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Borussia Mönchengladbach
Rheinisches Derby als Fernduell

Borussia Mönchengladbach: Rheinisches Derby als Fernduell
Lars Stindl erzielt im Derby in Köln das Siegtor. Im Rennen um Europa hat aber der FC die bessere Ausgangsposition. FOTO: dpa, mb hak
Mönchengladbach. Ausgerechnet Lokalrivale 1. FC Köln droht, der Borussia das Ziel von der Teilnahme am Europapokal zu vermasseln. Gladbach muss auf einen Ausrutscher der Kölner hoffen. Kapitän Lars Stindl gibt zu: Köln hätte den Europapokal verdient. Von Jannik Sorgatz

Lars Stindl hatte geahnt, dass die Frage kommen würde: Wäre es besonders ärgerlich, wenn am Ende der 1. FC Köln zwischen Borussia Mönchengladbach und einer erneuten Europapokal-Teilnahme stünde? "Man müsste fairerweise sagen, dass die Kölner es verdient hätten", sagte Stindl mit aller Diplomatie. Auch wenn Borussias Kapitän sein Derby-Siegtor als "schwer zu übertreffen" bezeichnete, waren die Gladbacher in dieser Woche weit davon entfernt, dem Rivalen vor dem Saisonfinale wacklige Beine einzureden.

Die Lage ist eindeutig: Gladbach muss heute gegen den SV Darmstadt gewinnen, um noch Siebter werden zu können, gleichzeitig muss Köln gegen den FSV Mainz 05 verlieren und Werder Bremen bei Borussia Dortmund Punkte lassen. Selbst Optimisten dürften die Europa-Wahrscheinlichkeit nur im einstelligen Prozentbereich ansiedeln. Zumal noch eine Niederlage von Eintracht Frankfurt im DFB-Pokalfinale gegen Dortmund am nächsten Samstag nötig wäre. "Erstmal müssen wir die Voraussetzungen schaffen, dass wir überhaupt noch einmal nach Köln gucken können", sagte Trainer Dieter Hecking und erinnerte an die vergangenen beiden Wochen, als Borussia ihre Aufgaben mit einem 1:1 gegen den FC Augsburg und einem 1:1 beim VfL Wolfsburg nur unzureichend erledigte.

Deshalb haben sie sich für heute noch ein paar Ziele gesetzt, die ohne fremde Hilfe erreichbar sind. Ein Sieg würde Borussia zum sechsten Mal in Folge die vereinsintern fast schon heilige Einstelligkeit in der Tabelle bescheren, das gelang zuletzt in den 80er Jahren. Außerdem geht es noch um Fernsehgelder. Ein Großteil der Summe wird anhand einer Fünf-Jahres-Tabelle verteilt, virtuell steht Borussia dort auf dem dritten Platz, hat sich an Bayer Leverkusen und dem FC Schalke vorbeigeschoben. Gelingt kein Sieg gegen Darmstadt, könnten sich die Einnahmen in der kommenden Saison um bis zu 2,1 Millionen Euro verringern. "Da wollen wir natürlich keine Luft dran lassen", sagte Hecking.

Sein Sportdirektor Max Eberl steht vor einer ähnlichen Situation wie 2013, als der Verein zuletzt den Europapokal verpasste: Er muss Spieler finden, die ihre Unterschrift nicht davon abhängig machen. Damals wurden Raffael, Max Kruse und Christoph Kramer geholt, die Borussia im Folgejahr als Sechster zurück ins internationale Geschäft führten. "Diese Transferperiode wird extrem in allen Belangen, aber auch extrem spannend", sagte Eberl. Vincenzo Grifo, der Topscorer des SC Freiburg, wird die erste Maßnahme sein, um sich dem wilden Treiben etwas zu entziehen. Die Verpflichtung des 24-Jährigen dürfte in den nächsten Tagen verkündet werden.

Darüber hinaus hat Eberl in diesem Jahr bereits fünf Verträge mit gestandenen Spielern wie Yann Sommer, Lars Stindl und Fabian Johnson verlängert, "unser Gerüst", so der Manager, "das war in den letzten Jahren nicht typisch für uns." Dass Leihspieler Andreas Christensen zum FC Chelsea zurückkehrt, dürfte vorerst mit dem bestehenden Kader kompensiert werden. Lediglich Mo Dahoud sorgt mit seinem Wechsel zu Borussia Dortmund für erhebliche Transfereinnahmen. "Also müssen wir von dem leben, was wir uns an Fett angefressen haben", sagte Eberl. Das reicht für einen wie Denis Zakaria von den Young Boys Bern. Der 20-jährige Schweizer gilt als eines der größten Talente seines Landes und soll sich mit Borussia einig sein. Was auch bedeuten würde: Der Mittelfeldspieler wäre nicht abgeneigt, zu einem Klub zu wechseln, der nur in der Liga und im Pokal aktiv ist. Raffael, Kruse und Kramer haben es 2013 sicherlich nicht bereut.

Quelle: RP
 
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