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Borussia Mönchengladbach
Optimist Raffael ist bereit für den Moment

Einzelkritik: Gladbachs Offensive enttäuscht in Wolfsburg
Einzelkritik: Gladbachs Offensive enttäuscht in Wolfsburg FOTO: afp, agz
Mönchengladbach. Borussias Brasilianer hat ein Produktivitätsproblem. In den für ihn speziellen Spielen gegen Hertha und Zürich will er wieder der Alte sein. Von Karsten Kellermann

Raffael schürzt die Unterlippe. Das macht Borussias Brasilianer immer, wenn er nachdenklich ist. Nein, er ist nicht zufrieden mit seiner bisherigen Bilanz. In der vergangenen Saison hatte er eine richtig gute Quote. 15 Tore schoss er insgesamt, sechs davon in den ersten 13 Spielen, zudem bereitete er vier Treffer vor in der Anfangsphase. Jetzt sind 13 Partien der aktuellen Spielzeit vorbei, und Raffaels Ausbeute ist diesmal deutlich magerer. Zwei Tore hat er in der Liga erzielt und eines vorbereitet, in der Europa-League hat er zwei Tore und drei Vorlagen fabriziert. Der 29-Jährige kann es besser.

Er war in seinem ersten Jahr bei Borussia der große Vordenker des Gladbacher Spiels. Als der Mann auf der Neuneinhalb war er zugleich ein Zehner, er war Ideengeber, Inspirator und Torschütze. 15 Treffer schaffte er, so viele wie nie vorher in seiner Karriere. Auch jetzt ist er bemüht, Impulse zu geben, ist viel unterwegs, hat oft den Ball und versucht, Ideen zu entwickeln. Doch der letzte Pass, die große Genialität, die traumwandlerische Sicherheit im Abschluss, all das geht ihm momentan ab.

Da auch Max Kruse, mit dem Raffael in der letzten Spielzeit ein so kongeniales Duo bildete, das an 46 der 59 Gladbacher Tore beteiligt war, in diesen Wochen schwächelt, sagt Trainer Lucien Favre: "Wir müssen vor allem in der Mitte mehr Durchschlagskraft haben." "Solche Phasen hat jeder Spieler, jetzt habe ich sie", sagt derweil Raffael. Er spricht leise wie immer. Das tut er, wenn es richtig gut läuft. Und auch jetzt, da er eine spürbare Leistungsdelle hat. Doch Raffael ist einer, der stets positiv denkt. "Ich versuche, schnell da raus zu kommen", versichert er. Das beste Heilmittel gegen Torlosigkeit sind Tore. Was das angeht, ist der Fußball verdammt einfach. Raffael traf in der vergangenen Woche in Villarreal. Doch so richtig hat ihn das nicht beflügelt, vielleicht, weil der spanische Torwart den Ball eigentlich halten musste. "Es war eine andere Geschichte", sagt Raffael daher. Er hat andere Ansprüche.

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Vor allem den, mit Borussia Erfolg zu haben. Der ist in der Bundesliga seit drei Spielen ausgeblieben. "Wir spielen nicht schlecht, kriegen aber zu einfache Tore und nutzen unsere Chancen nicht", sagt Raffael. Er und die anderen Borussen wollen schnell das tun, was der Trainer gefordert hat: "Wir wollen die Trendwende schaffen", sagte Favre im Gespräch mit der RP. Das soll in zwei Spielen mit besonderem Flair für den Trainer und Raffael passieren. Am Samstag kommt Hertha BSC Berlin, danach der FC Zürich in der Europa League. Favre holte Raffael einst als 18-Jährigen nach Zürich, dort wurden sie zweimal Meister, später arbeiteten sie erfolgreich in Berlin zusammen. Zwei Rendezvous mit dem "Ex" hintereinander also. "Es sind besondere Spiele", sagt Raffael. Für ihn persönlich sowieso, zumal sein Bruder Ronny für Hertha spielt. Doch für Bruderliebe ist kein Platz im Fußballgeschäft. Dass es auch Ronnys Hertha nicht sonderlich gut geht, spielt am Samstag keine Rolle für Raffael. "Das Spiel gegen Berlin ist für uns wichtig nach drei Niederlagen. Wir müssen gegen Hertha gewinnen", sagt Raffael.

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Am liebsten würde er selbst dazu beitragen, indem er seinen Torinstinkt wieder freilegt. "Raffael schießt Gladbach aus der Ergebniskrise", das wäre eine Schlagzeile, die ihm gefallen würde, auch wenn er sich wie die anderen Borussen nicht in einer echten, schweren Krise fühlt. Es passen ein paar Sachen nicht, aber wenn das so ist, ist es schwer, erfolgreich zu sein. Das ist bei Raffael so, und beim gesamten Team. Darum sagt Lucien Favre, gefragt nach Raffaels Produktivitätsproblem: "Wir müssen die Situation insgesamt analysieren und nicht auf einzelne Spieler schauen." Anders als in der vergangenen Saison hätte er eine Alternative für Raffael: Der Belgier Thorgan Hazard ist von Haus aus ein Zehner, er machte diesen Job bei Zulte Waregem in Belgien in der vergangenen Spielzeit sehr gut. Sein Trainer stattete ihn mit allen kreativen Freiheiten aus, Hazard wurde zum besten Spieler in Belgien gewählt. Doch Favre weiß auch, was er an Raffael hat. Darum setzt er auf ihn.

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Raffael will das Vertrauen schnellstmöglich wieder rechtfertigen - am besten mit Toren. "Ich bin bereit für den Moment", versichert er und lächelt das typische Raffael-Lächeln. Das, mit dem er durch die letzte Saison sauste. Raffael ist entschlossen, wieder der Alte zu werden.

Quelle: RP
 
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