wieder da

Das ist Patrick Herrmann
Das ist Patrick Herrmann FOTO: afp, agz
Kassel. Borussias Angreifer, der zuletzt verletzungsbedingt eine Trainingspause hatte einlegen müssen, traf Mittwoch beim 6:1 in Kassel zweimal. Von Karsten Kellermann

Oh ja, der Name des Borussen-Trainers wurde gestern Abend schon mit einiger Ehrfurcht ausgesprochen, als der Mann am Mikrofon des Auestadions in Kassel ihn sagte. "André Schubert", das klang wie: Einer von uns, der es geschafft hat. Einer von uns, der jetzt im ganz großen Fußball unterwegs ist. Schubert, der gebürtige Kassler, der in der Saison 2013/2014 dem KSV Hessen Kassel in misslicher Lage geholfen hatte, sorgte nun als Gladbachs Trainer für "Bundesliga-Atmosphäre in Kassel". So stand es auf dem Stadionheft zum "Testspiel des Jahres" gegen die Gladbacher.

Dass Schubert, der Heimkehrer, rund um das Testspiel viele wohl gemeinte Worte zu hören bekam, versteht sich. "Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit André Schubert. Für ihn führte der Weg in die Champions League also bereits im letzten Jahr erfolgreich über Kassel" , notierte der Aufsichtsratsvorsitzender des KSV, Matthias Hartmann, im Heft zum Spiel. "Dir lieber André und Deiner Fohlenelf wünscht der KSV viel Erfolg für die kommende Saison", fügte er hinzu.

Schubert, der "Star aus Nordhessen", mithin der erste Bundesligatrainer, der aus Kassel stammt und an der ortsansässigen Uni Sport und Germanistik studierte, lächelte ausgiebig gestern, blieb ansonsten aber wie gewohnt gelassen. Er war aus beruflichen Gründen in die Heimat gekommen, um erneute Erkenntnisse zu sammeln zum Stand der Dinge seines Teams, das den Job gegen den Regionalligisten mit dem 6:1 standesgemäß erledigte. Was er im ersten Durchgang sah, waren einige Unsicherheiten im Defensivspiel, was dem Gastgeber über das Tor hinaus weitere Chancen erlaubte. Vorn präsentierte sich ein starker Djibril Sow, der nach blitzsauber getimten Pässen von Nico Elvedi und Raffael zweimal eiskalt blieb und die 2:0-Führung herstellte.

Gutes Timing - das gab es in der kurzen gemeinsamen Geschichte von Hessen Kassel und Borussia nicht immer. 1986 - soeben war Kassels damaliger Spielmacher Dirk Bakalorz nach Gladbach gewechselt - ergab die Auslosung der ersten Pokalrunde das "Traumlos Borussia" für den KSV. Doch wurde die Auslosung annulliert, weil die Loskugel der Stuttgarter Kickers unter den Tisch gefallen war und die Schwaben erfolgreich Protest einlegten. Die neue Ziehung brachte die beiden Klubs nicht mehr zusammen.

Das gestrige Treffen, das eine für solche Testspiele zuständige Agentur zuwege gebracht hat, wird Patrick Herrmann in guter Erinnerung behalten. Denn nach seinem Kurz-Comeback in Chemnitz spielte er gestern 64 Minuten (dann wechselte Schubert komplett) - und traf zweimal. Wer den 25-Jährigen kennt, weiß, dass er daraus viel Kraft ziehen kann nach der Pause wegen der Reizung am Schambein. Herrmann wollte die beiden Spiele nutzen, sich zu zeigen. Er hat es getan: mit den Toren, einem Pfostenschuss, mit schönen Dribblings. "Ich bin wieder da", hatte er zuletzt gesagt. In Kassel unterstrich er das.

Das war sicherlich auch eine der wesentlichsten Erkenntnisse für Schubert. "Nach vorne haben wir sechs Tore gemacht und weitere Chancen herausgespielt. Aber es kann nicht sein, dass wir gegen einen guten Regionalligisten wie Hessen Kassel so viele Gelegenheiten zulassen", fasste der Coach zusammen. Trotz der Nachlässigkeiten gab es den zweiten Sieg binnen 24 Stunden, und Siege sind immer gut fürs Ego. Mit diesem Gefühl ging es gleich nach dem Spiel per Charterflug heim nach Gladbach. Dort gibt es morgen eine weitere, ganz entscheidende Erkenntnis. Denn der Gegner für die Champions-League-Play-offs wird ausgelost. Und wenn es am Ende klappt mit dem zweiten Einzug in die Meisterliga in Folge, dann werden sie in Kassel sagen: Irgendwie hat Borussias Weg in die Champions League erneut über André Schuberts Heimatstadt geführt.

Quelle: RP
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