| 20.44 Uhr

4:2 bei Hertha BSC
Raffael wird in Berlin zum Matchwinner

Raffael hämmert den Ball aus 28 Metern in den Winkel
Raffael hämmert den Ball aus 28 Metern in den Winkel FOTO: ap, SO
Berlin. Bei Hertha BSC startete Borussia fulminant, musste dann aber lange um den Auswärtssieg zittern. Am Ende war es der zuletzt kriselnde "Maestro" Raffael, der die drei Punkte sicherte. Von Karsten Kellermann, Berlin

Borussia hat ihre starke Auswärtsserie auch in Berlin fortgesetzt. Das 4:2 bei Hertha BSC war der der dritte Sieg in der Fremde in Folge. Es gab in der Hauptstadt die Auswärtspunkte neun, zehn und elf, womit die beiden beim 1:1 gegen Mainz verlorenen Heimzähler wieder "reingeholt" wurden. Lars Stindl, Thorgan Hazard per Elfmeter und Raffael schossen eine schnelle 3:0-Führung heraus, um die jedoch nach den Treffern von Vedad Ibisevic und Mitchell Weiser gezittert werden musste, bevor erneut Raffael den Sieg perfekt machte. "Das war eine sehr gute Auswärtspartie, wir haben sehr gut ins Spiel gefunden", sagte Nationalstürmer Stindl anschließend bei "Sky". "Nach dem 3:0 waren wir zu passiv, wir müssen uns ankreiden lassen, dass wir Berlin zurück ins Spiel kommen gelassen haben." Da die Konkurrenz im Vorfeld des Topspiels samt und sonders gepatzt hatte, kletterte Borussia mit nun 21 Punkten auf den dritten Tabellenplatz. Schalke (20 Punkte) und Hannover (18), die am Sonntag spielen, können aber noch vorbeiziehen.

Dieter Hecking rotierte auch in Berlin. Wie erwartet kehrte Christoph Kramer zurück in die Startelf, etwas weniger erwartbar gehörte zu dieser auch Fabian Johnson. Der Amerikaner bekam den Platz auf dem linken Flügel, dafür musste Vincenzo Grifo auf die Bank. Ein besonderes Kader-Combeack gab es auch: Josip Drmic gehörte zum ersten Mal seit dem 22. April zum Gladbacher Aufgebot. Hecking hatte die Drmic-Rückkehr in Aussicht gestellt, für den Stürmer war es eine große Sache, erstmals nach seiner zweiten Knie-OP wieder dabei zu sein.

Borussia dreht früh auf

Erst mal war er aber nur Beobachter, und als solcher saß er kaum auf der Ersatzbank im doch recht kalten und leeren Berliner Olympia-Stadion, als er schon wieder hoch erfreut aufsprang – wie alle Borussen. Denn Denis Zakaria startete auf der linken Seite einen forschen Sololauf, der in einer Hereingabe von der Grundlinie auf Lars Stindl mündete. Und der Kapitän tat, was er zuletzt auch für Deutschland getan hatte: Er schoss den Ball ins Tor, 1:0 für Gladbach nach fünf Minuten. Schon beim 2:2 in Leipzig hatte Zakaria Stindl einen Treffer aufgelegt.

Stindl, der sein viertes Saisontor schaffte, sammelte neun Minuten später einen inoffiziellen Assist ein. Erneut gab er einen Torschuss ab, dieses Mal aber lenkte ein Berliner den Ball über das Tor. Plötzlich stoppte Schiedsrichter Christian Dankert das Spiel, fasste an den Knopf in seinem Ohr – und machte das magische Quadrat in die Luft: Der Videoassistent hatte ein Handspiel des Berliners gesehen. Dankert gab Elfmeter. Zu Recht: Karim Rekik hatte bei seiner Abwehraktion den Arm draußen. Thorgan Hazard schoss den Ball wie schon in Leipzig und gegen Hannover vom Punkt ins Tor zum 0:2.

