| 08.00 Uhr

Borussias Engländer überzeugt
Schon Özil wusste, was Reece Oxford als Sechser kann

Borussia Mönchengladbach: Reece Oxford nervte schon Mesut Özil
Reece Oxford (Mitte) bei seinem Premier-League-Debüt mit 16 Jahren. FOTO: afp, IK/JR
Mönchengladbach. Vier Monate lang musste sich Reece Oxford gedulden. Spätestens mit seinem Einsatz beim 3:1 gegen den Hamburger SV ist er bei Borussia angekommen. Nun stellt sich die Frage, wie lange er bleibt. Von Jannik Sorgatz

Dass Reece Oxford ein verlässlicher junger Mann ist, bewies er in der Nacht von Freitag auf Samstag. "Ich werde nach Hause fahren und vermutlich auf der Couch landen", hatte er im Borussia-Park auf die Frage geantwortet, wie er nach dem Sieg gegen den Hamburger SV in seinen 19. Geburtstag reinfeiern wolle. Um kurz nach Mitternacht postete der Engländer ein Foto von sich bei Instagram, auf eben jener Couch sitzend. Es gibt keinen Grund, zu bezweifeln, dass es seine eigene war.

Dafür besteht der Verdacht, dass Oxford entweder seinen Trainer angeflunkert hat oder die beiden vor dem letzten Hinrundenspiel aneinander vorbeigeredet haben. Dieter Hecking bot ihn überraschend auf der Doppelsechs neben Michael Cuisance auf, mit 37 Jahren und 120 Tagen waren beide zusammen jünger als Claudio Pizarro. "Er hat mir gesagt, dass er dort in der Jugend gespielt hat. Dann habe ich gefragt: 'Und? Hast du es gut gemacht?' So genau wusste er es nicht mehr", verriet Hecking nach dem Spiel, das seine beiden Jüngsten mit Bravour gemeistert hatten. Dabei war es doch am 9. August 2015 die Position vor der Abwehr, auf der Oxford, damals noch 16 Jahre alt, für West Ham United sein Debüt in der Premier League gefeiert hatte. Der Gegner hieß Arsenal, sein Gegenspieler Mesut Özil – West Ham gewann auswärts 2:0 und Oxford meldete den 47-Millionen-Euro-Mann weitgehend ab.

"Ich dachte mir, wir brauchen unbedingt einen Abräumer vor der Viererkette, der cool ist - und der zur Not auch als dritter Innenverteidiger aushelfen kann. Aber der auch mit dem Ball umgehen kann”, sagte West Hams damaliger Trainer Slaven Bilic, es hätten auch Heckings Worte am Freitag sein können. "Die erste Überlegung war, Matthias Ginter wieder nach vorne zu schieben. Das war auch die offensichtlichste", erklärte der wiederum seine Entscheidung. "Aber dann kam bei mir der Gedanke, dass sich Ginter und Jannik Vestergaard immer besser finden. Ich wollte sie nicht wieder auseinanderreißen."

Der Plan ging auf, weil Oxford wieder das zeigte, wofür er bereits vor zwei Jahren gelobt wurde. Als der U20-Nationalspieler in der 89. Minute vom Platz ging, hatte er die meisten Kilometer zurückgelegt. In der Anfangsphase traf Oxford mit einem hochwertigen Drehschuss die Latte, nur vor dem zwischenzeitlichen 1:1 patzte er im Mittelfeld. Borussia stand nach einer eigenen Ecke zu offen, zudem informierte Nico Elvedi gerade seinen Trainer an der Seitenlinie, dass es für ihn nicht weitergehe. Es könnte also sein, dass Oxford am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen, wie schon unter der Woche beim SC Freiburg, wieder rechts hinten beginnt, wenn Denis Zakaria nach seiner Gelbsperre zurückkehrt.

Theoretisch könnte es schon Oxfords letztes Spiel für Gladbach sein, nach dann nur vier Einsätzen hätte West Ham die Möglichkeit, das Leihgeschäft vorzeitig zu beenden. Doch der 19-Jährige dürfte mindestens bis zum Saisonende bleiben, und wenn es für sieben Millionen Euro eine Chance gibt, ihn permanent zu verpflichten, dürfte Borussia alles dafür tun. Die Sondierungsgespräch laufen, sagte Manager Max Eberl. Rätselhaft wäre nur, wenn ein Mittelklasse-Verein der Premier League wie West Ham, einem solchen Talent keinerlei Perspektive bieten könnte.

"Der Klub ist perfekt für junge Spieler", sagte Oxford über seinen aktuellen, Borussia. "Du musst einfach hart trainieren und auf die Chance hoffen." Diese Geduld hat er vier Monate lang aufgebracht. Am Freitag fielen ihm Denis Zakaria, Ibrahima Traoré und Mamadou Doucouré in der Mixed Zone um den Hals. Sozial war Oxford schon lange in Gladbach angekommen, seit vergangener Woche ist er es auch sportlich.

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Borussia Mönchengladbach: Reece Oxford nervte schon Mesut Özil


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.