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Borussia Mönchengladbach
Polizei: Wir identifizieren alle Randalierer

Fotos: Kölner Fans sorgen mit Platzsturm für Chaos
Fotos: Kölner Fans sorgen mit Platzsturm für Chaos FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Den Gladbacher Sicherheitsdienst trifft nach Einschätzung des Deutschen Fußball-Bundes keine Schuld am Chaos im Derby. Von Karsten Kellermann und Jan Schnettler

Die Mönchengladbacher Polizei ermittelt gegen die komplette Gruppe der Platzstürmer beim rheinischen Fußball-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln - wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs sowie Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Man sei sich sicher, anhand von Videoaufzeichnungen alle Täter identifizieren zu können, sagte ein Sprecher. Auch die Veröffentlichung von Nahaufnahmen der Randalierer auf der Internetseite des 1. FC Köln dürfte hilfreich sein.

Fotos: Kölner Fans zünden Bengalos beim Derby gegen Borussia FOTO: dpa, mjh nic

Und nicht zuletzt spielt den Ermittlern die Gedankenlosigkeit etlicher Täter in die Karten. Im sozialen Netzwerk Facebook tauchten gestern Fotos von bereits in weißen Anzügen verkleideten FC-Anhängern vor der Abfahrt nach Gladbach auf - mitsamt Namen und unter dem Motto "Auf geht's zur Schädlingsbekämpfung nach Kackbach".

Doch auch Gladbacher dürften ins Visier der Ermittler geraten. Bereits in der ARD-"Sportschau" am Samstag waren mit Schals vermummte Borussen-Anhänger zu erkennen, die am Spielfeldrand auf teils am Boden liegende oder von Ordnern fixierte Kölner einschlagen oder eintreten, im Internet kursieren davon etliche weitere Videos.

Den Ordnungsdienst von Borussia Mönchengladbach trifft nach Ansicht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) keine Schuld an den Vorkommnissen beim Derby. "Der Bericht des DFB-Sicherheitsbeauftragten bestätigt, dass der Ordnungsdienst mit ausreichender Mannstärke und Unterstützung der Gästeordner vorbildlich aufgestellt war", sagte Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers.

Pressestimmen: "Eine Horde Chaoten" FOTO: qvist /Shutterstock.com

Nach dem Schlusspfiff waren zehn Kölner über den Zaun geklettert und hatten das Panik-Tor zum Spielfeld geöffnet. Die Ordner, die am Tor postiert waren, wurden zuvor mit Böllern und bengalischen Feuern attackiert, sie wichen zurück. "Unsere Ordner werden einmal im Jahr geschult und auf Gefahrensituationen vorbereitet. Doch wenn Leib und Leben in Gefahr sind, gilt der Selbstschutz", sagte Ordnungsdienstleiter Volker Klüttermann. Der Ordnungsdienst hat keine rechtliche Handhabe, handgreiflich zu werden. So gelangten 30 bis 40 Kölner in den Innenraum.

Es handelte sich um Mitglieder der Kölner Ultra-Gruppierungen "Wilde Horde" und "Boyz". Möglicherweise hätten sie im Vorfeld am Stadionbesuch gehindert werden können. 400 Kölner versuchten heimlich, über Aachen anzureisen. Die Polizei bekam Wind davon und begleitete die Gruppe zum Stadion. Auf dem Weg dahin wurde schon Pyrotechnik gezündet, ein Polizist wurde verletzt. Fast alle Kölner trugen die weißen Overalls und viele von ihnen rot-weiße Wollmützen.

"Wir sprechen nicht über Fans, sondern über Straftäter", sagt Bernhard Nießen, Sicherheitschef im Borussia-Park. Dass Pyrotechnik ins Stadion gelangt, ist in letzter Konsequenz nicht zu verhindern, trotz des bei diesem Spiel aufgestellten Durchsuchungszeltes "Wir haben im Vorfeld der Partie einige Kilo Pyrotechnik sichergestellt. Aber bei den Kontrollen gibt es Grenzen. Wir dürfen keine Intimbereichskontrollen durchführen und genau an diesen Stellen wird die Pyrotechnik transportiert", sagt Nießen.

Fotos: Borussias Fans provozieren Kölner mit Choreografie vor Derby FOTO: Dirk Päffgen

Insgesamt waren 470 Ordnungskräfte im Borussia-Park. "Bemerkenswert ist, dass unsere Nordkurve trotz der Provokation besonnen geblieben ist. Das ist ein Ergebnis unseres Fan-Dialogs", sagte Stephan Schippers.

Quelle: RP
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