Und dann kam in der 20. Minute der große Moment von Raffael: Der "Maestro", dessen aktuelle Form zuletzt Gegenstand so mancher Debatte war, schoss sich den Frust von der Seele. Aus 25 Metern knallte er den Ball aus seitlicher Position mit Wucht in den Torwinkel. 3:0 nach 20 Minuten, ein famoser Blitzstart. Ganz Gladbach wurde beim Brasilianer vorstellig zur artigen Jubel-Gratulation.

Zwei Gesichter in einer Halbzeit

Doch nach 27 Minuten war das Gladbacher Glück ein Tor weniger groß. Denn Hertha kam zum 1:3, weil Borussias Defensive nicht einmal den Beinamen "Begleitservice" verdiente. Zunächst reagierte Yann Sommer ganz stark, doch der Ball kam postwendend zurück und Vedad Ibisevic durfte aus kurzer Distanz total ungedeckt den Anschlusstreffer markieren. Sommer schimpfte lauthals mit seinen Kollegen, doch die Botschaft kam nicht an. Denn in der Folgezeit gingen sie weiter allzu arglos zu Werke. Hertha drückte und kam zu vielen Ecken bei denen immer wieder ein Berliner zum Abschluss kam, per Kopf, per Fuß. Die 3:1-Führung wankte von Minute zu Minute, doch Gladbach, das nur ab und an konterte, rettete sie in die Pause. Oft zeigte Borussia in dieser Saison von Spiel zu Spiel zwei Gesichter, nun binnen einer Halbzeit.

Denis Zakaria, der defensiv viel abräumte und nach vorn aktiv war, und Lars Stindl waren indes die besten Borussen bis dahin, beide waren offenbar noch euphorisiert von ihren erfolgreichen Länderspielreisen (Zakaria schaffte mit der Schweiz die WM-Qualifikation, Stindl rettete dem DFB das 2:2 gegen Frankreich). Für Stindl, der auch nach hinten sauber arbeitete, war es bereits das zwölfte Tor im Jahr 2017. Doch Hertha zog aus dem einen Tor mehr Selbstvertrauen als die Borussen aus den dreien. So gingen die zunächst kalt erwischten Berliner noch mit der Hoffnung auf die Wende in die Pause. So ging ein Spiel, das schon entschieden schien, gefühlt recht offen in den zweiten Durchgang.

Die Halbzeitpause nahm Borussia Herthas Spiel ein wenig den Schwung, doch mit der Zeit wuchs der Druck wieder. Borussias Konterattacken waren nicht zielstrebig genug, zu oft gab es auch Ballverluste in der Vorwärtsbewegung. Hertha hatte schon zuletzt in Wolfsburg einen Rückstand aufgeholt und 3:3 gespielt. Diese Tatsache dürfte den Berlinern ein Ansporn gewesen sein – und hemmte sie Borussia? Der Verwaltungsmodus jedenfalls hat Gladbach noch nie wirklich gelegen. Und mutig wirkte nur Hertha, die Coolness, mit der Gladbach begonnen hatte war dahin, sie mutierte zur Zitterei. So lief vor allem die Zeit für Gladbach je länger Hertha nicht das zweite Tor schaffte.

Raffael antwortet auf Weiser

Das fiel in der 71. Minute, als Mitchell Weiser, der das Ibisevic-Tor schon vorbereitet hatte, ungedeckt abschließen durfte und traf. Nun stand alles, was die Gladbacher in den ersten Minuten aufgebaut hatten, endgültig auf der Kippe. Doch dann war erneut Raffael da und machte den Sack mit seinem zweiten Doppelpack in dieser Saison zu. Der Ex-Berliner war der Mann des Tages für Gladbach. In seiner früheren Heimat kann es die Wende für ihn gewesen sein.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Borussia wäre Tabellenzweiter, der Klub liegt aber auf Platz drei. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

 
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