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Borussia Mönchengladbach
Bobadilla auf Heynckes', Effenbergs und Kramers Spuren

Diese Borussen gingen und kehrten zurück
Diese Borussen gingen und kehrten zurück
Mönchengladbach. In 50 Jahren Bundesliga ist Raúl Bobadilla der 14. Borusse, der ging und wiederkehrte. Ein paar schrieben erst im zweiten Anlauf Vereinsgeschichte. Von Karsten Kellermann und Jannik Sorgatz
  • Jupp Heynckes (1970, nach drei Jahren in Hannover):

Hätte Jupp Heynckes gewusst, was er verpassen würde, als er 1967 zu Hannover 96 wechselte, er hätte Borussia wohl erst gar nicht verlassen. Doch er schied im Unfrieden, weil er sich im Vergleich zu Günter Netzer unter Wert veranschlagt sah und wusste, dass woanders mehr zu verdienen war, als Sparfuchs Helmut Grashof ihm für die Vetragsverlängerung anbot. Borussia wolle ihn nicht ziehen lassen wollte. Doch wie sein Sturmpartner Bernd Rupp, den es im selben Jahr zu Werder Bremen zog (Rupp kehrte 1972 zurück), bekam Heynckes seinen Willen und wurde 96er. 275.000 Mark kassierte Gladbach für den Ur-Borussen aus Holt. Richtig glücklich wurde er nicht bei den Niedersachsen. Nur 25 Tore schaffte Heynckes in drei Jahren, für einen wie ihn, der "immer nur Tore machen wollte, koste es, was es wolle" (Rainer Bonhof), war das nicht befriedigend. Darum kehrte er 1970 zurück zur "Torfabrik", deren Vorarbeiter er gewesen war und wieder werden sollte. Noch heute ist Heynckes mit 195 Toren in 283 Ligaspielen Borussias bester Bundesliga-Torjäger. Seine Stippvisite nach Hannover jedoch hat den tragischen Randaspekt, dass er den ersten Meistertitel "seiner" Borussia verpasste. Vier weitere gab es nach seiner Rückkehr immerhin noch, zudem wurde er mir Borussia Pokalsieger (1973) und Uefa-Ccup-Sieger (1979).

  • Wolfgang Kleff (1980, nach einem Jahr in Berlin):

Es war der Sommer zweier prominenter Rückkehrer: Wolfgang Kleff kam nach einem Jahr bei Hertha BSC aus Berlin zurück und Hans-Günter Bruns wurde nach der Ausleihe an Fortuna Düsseldorf wieder Borusse. So bekam Gladbach viel Routine in der Defensive zurück. Insbesondere im Tor. Kleff hatte zwar noch immer den kultigen Torwart-Pullover mit dem Vertikalsteifen, den er schon in den Meisterjahren trug, doch inzwischen war er schon 34. 13 Jahre zuvor war er erstmals Borusse geworden. Er musste  jedoch wegen einer Zehenverletzung lange auf sein Comeback warten: Erst im zweiten Rückrundenspiel stand er wieder im Tor. Borussia gewann 4:2 gegen Bielefeld. In der Saison danach verpasste er nur ein einziges (Pokal)Spiel. Am 29. Mai 1982 macht er dann gegen Darmstadt (6:1) aber sein endgültig letztes von 321 Meisterschaftsspielen für Gladbach, nur Uwe Kamps kam auf mehr Spiele (457). Kleff war in den goldenen 70ern der Mann hinter der Torfabrik, vom 19. April 1969 bis zum 12. Juni 1976 stand er in 244 Spielen ununterbrochen im Borussen-Tor.

  • Stefan Effenberg (1994, nach je zwei Jahren in München und Florenz):

Er kündigte an, dass er zur Not auch mit dem Fahrrad nach Gladbach zurückkommen würde, also hielt er Wort und kam mit dem Fahrrad. Je zwei Jahre hatte Stefan Effenberg beim FC Bayern und beim AC Florenz gespielt, im Sommer 1994 galt er nach dem Stinkefinger-Eklat bei der WM als Bad Boy des deutschen Fußballs. Ganz schön mutig war die Rückholaktion damals. "Wir haben sogar mit der Mannschaft Rücksprache gehalten, um auch von der Seite die Zustimmung zu haben, denn sonst hätte es nicht funktioniert", sagte der damalige Präsident Karl-Heinz Drygalsky zuletzt in einem Interview mit unserer Redaktion. Das Team gab Grünes Licht und für zwei Jahre flackerten die guten, alten Zeiten bei Borussia noch einmal auf mit einem fünften Platz, einem vierten und natürlich dem Pokalsieg 1995. Bevor Effenberg zum zweiten Mal nach München wechselte, half er 1998 noch mit, das erste Gladbacher Nichtabstiegswunder auf den Weg zu bringen. Ein Jahr später stieg Gladbach dann doch ab – ohne den "Tiger".

