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Borussia Mönchengladbach
Bobadilla schöpft das Kitsch-Potenzial nicht aus

Borussia Mönchengladbach: Raúl Bobadilla spart sich den Kitsch
Lukas Klünter verhindert Raúl Bobadillas Comeback-Tor. FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Nico Elvedi ist Borussias "Derbyheld" beim 1:0-Auftaktsieg gegen Köln. Rückkehrer Raúl Bobadilla hätte sich beinahe noch neben ihn auf die Titelseiten gedrängt. Von Jannik Sorgatz

Bobadilla nach fünf Jahren und acht Monaten zurück

Manch ein Beobachter merkte an, dass die Gesamtgeschichte des Derbys zu kitschig geworden wäre, wenn in der Nachspielzeit auch noch Raúl Bobadilla getroffen hätte. Die Rippen des Kölners Lukas Klünter wehrten den gut getimeten Chip des Rückkehrers gerade noch zur Ecke ab. Dass er dabei Jonas Hofmann übersah, kam zwar nicht einer Freundschaftsanfrage bei Facebook gleich. Aber am dritten richtigen Arbeitstag beim neuen, alten Verein kann man auch nicht wissen, wer da neben einem lauert. Elvedi hatte den Derby-Kitsch also für sich alleine. Im Dezember 2011 war Bobadilla beim 1:0-Erfolg gegen den FSV Mainz 05 zuletzt für Borussia aufgelaufen. Nur bei Michael Frontzeck lagen einst noch ein paar Monate mehr zwischen Weggang (1989) und Rückkehr (1995).

Kramer gewinnt die erste Etappe

880 Meter brachte Bobadilla noch auf den Rasen, am wertvollsten waren zwei Zweikämpfe an der Eckfahne, die beinahe als Ringen durchgingen. Aber die Borussen waren insgesamt gleich wieder fleißig mit 121,9 gelaufenen Kilometern, der 1. FC Köln kam auf ebenfalls gute 121,1. Nach den Spielen gegen Schalke, Dortmund und Wolfsburg in der vergangenen Rückrunde hatte Gladbach unter Dieter Hecking die meisten Kilometer auf dem Tacho. Den teaminternen Tagessieg holte sich Christoph Kramer mit 12,7 Kilometern vor Lars Stindl (12,3) und Denis Zakaria (12,2). Bei seiner Auswechslung hatte Thorgan Hazard noch auf dem zweiten Platz gelegen.

Zakaria startet eindrucksvoll

Einen Bestwert im 19. Ligaspiel unter Hecking stellte Borussia bei der Passquote auf. 88,6 Prozent aller Zuspiele kamen an. In der ersten, noch deutlich dominanteren Halbzeit hatte der Wert über 90 Prozent gelegen. Hier ging der Tagespreis an Denis Zakaria, der nach seinem Debüt behaupten kann, in der Bundesliga mehr Gelbe Karten (eine) gesehen als Fehlpässe (null) gespielt zu haben. Neun weitere Profis schafften das am ersten Spieltag – aber keiner von ihnen stand mehr als 24 Minuten auf dem Rasen.

Jubiläums-Heimsieg für Borussia

Nachdem sich zuletzt Kölner und Gladbacher Derbysiege abgewechselt hatten, wäre am Sonntag der FC an der Reihe gewesen. Doch mit dem zweiten Erfolg im Jahr 2017 hat Borussia die starke Bilanz wieder zurechtgerückt. Seitdem Milivoje Novakovic 2008 für Köln traf und das Ende von Jos Luhukay besiegelte, gab es acht Gladbacher Siege im 13 Duellen bei nur drei Unentschieden und nur zwei Niederlagen (27:9 Tore). Seit dem Kölner Wiederaufstieg geht es jedoch stets knapp zu, seit 2012 konnte keiner der beiden Rivalen ein Derby mit mehr als einem Tor Unterschied für sich entscheiden. Das 1:0 war der 25. Gladbacher Heimsieg gegen Köln in der Bundesliga.

Sieben Ausfälle zum Auftakt

Dieter Hecking hatte am Freitag noch dafür plädiert, die Kadergröße bei Bundesligaspielen, analog zu Welt- und Europameisterschaften, zu erhöhen. Doch am Sonntag nahmen dann keinerlei Härtefälle auf der Tribüne Platz, sondern lediglich Verletzte. Josip Drmic (Reha), Mamadou Doucouré (Aufbautraining), Timothée Kolodziejczak (Aufbautraining), Tony Jantschke (muskuläre Probleme), Tobias Strobl (Kreuzbandriss), Fabian Johnson (Rückenprobleme) und kurzfristig auch Vincenzo Grifo (Kapselverletzung im Knie, voraussichtlich zwei Wochen Pause) fielen aus. Dafür saßen in Mickael Cuisance und Reece Oxford zwei 18-Jährige auf der Bank. Wirklich verbessert hat sich die Situation im Vergleich zur Vorsaison also noch nicht – es fallen bislang lediglich keine Stammspieler aus.

 
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