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Borussia hat noch Steigerungspotenzial
Qualität ist, die Qualität abzurufen

Borussia Mönchengladbach: Qualität ist, die Qualität abzurufen
Beim 3:1 gegen den Hamburger SV und Filip Kostic (mitte) wirbelten Borussias Thorgan Hazard (links) und Michael Cuisance bereits gemeinsam. FOTO: Imago
Mönchengladbach. Trotz Verletzungen gibt es bei Borussia Mönchengladbach einen breiten Kader. Das, und das, was bislang noch verpasst wurde, zeigen, welches Potenzial das Team hat. Von Karsten Kellermann

Das Derby der Borussen am Sonntag beim 1. FC Köln dürfte auch in London einige Aufmerksamkeit erregen. Granit Xhaka, 2015 als Siegtorschütze noch Derby-Held, ist zwar zeitgleich mit dem FC Arsenal beim AFC Bournemouth aktiv, wird sich aber danach sicher aus alter Verbundenheit über die Geschehnisse in Köln informieren.

Auch Reece Oxford wird genau hinschauen, was seine bisherigen und, wenn es nach Borussia und ihm geht, künftigen Kollegen treiben im ersten Rückrundenspiel. West Ham United hat den Defensivmann zurückbeordert. Doch gespielt hat er noch nicht, weswegen erstens davon auszugehen ist, dass er nicht auf der Insel bleiben wird. Und zweitens, dass er vielleicht bald wieder in Gladbach auftaucht.

"Ich hoffe, dass es kein utopisches Angebot mehr von einem anderen Verein geben wird. Dann hätten wir eine Chance, dass Reece zu uns zurückkommt", sagte Sportdirektor Max Eberl gestern. Kehrt Oxford zurück, dann aber wohl erneut als Leihspieler, denn die elf oder mehr Millionen Euro, die er wohl kosten würde, sind für Gladbach zu viel.

Die Rückkehr des jungen Mr. Oxford würde die Teenager-Fraktion der Borussen wieder auf den Stand der Hinrunde bringen. An deren Ende brachte Oxford seine Qualität ein. Nun fehlt er in der Breite des Kaders - ebenso wie weiterhin sechs verletzte Spieler: Raúl Bobadilla, Ibo Traoré, Fabian Johnson, Laszlo Bénes, Tobias Strobl und Mamadou Doucouré. Doch auch so ist viel Qualität drin, wo "Fohlenelf" draufsteht.

Der Blick auf die Ersatzbank beim Mainz-Spiel am Sonntag belegt diese These. In der 65. Minute standen Thorgan Hazard, Jonas Hofmann und Michael Cuisance an der Seitenlinie als Einwechselspieler bereit - es war sehr viel fußballerische Qualität, die in dem Moment reinkam. Zuvor hatte Hecking Erfahrung (Tony Jantschke) gebracht, danach wechselte er ambitionierte Jungspunde (Marcel Benger, Aaron Herzog, Louis Beyer) ein. Das demonstrierte alle Facetten dessen, was Borussia zu bieten hat. Und Raffael war nicht mal dabei, er wird erst heute wieder ins Teamtraining einsteigen.

Damit ist der "Maestro" in die finale Phase der Vorbereitung auf die Rückrunde involviert - und man darf gespannt sein, was die Borussen aus dem Rest der Saison machen. Die Tatsache, dass Teil 1 der Spielzeit aus Gladbacher Sicht zum "Ja, aber-Jahr" passte, ist angesichts der ungenutzten Gelegenheiten ärgerlich, doch gerade das, was Borussia nicht geschafft hat, ist ebenfalls ein Qualitätsmerkmal: Es hätten mehr sein können, als die 28 Punkte, mit denen das Team von Trainer Dieter Hecking in die Rückrunde geht - das zeigt, dass Borussia längst nicht alles vorhandene Potenzial ausgeschöpft hat.

In Mainz zeigten die Gladbacher weitgehend, dass sie bereit sind, den von Hecking geforderten "Schritt mehr" zu machen: Borussia dominierte das Geschehen, stand hinten sicher, spielte fein und effektiv nach vorn und erzielte ihre Tore jeweils zum sinnvollen Zeitpunkt (13., 44., 70.).

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Derart kann es auch was werden mit einem Erfolg im Derby. Der Test in Mainz kann aber nur bedingt ein Maßstab sein - denn die Kölner werden mit einer gewissen Wunder-Hoffnung weit unbequemer sein als die 05er, gerade im ersten Spiel. Nicht immer kam Borussia mit so etwas klar in dieser Saison. Die wichtigste Qualität ist, die vorhandene Qualität stets abzurufen. Nicht nur zwei Herren in London dürften gespannt sein, ob das in Köln und danach gelingt.

Quelle: RP
 
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