| 17.20 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Pokal-Pflicht gegen Drochtersen/Assel erfüllt dank Korbs 1:0

Fotos: Borussia übersteht erste Pokalrunde bei Drochtersen/Assel
Fotos: Borussia übersteht erste Pokalrunde bei Drochtersen/Assel FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. 13:1 gewann Borussia Mönchengladbach im Jahr 1992 ein Testspiel gegen die SV Drochtersen/Assel. Im DFB-Pokal ging es nun äußerst knapp zu – mit einem guten Ende für den Favoriten, auf das auch der Underdog stolz sein kann. Von Jannik Sorgatz

"Das ist schon nochmal eine andere Größenordnung als das Schützenfest", hatte ein örtlicher Ladenbesitzer vor dem Höhepunkt der Vereinsgeschichte der SV Drochtersen/Assel gesagt. Das zweite Schützenfest des Jahres in der 11.000-Einwohner-Gemeinde blieb jedoch aus. Für den gastgebenden Regionallisten ist die 0:1-Niederlage ein großer Erfolg, Bundesligist Borussia Mönchengladbach tat sich beim 1:0-Sieg sehr schwer.

Aber am Ende steht die Pflichterfüllung, verbunden mit dem Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals. "Wir mussten stets wachsam sein und es war viel Geduld gefordert", sagte Trainer André Schubert. Das Spiel war so schwer wie erwartet, umso wichtiger war es, den Gegner von Beginn an ernstzunehmen."

Schubert beförderte beinahe die gesamte vielbeachtete Bank aus dem Play-off-Spiel bei den Young Boys Bern in die Startelf – was bedeutete, dass die Bank in Drochtersen mit Stindl, Raffael, Christensen und Co. wieder sehr prominent besetzt war. So formierte sich zur Abwechslung ein 4-3-3 mit den Außenverteidigern Oscar Wendt und Julian Korb, mit Jannik Vestergaard und Tony Jantschke innen, mit dem Mittelfeld-Dreieck Kramer-Dahoud-Hofmann und der Offensivreihe Herrmann-Hahn-Traoré. Im Tor stand Tobias Sippel für Yann Sommer.

Die einzige nennenswerte Szene einer ereignisarmen Anfangsphase provozierte der Underdog. Nachdem Jonas Hofmann und André Hahn im eigenen Strafraum über den Ball getreten hatten, machte es ihnen der überraschte Drochterser Alexander Neumann nach. Tony Jantschke klärte per Hechtkopfball zur Ecke.

Borussias Ballbesitzquote bei 85 Prozent

Gut 3000 der 7000 Zuschauer im hohen Norden hielten es mit der Borussia. Von den Fans auf der mobilen Stahlrohrtribüne waren viele am Dienstag noch knapp 800 Kilometer weiter südlich in Bern gewesen und hatten als "weiße Wand von Wankdorf" imponiert. Jetzt sahen sie, wie ihre Mannschaft weder die Ballbesitzquote (konstant 85 Prozent) noch ihr Angriffsspiel variierte. In der 17. Minute schoss Ibrahima Traoré mit links ins linke Seitenaus. In der 19. Minute versuchte es Oliver Ioannou für Drochtersen/Assel frech aus 30 Metern. Dann orientierte er sich wieder zurück in eine der beiden Fünferketten.

Nach einer halben Stunde sorgte Hahn, der als sehr klassischer Mittelstürmer unterwegs war, mit seinem Schuss aus 20 Metern für etwas Gefahr. Doch schon im nächsten Angriff produzierte Jannik Vestergaard unfreiwillig eine symptomatischere Szene: Quasi in der Position des Spielmachers wusste der Innenverteidiger-Hüne nicht, was er mit dem Ball anfangen sollte. Also gab er ihn nach links, wo Wendt sich gedanklich jedoch auf Kajaktour in Schweden zu befinden schien. Zwei hohe Bälle sorgten vor der Pause für ein wenig Unordnung, dann ging es torlos in die Kabine. Der Drochterser Deich hielt, war aber auch kaum strapaziert worden.

In der Vorbereitung absolvierte die Borussia einige Spiele gegen Gegner dieses Kalibers. Ursprünglich wollte sich das Schubert-Team sicherlich mehr am 6:1 bei Hessen Kassel orientieren, doch es drohte ein zähes Geduldsspiel wie beim Chemnitzer FC, das Gladbach am Ende 1:0 gewann.

Damals beendete Raffael das Geduldsspiel in der Nachspielzeit, diesmal ging es deutlich schneller. In der 55. Minute scheiterte Hahn zunächst am stark parierenden Keeper Patrick Siefkes. Es blieb kaum Gelegenheit, der vergebenen Chance nachzutrauern. Denn Christoph Kramer flankte nach einer schönen Körpertäuschung von links, Korb rauschte am zweiten Pfosten heran und erzielte das erste Pokaltor seiner Karriere.

Borussia kontrolliert Drochtersen/Assel 

Es sah in der Folge agiler aus. Mo Dahoud fasste sich nun auch mal ein Herz aus der Distanz, hatte in der 64. Minute indes Feierabend. Für ihn kam Raffael, für Patrick Herrmann kam Raffael. Von der pattexartigen Ballsicherheit des Brasilianers profitierte die Borussia. Sie drückte auf das 2:0, wenn auch eher sanft. Gleichzeitig kam Drochtersen/Assel fast zu keinem gefährlichen Konter. 

Gladbach gestaltete die Schlussphase wie ein Top-Sprinter seinen 100-Meter-Vorlauf. Es stand weiter nur 1:0, aber dahinter steckte so viel Souveränität wie möglich. Erst in der 83. Minute wurde es noch einmal richtig gefährlich, als Wendt querlegte zu Raffael und der aus zwölf Metern am guten Drochterser Keeper Siefkes scheiterte.

Sein Gegenüber Sippel muss in der Nachspielzeit eingreifen und schnappte sich aufmerksam den Ball. Dann pfiff der Schiedsrichter ab. Borussia kann sich nach einem zähen Spiel erleichtert über die Stirn wischen und die unangenehme Pflicht abhaken. Drochtersen darf sich freuen über eine knappe Niederlage gegen einen Champions-League-Teilnehmer in spe. "Jedes Jahr gibt es in der ersten Runde mindestens einen Deppen", sagte Vorlagengeber Kramer, "der wollten wir auf keinen Fall sein."

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