| 21.16 Uhr

Borussia Mönchengladbach
"Rein theoretisch ist die Chance auf Europa noch da"

Gladbach - Augsburg: die Bilder des Spiels
Gladbach - Augsburg: die Bilder des Spiels FOTO: dpa, mb hpl
Mönchengladbach. Dieter Hecking brachte es auf den Punkt. "Mit dem Unentschieden kann ich leben, mit der Leistung nicht", sagte Borussias Trainer nach der alles in allem recht blutleeren Darbietung seiner Mannschaft beim 1:1 gegen den FC Augsburg. Von Karsten Kellermann

André Hahn schaffte nach einer der wenigen brauchbaren Flanken des Spiels in der vierten Minute der Nachspielzeit den von kaum noch jemandem für möglich gehaltenen Ausgleich.

"Es ist ein schöner Punkt, den wir mitgenommen haben, der mit Moral und weniger mit fußballerischer Brillanz zu begründen ist. Dass Augsburg kein Gegner ist, der uns liegt, war bekannt. Augsburg hat uns mit dem 0:1 einen Schlag versetzt, aber wir haben es trotzdem versucht und haben trotzdem einen Punkt mitgenommen. Damit bleiben wir ein Stück weit, auch wenn wir zwei Punkte verloren haben, im Kampf um Europa mit dabei. Der Punkt kann vielleicht nochmal wichtig sein", resümierte Sportdirektor Max Eberl.

"Ich weiß nicht, ob es ein verdienter Punkt war, aber es ist am Ende auch egal. Der Punkt ist sehr wichtig, weil wir weiter im Rennen sind. Wir haben noch zwei Spiele und müssen möglichst voll punkten für Europa", sagte der Schweizer Torhüter. "Rein theoretisch ist die Chance auf Europa noch da, wir sollten aus den nächsten beiden Spielen sechs Punkte holen, dann werden wir sehen, wie es aussieht", sagte Torschütze Hahn, der 2014 vom FC Augsburg nach Gladbach gekommen war. Hahns drittes Saisontor verhinderte also das vermeintliche Aus im Europarennen. Für den Stürmer war es der erste Treffer seit dem 26. Februar, als er beim 2:0-Sieg in Ingolstadt das zweite Tor erzielte.

Dass die Ultras in der Nordkurve das Spiel weitgehend schweigend verfolgten, war ihm, aber auch Manager Eberl aufgefallen. Der hatte vor dem Spiel den Schulterschluss von Fans und Mannschaft erhofft. "Es lag nicht an der fehlenden Unterstützung, dass wir kein gutes Bundesligaspiel gemacht haben. Es ist aber schade, dass die Wichtigkeit eine andere ist als das Spiel und das zu Ende bringen einer Saison", sagte Eberl. "Wir wollen in den letzten Spielen noch versuchen, etwas Großes zu erreichen und sollten alle Eitelkeiten hinten an stehen lassen." Dass es zwischenzeitlich auch Pfiffe gab, war indes nachvollziehbar. Zu wenig boten die Borussen an, um die Fans wirklich "on fire" zu setzen. Zwar hatten sie 63 Prozent Ballbesitz und brachten es in der Statistik auf 18 Torschüsse, doch die waren vor allem Versuche ohne Mehrwert. "Wir haben es bis zum Schluss probiert und haben gemerkt, dass es sehr schwierig ist gegen eine Mannschaft, die sehr eng steht und viel verteidigt, Lösungen zu finden", sagte Sommer. Warum das Team leer wirkte, "kann ich nicht erklären. Wir haben fast nie die Tiefe gefunden, konnten uns fast nie herausspielen", so der Torhüter.

Für Hahn war sein Treffer eine gewisse Genugtuung, nachdem er in dieser Saison oft eben nicht getroffen hatte, wie beispielsweise in Hoffenheim, als er den Ball beim Stand von 2:2 an den Pfosten statt ins Tor bugsierte. Nun machte er alles richtig. "Ich freue mich, dass ich mich endlich belohnt habe. Ich habe in den letzten Wochen gute Spiele gezeigt, heute war es nicht so gut, aber ich habe immerhin ein Tor gemacht, das am Ende vielleicht noch wichtig für uns sein kann. Mir persönlich tut das natürlich sehr gut – und auch der Mannschaft, weil wir nicht verloren haben", sagte Hahn, der ansonsten als vorderste Spitze kaum im Spiel war.

"Dass wir in der Nachspielzeit noch das 1:1 machen, zeigt, dass wir in der Mannschaft eine tolle Moral und einen tollen Charakter haben und auch in der 90. Minute plus vier nicht aufstecken, sondern versuchen, das Tor zu machen. Dafür haben wir uns belohnt", sagte Hahn. "Mit dieser einen Aktion haben wir gezeigt, dass wir immer an uns glauben", sagte er. Gleichwohl weiß er, dass es fußballerisch insgesamt zu wenig war. "Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit streckenweise beherrscht, sind dann in einen Konter gelaufen und sind danach nicht zwingend genug geworden. Das müssen wir uns vorwerfen", sagte Hahn.

Kurz vor seinem Tor hatte er sich noch eine Gelbe Karte mit einer Art Frustfoul eingehandelt.  "Wenn man zu Hause 0:1 hinten liegt und man merkt, dass beim Team und bei einem selber nicht viel zusammen läuft, ist man wütend über sich selbst, weil man viel machen will – da sind dann Emotionen dabei. Trotzdem haben wir uns noch belohnt", sagte Hahn.

 
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