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Borussia Mönchengladbach
Rätsel um das verhinderte Borussen-Duell

Borussia Mönchengladbach: Rätsel um das verhinderte Borussen-Duell
Oscar Wendt kann machen, was er will: Auf eine Einladung des schwedischen Nationaltrainers Erik Hamrén wartet er vergeblich. FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Havard Nordtveit spielt mit Norwegen gegen Ungarn, Andreas Christensen gehört zum dänischen Aufgebot gegen Schweden. Dessen Trainer Erik Hamrén verzichtet auf Oscar Wendt. Das verwundert die Experten. Von Karsten Kellermann

Man darf vermuten, dass Erik Hamrén zu beneiden ist. Alle Welt sucht gute Linksverteidiger, doch Schwedens Nationaltrainer hat offenbar ein üppiges Überangebot. Das zumindest darf man annehmen, wenn ein Spieler wie Oscar Wendt nicht nominiert wird. Der Borusse ist Stammspieler bei einem deutschen Champions-League-Teilnehmer, er spielt Woche für Woche in einer der europäischen Top-Ligen – und das richtig gut. Doch immer wieder fehlt sein Name, wenn Hamrén die besten Fußballer seines Landes zusammenruft. Auch jetzt, bei den Play-offs für die EM 2016 gegen den Nachbarn Dänemark, ist es so.

Jan Lewenhagen ist ganz ehrlich. "Es ist mir ein Rätsel", sagt der Deutschland-Korrespondent der schwedischen Tageszeitung "Dagens Nyheter". "Darüber staunen alle Fußball-Experten in Schweden", sagt er. Warum es so ist, darüber wird viel spekuliert in Wendts Heimat. Dass es atmosphärische Störungen zwischen dem Borussen und Hamrén sein könnten, die eine Nominierung verhindern, verneint Wendt offiziell. Weil er mit guten Leistungen aber stets brauchbare Bewerbungen abgibt, kann es auch nicht an mangelnder Qualität liegen. "Alle Trainer sind anders", hat Wendt zuletzt lapidar festgestellt, als Hamrén Martin Olsson, der bei Norwich City kaum Spielpraxis hatte, spielen ließ.

Das ist Oscar Wendt FOTO: Dirk Päffgen

Gleichwohl geht es in den Play-offs auch um Wendts EM-Chance. Da der Borusse zum Dunstkreis des Schweden-Kaders gehört, wäre die da, trotz aller aktuellen Nominierungs-Seltsamkeiten – wenn sich Schweden in den Spielen am Samstag und am nächsten Dienstag durchsetzt. Wendt wird sich das Spiel ganz sicher im Fernsehen anschauen – und dabei ganz egoistisch sein, was einen Gladbacher Teamkameraden angeht. Denn zum dänischen Aufgebot gehört Borussias junger Innenverteidiger Andreas Christensen. Der will natürlich ebenso zur EM in Frankreich wie Havard Nordtveit, der dritte Gladbacher Skandinavier, der in den Play-offs aktiv ist. Nordtveit muss allerdings keinem Teamkollegen etwas missgönnen, seine Norweger bekommen es am Donnerstag und Sonntag mit Ungarn zu tun – und gehen durchaus als Favorit in diese beiden Spiele.

In Gladbach spielen alle drei

Bilder: Das ist Andreas Christensen FOTO: Dieter Wiechmann

Es kann also im besten Fall nur zwei EM-Skandinavier aus Gladbach geben. Nordtveit plus Christensen oder Nordtveit plus Wendt (entsprechende Nominierungen vorausgesetzt). In Gladbach war das zuletzt anders. Da setzte Trainer André Schubert in den letzten Spielen auf alle drei Nordländer zugleich: Nordtveit spielte rechter Verteidiger, Christensen links in der Innenverteidigung und Wendt, der keine Pflichtspielsekunde dieser Saison verpasst hat, hinten links.

Nordtveit ist wieder mehr im Fokus seit dem Trainerwechsel. Bei Lucien Favre spielte er kaum noch eine Rolle, André Schubert hingegen schätzt die Flexibilität des Defensiv-Experten: Nicht nur hinten rechts spielte er beim (Noch-) Interimstrainer, sondern auch im defensiven Zentrum und vor der Abwehr. Nordtveit blüht auf ob des neuen Vertrauens von Trainerseite: Er traf zum 2:0 gegen Wolfsburg und zum 4:1 in Berlin, in Frankfurt bereitete er zudem einen Treffer vor.

Das ist Havard Nordtveit FOTO: ap

Produktiv vor des Gegners Tor war auch Wendt. Er schoss in Berlin das 1:0. Auch das reichte aber nicht für eine Nominierung. Was er noch dafür tun muss, ist nicht nur ihm ein Rätsel. Gerade er wäre gern gegen die Dänen dabei gewesen, schließlich spielte er vor seinem Engagement bei Borussia beim FC Kopenhagen - und in dessen Stadion wird das Play-off-Rückspiel ausgetragen. "Es wäre toll gewesen, dabei zu sein, ich habe noch viele Freunde in Dänemark. In meiner Welt müsste ich dabei sein, aber leider bin es nicht ich, der entscheidet", sagte Wendt.

Das ist Erik Hamrén. Und der setzt auf andere. Morten Olsen hingegen, der dänische Trainer, hat ob seiner Bundesliga-Vergangenheit in Köln wohl eher ein Gespür für das, was in Gladbach vor sich geht. Er honorierte die starken Leistungen, die Andreas Christensen in den vergangenen Wochen zeigte, indem er den Borussen, der zuletzt noch zum dänischen U21-Aufgebot gehörte, nun zum A-Team einlud.

Quelle: RP
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