  • Martin Dahlin (1997, nach einem halben Jahr in Rom):

Vier Tore für Schweden bei der WM 1994, Pokalsieger 1995 mit Borussia und im Frühjahr 1996 auf dem Weg zur Torjägerkanone in der Bundesliga – Martin Dahlin war eine große Nummer auf dem Stürmermarkt. Doch die letzten Jahre seiner Karriere verliefen unrühmlich. In Gladbach wurde er für acht Spiele gesperrt nach einem üblen Ellenbogencheck. Ein Wechsel zu Juventus Turin kam dann nicht zustande, weil das Bosman-Urteil alles durcheinanderwirbelte. Offiziell wäre Dahlin ablösefrei gewesen, aber Borussia beharrte auf einer Klausel, nach der sich sein Vertrag bei einer Änderung des Transfersystems verlängern würde. Schließlich zahlte AS Rom 5,6 Millionen Mark Ablöse, doch Dahlin kam dort nur dreimal zum Einsatz – und stand Anfang 1997 wieder in Gladbach auf der Matte. Nach zehn Toren in 19 Spielen zog er weiter zu den Blackburn Rovers, verletzte sich dort allerdings schwer und wurde nie wieder so richtig fit. Mit 30 Jahren war Schluss – beim Hamburger SV.

  • Christoph Kramer (2016, nach einem Jahr in Leverkusen):

Eher versehentlich hatten Borussias Scouts den Lulatsch im Mittelfeld des Zweitligisten VfL Bochum entdeckt. Der Zielspieler hieß Leon Goretzka, doch das Supertalent entschied sich für den FC Schalke. 2013 lieh Gladbach also den weitgehend unbekannten Christoph Kramer aus, der offiziell Bayer Leverkusen gehörte. Dass er zwei Jahre später als Nationalspieler, ja sogar als Weltmeister zurückkehren sollte, konnte niemand ahnen. In der Saison 2015/16 war Kramer zwar Stammspieler unter Roger Schmidt, dessen Hardcore-Pressing-System lag ihm jedoch nur bedingt. Da Borussia im Sommer 2016 Granit Xhaka für viel Geld verkaufte, konnte sie 15 Millionen Euro davon in die bislang teuerste Rückholaktion investieren. Seitdem ist Kramer der Schlüsselspieler im Gladbacher Mittelfeld.

  • Raúl Bobadilla (2017, nach einem Jahr in Bern, einem halben in Basel und vier in Augsburg):

Als der Paraguayer den Verein im Januar 2012 verließ, gehörte er nicht zu den Abgängen der Sorte: "Wenn sich mal eine Chance für eine Rückkehr ergibt, muss man zuschlagen." Acht Tore hatte Bobadilla in zwei Jahren nur erzielt, aber für ähnlich viele Eskapaden gesorgt, mal auf dem Platz, mal daneben, wenn er wie im März 2010 mit 1,11 Promille im Blut von der Polizei angehalten wurde. Mit Bobadillas Zeit endete auch eine Zeit, in der Gladbach nicht gerade eine skandalfreie Zone war. Seit Jahren ist der Kader so nett oder auch "sauber", wie Sportdirektor Max Eberl zu sagen pflegt, dass sie sich zuletzt sogar nach etwas mehr Temperament gesehnt haben bei Borussia. Das soll Bobadilla nun mitbringen – und natürlich die Qualitäten eines bulligen Mittelstürmers, der so bislang nicht im Kader war.

Auch sie kehrten zu Borussia zurück:

  • Horst Köppel: 1971 nach Stuttgart, 1973 wieder da
  • Bernd Rupp: 1967 nach Bremen, 1972 wieder da
  • Winfried Schäfer: 1970 nach Offenbach, 1977 wieder da
  • Ewald Lienen: 1981 nach Bielefeld, 1983 wieder da
  • Hans-Georg Dreßen: 1989 nach Köln, 1990 wieder da
  • Michael Frontzeck: 1989 nach Stuttgart, 1995 wieder da, 1996 nach Manchester, 1999 wieder da
  • Peter Nielsen: 1997 nach Kopenhagen, 1999 wieder da
  • Marcel Ketelaer: 2000 nach Hamburg, 2002 wieder da
 
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